Stormarn

Der unbekannte Lebensretter

Diesen Sonnabend ist Organspendetag. Karsten Schmidt aus Ahrensburg bekam eine neue Leber

Ahrensburg. Karsten Schmidt erinnert sich noch gut an die erlösenden Worte seines Arztes: "Ich habe ein Leberchen für sie." Der Anruf aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) kam völlig unerwartet. Schmidt war mitten in der Arbeit in der Ahrensburger Prinovis-Druckerei.

Sofort fuhr er nach Hause. Packte ein paar Sachen und verabschiedete sich von seiner Frau und den drei Kindern. Keine halbe Stunde später stand schon der Krankenwagen vor der Tür und brachte den Ahrensburger in die Uni-Klinik. Vier Stunden dauerte die Operation, dann war die Spenderleber transplantiert. Das war im Jahr 2004.

Heute lebt der Ahrensburger ein ganz normales Leben. Er arbeitet, fährt Fahrrad, tobt mit seinen Kindern. "Ich muss mich überhaupt nicht einschränken", sagt Schmidt. Nur um Alkohol macht er einen Bogen. Den trank er allerdings schon vor seiner Krankheit nur sehr selten.

Primär sklerosierende Cholangitis, kurz PSC - die seltene Krankheit, an der in Deutschland etwa 4500 Menschen leiden, wurde bei dem Maschinenbau-Ingenieur 1996 diagnostiziert. "Es ist ein Prozess über mehrere Jahre, bei dem sich die Gallenkanäle in der Leber immer weiter vernarben", sagt Schmidt. Irgendwann sind die Kanäle dicht.

Die bittere Gallensäure greift das eigene Organ an und zersetzt es. "Die Leber macht das zwar lange mit, aber irgendwann ist der Körper vergiftet." Die Haut wird grau oder gelb, die Betroffenen leiden unter permanenter Müdigkeit. "Ich hatte Glück, dass mein Arzt die Krankheit gleich erkannt hat. Viele Betroffene werden schnell auf der Alkoholschiene abgestellt."

Ein "Leberchen" sagte der Arzt aus Hamburg, weil Karsten Schmidt nur eine Hälfte bekam. "Eine Spenderleber kann geteilt werden und zwei Menschen glücklich machen. Das Gewebe wächst schnell nach." Die andere Hälfte soll eine junge Frau bekommen haben. Etwa 1200 Lebern werden im Jahr in Deutschland verpflanzt. Nur bei Nieren ist die Zahl größer.

Woher seine Leber stammt, weiß Karsten Schmidt nicht. Vermutlich von einem Unfallopfer. Es wird bewusst verhindert, dass Empfänger eines Organs mit den Angehörigen des Spenders in Kontakt treten können. Es besteht nur die Möglichkeit, einen anonymen Brief zu schreiben, der an die Hinterbliebenen weitergeleitet wird.

Die Stunden direkt vor der Operation waren im Rückblick für Karsten Schmidt nicht aufregend. Er habe auch keine Angst vor dem Eingriff gehabt: "Das ist mittlerweile wie eine Blinddarm-OP." Viel belastender sei die Zeit gewesen, bevor er auf die Warteliste für eine Organspende gesetzt wurde. Immer wieder sprach er mit seiner Familie darüber, ob er den Weg einer Transplantation gehen möchte. Die Familie gab ihm Halt. Karsten Schmidt: "Die letzte Entscheidung war dann aber doch eine sehr einsame."

Besonders mitgenommen habe ihn die Zeit, in der er ein Testament und Abschiedsbriefe für seine Kinder schrieb.

Doch schon einen Tag nach der Operation besuchte ihn seine Frau in der Klinik. Sie konnte schon wenige Stunden nach dem Eingriff eine deutlich gesündere Hautfarbe an ihrem Mann feststellen. Noch einen Tag später ging er bereits spazieren.

Bei der Reha fuhr er am ersten Wochenende gleich 45 Kilometer mit dem Fahrrad. "Die Leber funktionierte super." Heute muss er zwei kleine Pillen am Tag schlucken. Karsten Schmidt bezeichnet sich selbst als einen Vorzeigepatienten. Er weiß, dass es auch Transplantation gibt, nach denen der Körper das neue Organ abstößt.

Er selbst trägt seinen Spenderausweis immer bei sich. Den hat er schon seit seinem 13. Lebensjahr, lange vor seiner Krankheit. Heute begleitet und berät Schmidt andere Leber-Transplantationspatienten. Für ihn wäre es gut, wenn jeder Mensch einen Spenderausweis in der Tasche hätte. "Ich rate aber, sich vorher intensiv damit auseinanderzusetzen und es mit den Angehörigen zu besprechen. Es ist auch möglich, einzelne Organe wie das Herz von der Transplantation auszuschließen. Jede Entscheidung verdient Respekt."

Dass seit einiger Zeit auch seine neue Leber wieder von PSC befallen ist, sieht er gelassen. Er sagt: "Vielleicht bekomme ich noch mal eine neue Leber." Angst hat er nicht.

Die Initiative "Fürs Leben - Für Organspende" der Deutschen Stiftung Organtransplantation informiert über Ablauf und Voraussetzungen. Auf der Internetseite kann ein Organspendeantrag bestellt, aber auch direkt ausgefüllt und ausgedruckt werden. Berater informieren am kostenlosen Infotelefon unter der Nummer 0800/904 04 00.

www.fuers-leben.de