Kommentar

Die Straße ist für alle da

Beide fahren zwar, aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf: Radler und Autofahrer sind sich nicht unbedingt in inniger Freundschaft zugetan. Die einen neigen dazu, aus ihrer ausschließlichen Nutzung der Muskelkraft ein Gefühl der moralischen Überlegenheit gegenüber denjenigen abzuleiten, die sich der Kraft eines Motors bedienen. Und diese wiederum neigen dazu, die Straße als ihr angestammtes Revier anzusehen - und Radler auf dem Asphalt mit gewagten Überholmanövern in die Schranken zu weisen.

In den drei Stormarner Teststrecken mit Schutzstreifen für Radfahrer steckt deshalb auch ein Stück Verkehrspädagogik. Können wir Fahrer lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen - egal, ob wir uns mit dem Rad oder mit dem Auto fortbewegen? In den Niederlanden gehört die Aufteilung der Straßenfläche in Zonen für Autos und für Radler längst zum Alltag - auch außerhalb der Städte. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass das auch in Deutschland klappen könnte.

In den Teststrecken steckt zugleich auch ein Stück Zukunft. Um das zu verstehen, genügt ein Blick auf die Benzinpreisentwicklung. Gerade auf kurzen Strecken wird das Fahrrad immer mehr zu einer preisgünstigen Alternative zum Auto. Das gilt nicht nur für die Fahrt von einem Stadtteil zum anderen, sondern auch für die von einem Dorf zum anderen. Und wer mal das Auto und mal das Rad nutzt, dem gelingt es sicher besser, das Gemeinsame zu sehen - und den jeweils anderen zu verstehen.