Stormarn

Sie polieren Reinfelds Image auf

Studenten aus Göttingen zeigen in einem Marketingkonzept, dass die Stadt viel mehr bieten könnte als nur Karpfen

Reinfeld. Welche Wirkung hat Reinfeld auf Außenstehende, und wie kann die Stadt diese Außenwahrnehmung verbessern? Mit diesen Fragen haben sich vier Studenten der Betriebswirtschaft der privaten Fachhochschule Göttingen mit ihrem Professors Hans-Christian Riekhof in einem Praxisprojekt beschäftigt. "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Reinfeld eine verschlafene Stadt mit einem veralteten Karpfen-Image ist, die hauptsächlich ein älteres Publikum anspricht", sagt Student Thorsten Jacobi. Zudem habe die Gruppe festgestellt, dass es bei den in Reinfeld angebotenen Aktivitäten keinen roten Faden gebe.

Keiner der vier Studenten war vor der Präsentation des Marketingkonzepts, das sie für die Stadt kostenlos erarbeitet hatten, je in Reinfeld gewesen. Ihr Bild von der Stadt machten sich die jungen Leute mit Hilfe des Internetauftritts und mit Materialien, die ihnen Bürgermeister Gerhard Horn bei einen Besuch in Göttingen mitgebracht hatte.

Auf Grundlage ihrer Eindrücke aus der Ferne entwickelten die Niedersachsen ein Marketingkonzept für Reinfeld. "Der Schwerpunkt sollte auf dem Operativen und nicht auf dem Strategischen liegen", sagt Gerhard Horn, "denn es sollte auf keinen Fall ein Schubladenprojekt werden."

Die von den Studenten entwickelten Ideen und Vorschläge haben das Ziel, eine jüngere Zielgruppe, die 20- bis 35-Jährigen, anzusprechen. Zudem sollen sie Reinfeld weg vom alten Image bringen. Jacobi: "Die Menschen sollen nicht mehr nur an Karpfen denken, wenn sie Reinfeld hören."

Die Studenten raten der Stadt auch, das Potenzial des Herrenteichs besser auszuschöpfen. Christoff Schwartz: "Der Herrenteich liegt direkt im Stadtzentrum. Das sind ideale Voraussetzungen."

Neue Attraktionen sollten geschaffen werden. "Dabei soll die Natur aber immer im Vordergrund bleiben", so Jacobi. Das Team entwickelte für Reinfeld den Slogan "Adventure in Nature". Matthias Weltken: "Wir wollen Abenteuer in die Natur bringen, die Natur aber so lassen, wie sie ist. Deshalb haben wir uns nur für umweltfreundliche Sportarten entschieden."

"Unsere Idee ist es, am Herrenteich einen Bootsverleih mit Tret-, Solar- und Elektrobooten aufzubauen", sagt Christoff Schwartz. Erweitert werden könne das Angebot durch eine Minigolf- oder Discgolfanlage sowie mit verschiedenen Gastronomieangeboten. Auf allen Teichen in der Stadt soll es die Möglichkeit geben, Modellboote fahren zu lassen.

Ein weiterer Vorschlag der Studenten ist die Errichtung eines Hochseilgartens. "Die Kletteranlagen erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit und sprechen alle Altersgruppen an", sagt Marie-Valerie Sehn. Firmen würden solche Anlagen für Teamtrainings nutzen.

Auch Elektro-Motocross- und Mountainbike-Parks oder -Strecken könnten sich die Studenten in Reinfeld vorstellen. Christoff Schwartz: "Wir wollen neuen Wind nach Reinfeld bringen, indem wir eine junge, frische und dynamische Zielgruppe ansprechen." Marie-Valerie Sehn ergänzt: "Die Jüngeren sind schließlich diejenigen, die mobil sind und hier auf der Autobahn an der Stadt vorbeifahren."

Auch wenn ihre Ideen auf jüngere Menschen ausgerichtet seien, sollten Ältere in Zukunft nicht ausgeschlossen werden, so Professor Hans-Christian Riekhof. Es gehe mehr darum, bei der Außendarstellung aus strategischen Gründen eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. "Das Durchschnittsalter eines Mercedesfahrers beträgt auch 65 Jahre, aber in der Werbung sieht man immer jüngere Menschen", so der Professor.

Bürgermeister Gerhard Horn ist von den Ideen begeistert. "Das war ausgesprochen hilfreich, weil wir jetzt endlich mal etwas Operatives haben." Er wünsche sich, dass Teile des Konzepts umgesetzt werden. Horn: "Ich denke, dass wir damit unsere Besucherzahlen steigern würden."

Der Bürgermeister kündigte an, so schnell wie möglich Kontakte zu potenziellen Betreibern der verschiedenen Projekte aufnehmen zu wollen. Als nächsten Schritt wird er das Konzept in die verschiedenen politischen Gremien geben, um die Ideen durchzusprechen. Die Kooperation mit der Fachhochschule soll weitergeführt werden.