Ahrensburg

Denkmalschutz für Rathaus: Politiker zögern

Ahrensburger Stadtverordnete erwarten vom Landesamt zunächst Informationen über finanzielle Auswirkungen der Maßnahme.

Ahrensburg. Noch in diesem Jahr könnte das Ahrensburger Rathaus unter Denkmalschutz gestellt werden. Das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel ist offenbar stark daran interessiert. Wenn es jedoch schnell gehen soll, müsste Ahrensburg als Eigentümerin des Gebäudes beim Landesamt einen entsprechenden Antrag stellen (wir berichteten). Die Entscheidung darüber liegt in den Händen der Stadtverordneten. Das Abendblatt hat sich bei den Politikern umgehört, um ein möglichst breites Meinungsbild zu erhalten. Doch wollen viele, bevor sie sich äußern, noch den Vortrag der Denkmalschützerin Astrid Hansen abwarten. Sie wird in einer der kommenden Sitzungen des Bauausschusses versuchen, die Politiker von der Schutzwürdigkeit des Rathauses zu überzeugen.

"Nach derzeitigem Stand halte ich es für unrealistisch, dass wir einen Antrag stellen", sagt Tobias Koch, Fraktionschef der CDU. Es könne sein, dass der Denkmalschutz eine zusätzliche Erschwernis für anstehende Sanierungsarbeiten bedeute. Koch: "Auflagen wird es dann mit Sicherheit geben. Wir müssen mit dem Denkmalschutz gemeinsam darüber nachdenken, wie die Maßnahmen etwa des Brandschutzes oder der energetischen Sanierung bezahlbar bleiben." Doch sei es nun zunächst Aufgabe des Landesamtes, die Folgen des Denkmalschutzes zu erläutern.

Thomas Bellizzi (FDP) sagt: "Es wird weniger um ästhetische Dinge gehen als vielmehr um die Kosten eines solchen Schrittes." Zunächst müssten Landesamt und Verwaltung darüber informieren, was ein Rathaus unter Denkmalschutz zur Folge hätte. Bellizzi: "Wir brauchen eine konkrete Kostenaufstellung, was uns das in den kommenden Jahren kostet." Sollte sich dabei herausstellen, dass das denkmalgeschützte Rathaus mehr koste als ein Neubau, könne er einem Antrag für den Schutz des Rathauses nicht zustimmen.

Derzeit würde er sich dagegen aussprechen, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. "Es wäre aber interessant, die Bürger über diese Frage entscheiden zu lassen." Dazu müssten ihnen klar die Konsequenzen eines solchen Schrittes aufgezeigt werden, sagt der FDP-Fraktionschef. An eine Entscheidung noch in diesem Jahr glaube er nicht, so Bellizzi. "Es darf keinen Kurzschluss geben. Die Verwaltung benötigt sicherlich länger als vier Wochen, die ganzen relevanten Daten zusammenzubekommen", so der Liberale.

Auch Hinrich Schmick (WAB) sieht die Verwaltung in der Pflicht. "Wir sehen noch großen Klärungsbedarf", sagt der WAB-Fraktionschef. So sei noch nicht klar, welche Kosten auf die Stadt zukämen. Schmick: "Es gibt am Gebäude einen erheblichen Sanierungsbedarf. Da kann der Denkmalschutz über die Jahre teuer werden." Für 2013 und 2014 sind 2,5 Millionen Euro allein für die Nachrüstung des Brandschutzes vorgesehen. Für ihn sei wichtiger, die Sicherheit der Mitarbeiter der Verwaltung zu gewährleisten, als den Bau für die Nachwelt zu erhalten. "Seit Langem ist klar, dass der Brandschutz nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügt." Bevor man sich unwissend auf ein finanzielles Abenteuer einlasse, müssten die Politiker sorgfältig abwägen. "Die WAB-Fraktion ist allerdings geschockt, dass wir erst aus der Zeitung und nicht direkt vom Bürgermeister über das Verfahren informiert wurden", so Schmick. Dabei wisse die Verwaltung schon seit einigen Monaten davon.

Weitere Informationen will auch die SPD-Fraktion sammeln, bevor sie sich positioniert. "Wir müssen erst die Sachargumente kennen", sagt Rafael Haase (SPD). "Dazu ist zunächst ein Vortrag der Verwaltung oder des Landesamtes nötig." Er selbst verstehe jedoch, dass die Denkmalschützer auf das Gebäude aufmerksam geworden seien. Haase: "Ein ähnliches Gebäude wird man in Schleswig-Holstein so schnell nicht noch einmal finden." Er rechne auch nicht damit, dass die notwendigen Investitionen für den Brandschutz teurer werden würden, wenn das Rathaus im Denkmalbuch eingetragen sei. Haase: "Das Gebäude ist so konzipiert, dass etwa der Bau eines weiteren Treppenhauses nicht teurer werden würde, wenn es unter Schutz steht." Generell wünsche er sich bei der Denkmalpflege jedoch ein deutliches Bekenntnis des Landes. "Wenn es will, dass Gebäude geschützt werden, dann muss es auch finanzielle Mittel dafür bereitstellen."

Petra Wilmer, Fraktionsvorsitzende der SPD, sagt: "Wir haben noch viele Fragen, sowohl zu dem Gebäude als auch zu den finanziellen Auswirkungen." Es dürfe keine Bauchentscheidung bei dem Thema geben, so Wilmer. Überrascht sei sie, dass die Stadt selbst einen Antrag stellen könne, um das Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen. Wilmer: "Ich dachte, dass die Objekte vom Landesamt ausgewählt werden und man als Eigentümer wenig Möglichkeiten hat, dem zu widersprechen."

Ein breites Meinungsspektrum gibt es laut Jörg Hansen derzeit noch in der Grünen-Fraktion. "Ich habe mal rumgefragt bei den Kollegen. Einige sagen, dass Gebäude sollte gesprengt werden, andere wollen es unter Denkmalschutz stellen", sagt der Grünenpolitiker. "Ich halte es für eine optimistische Vorstellung, dass es schon in diesem Jahr eine Entscheidung gibt." Vielleicht könne man mit dem Landesamt vereinbaren, dass es für die Eintragung ins Denkmalbuch im Gegenzug Zuschüsse gibt, so Jörg Hansen.

Sollte Ahrensburg keinen Antrag stellen, würde das Landesamt für Denkmalpflege ein Anhörungsverfahren einleiten. Die Stadt müsste dann Stellung nehmen. Das Landesamt trifft jedoch die Entscheidung. Wollten die Stadtpolitiker ein denkmalgeschütztes Rathaus verhindern, müssten sie die Verwaltung beauftragen, Widerspruch einzulegen und im nächsten Schritt vor dem Verwaltungsgericht zu klagen.