Nur noch 200 Zuschauer zugelassen

Die Sportplatz-Posse von Oststeinbek

Kette von Missverständnissen: Gemeindevertreter wollen soeben erlassene Auflagen für Fußballer wieder zurückziehen

Oststeinbek. Maximal 200 Zuschauer bei Fußballspielen, keine Trommeln und Tröten, Bandenwerbung aus Weichplastik statt Blech - um die Nachbarn des Oststeinbeker SV vor Lärm zu schützen, wollte die Gemeinde die Auflagen für die Benutzung des Kunstrasenplatzes verschärfen. Trotz kritischer Anmerkungen winkten die Politiker im Hauptausschuss eine entsprechende Vorlage der Verwaltung durch. Doch nach heftigen Protesten der Fußballer rudern sie jetzt zurück.

"Wir können nicht Politik für ein paar Anwohner machen, das ist handwerklich nicht sauber gelaufen", sagt CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Vorbeck. Mit SPD-Fraktionschefin Irene Kastner ist er sich einig: In der Gemeindevertretersitzung am 26. März wird die neue Benutzungsordnung wieder einkassiert. "Wir wollen ausloten, wie die gesetzlichen Regeln sind und wo wir Freiräume haben", sagt Vorbeck. Schließlich wolle man dem 1500 Mitglieder starken Verein das Leben nicht unnötig schwer machen.

Der Sportverein will beim Punktspiel am kommenden Freitag gegen den SV Curslack-Neuengamme mit der Aktion "Steht auf für den OSV" möglichst viele Fans ins Stadion locken und friedlich protestieren. Wenn die Zuschauerzahl beschränkt würde, müssten die Stormarner zum Beispiel am 4. Mai einen Großteil des Anhangs von Altona 93 abweisen. Das könne es nicht sein, meint Hans-Joachim Vorbeck. Er sagt: "Wenn ein großer Verein kommt, bringt der bis zu 150 Schlachtenbummler mit. Und auch die OSV-Jugendspieler haben freien Eintritt, wie soll der Verein das denn regeln?"

Über die Nutzung der Sportanlagen - der sogenannte C-Platz, der Kunstrasenplatz und die Sporthallen - war schon im Ausschuss für Kultur, Soziales und Jugend (KSJA) abgestimmt worden. Für die jüngste Sitzung des Hauptausschusses hatte die Verwaltung die Vorlage aber um zwei neue Punkte ergänzt: die Einschränkungen der Spielzeit und der Zuschauerzahl. "Die Bürgermeisterin hat das als Empfehlung des Landes dargestellt, und wir haben das nicht hinterfragt", sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Irene Kastner heute. "Da haben wir einfach einen Fehler gemacht.", meint auch Hans-Joachim Vorbeck. Er sei davon ausgegangen, dass die Benutzungsordnung vorab mit dem OSV besprochen worden war.

Doch Vereinsvorstand Hans-Helmuth Luther wusste von nichts. Er habe erst zwei Tage nach der Abstimmung bei einem Gespräch mit Anwohnern und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) erfahren, dass die Benutzungsordnung geändert wurde. "Dabei haben wir vom LLUR bestätigt bekommen, das es keinen Handlungsbedarf gibt, etwas zu verändern", sagt er.

+++ Lärmgutachten schafft Klarheit +++

Bürgermeisterin Martina Denecke hat das Landesamt anders verstanden. Deshalb habe sie veranlasst, dass der von den Anwohnern eingeschaltete Mitarbeiter des Landesamtes auch mit Vereinsvertretern spricht und seine Vorgaben erläutert. Sie habe auch den OSV über die Vorschläge des LLUR informiert, so Denecke. Warum der Landesbeamte dem Verein beim Treffen etwas anderes erzählt habe, könne sie nicht nachvollziehen. Denecke: "Ich will weder den OSV beschneiden noch den Anwohnern zu viel zubilligen. Aber wenn das LLUR sagt, das müsst ihr umsetzten, dann machen wir das auch." Lärmschutz sei kein "Wunschkonzert", aus dem sich jeder heraussuchen könne, was ihm passe.

"Das war ein Missverständnis. Wir waren überrascht, dass die Gemeinde gleich eine neue Benutzungsordnung erlässt", sagt jetzt Martin Schmidt, Sprecher des Landesamtes. Der Tenor in beiden Gesprächen sei gewesen, zu prüfen, was an sogenannten "weichen Maßnahmen" möglich sei. Derzeit seien keine eindeutigen Verstöße feststellbar. Den Spielbetrieb in der laufenden Saison werde das Amt auf keinen Fall in Frage stellen. Es empfiehlt aber ein neues Lärmgutachten. Dass Oststeinbek die strittigen Vorgaben zurücknehmen will, sei zu begrüßen. Weitere Gespräche werde das Amt gern begleiten.

Die Oststeinbeker Politiker sehen die schiefgelaufene Abstimmung als Folge der ausufernden Beratungen in den Ausschüssen. Das koste die Ehrenamtlichen Kraft und Konzentration, sagt Hans-Joachim Vorbeck. "Wir müssen wieder dahin zurückkommen, dass wir die Themen im jeweiligen Fachausschuss beraten und dann gleich in der GV." Auch SPD-Fraktionschefin Irene Kastner meint: "Wir kommen nicht vom Fleck, weil alle Themen in allen Ausschüssen wieder auftauchen. Das lähmt uns alle." Hinzu komme, dass aus den Vorlagen nicht mehr erkennbar sei, was sich in der Zwischenzeit getan hat. Laut Bürgermeisterin waren die Veränderungen zur Benutzungsordnung indes rot gedruckt und lagen den Politiker zehn Tage vor der Sitzung vor.

OSV-Chef Hans-Helmuth Luther hat nach fast drei Jahren Nachbarschaftsstreit keine Geduld mehr. Um den Anwohnern entgegenzukommen, habe der Verein schon Spiele vorverlegt sowie Lautsprecher und Musik abgestellt. Lösungsvorschläge vom Ballnetz über einen höheren Lärmschutzwall bis zu einem weiteren Kunstrasenplatz im Ortsteil Havighorst habe die Gemeinde nicht angenommen. "Jetzt ist die Politik an der Reihe", sagt er. Die Situation am Sportplatz hätten schließlich die zu verantworten, die das Baugebiet ausgewiesen haben.