Stormarn
Ahrensburg: Drei friedfertige Kandidaten

Ein heißer Abend ohne jedes Feuer

Thomas Reich, Michael Sarach und Jörn Schade stellen sich im Kulturzentrum Marstall rund 200 Wählern. Doch vielen Gästen fehlte das Streitgespräch.

Ahrensburg. Zum ersten öffentlichen Bewerberrunde trafen sich Ahrensburgs Bürgermeisterkandidaten Thomas Reich (parteiunabhängig), Michael Sarach (SPD und FDP) und Jörn Schade (CDU) im Kulturzentrum Marstall. Klaus Schädel (parteiunabhängig) verzichtete auf die Teilnahme an der "Elefantenrunde".

Marstall, 19.20 Uhr. Die meisten Plätze im gefühlt 30 Grad Celsius warmen Saal sind bereits besetzt. Einige Gäste holen sich noch ein Getränk an der Theke, andere drehen ihren Kopf Richtung Eingang, um Ausschau nach den drei Männern zu halten, die gleich Rede und Antwort stehen werden. Kurz darauf beobachten rund 200 Ahrensburger, wie das Trio auf der Tribüne Platz nimmt, ins Publikum lächelt und der Begrüßung von Moderator Hinrich Schmick (WAB) lauscht.

19.40 Uhr. Die Bürgermeisterkandidaten haben sechs Minuten Zeit, sich vorzustellen. Ungeteilte Aufmerksamkeit gewinnt Stadtjustiziar Thomas Reich (55) bereits nach seinem ersten Satz: "Ich bin in Ahrensburg geboren, in zweiter Ehe verheiratet und habe sieben Kinder." Keine politische Aussage, aber das Publikum ist nun ganz Ohr. Der Volljurist, nennt Stationen aus seinem Lebenslauf ("Während meines Studiums war ich Taxifahrer") und sagt, was er als Bürgermeister in Angriff nehmen würde. Dabei sind sich alle drei Herren in einem Punkt einig: Die Kommunikation und das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern muss verbessert werden.

Die ersten amüsierten Lacher in den Zuschauerreihen kann Michael Sarach (55) für sich verbuchen: "Ich bin auch in zweiter Ehe verheiratet, kann aber nur drei Kinder vorweisen - ich hoffe, das ist kein Manko." Nachdem der Diplom-Finanzwirt, der als Ministerialrat im Innenministerium Mecklenburg-Vorpommerns arbeitet, seine Qualitäten erörtert hat, verkündet er, was ihm besonders am Herzen liege: "Global denken, lokal handeln." An den Gesichtsausdrücken der Bürger ist abzulesen, dass damit nicht alle etwas anfangen können. Der Polizeibeamte Jörn Schade (47) stellt seine Liebe zur Schlossstadt in den Vordergrund: "Ich habe auch in anderen Städten gearbeitet - aber mit dem Herzen bin ich immer in Ahrensburg geblieben." Nur hier, dem Ort, an dem er aufgewachsen sei und sich bis heute wohl fühle, könne er sich vorstellen, Bürgermeister zu sein. Es wirkt wie ein versteckter Seitenhieb für Sarach, der in der Vergangenheit bereits in Rotenburg/Wümme als Bürgermeisterkandidat antrat.

20.10 Uhr. Hinrich Schmick kündigt das Streitgespräch an - welches sich jedoch als ein höflich-netter Informationsaustausch entpuppt. Ein Beamer projiziert die Antworten der Bewerber zu den Themen Finanzen und Kommunikation auf eine Leinwand. Große Unterschiede lassen sich nicht erkennen. Ja, sie alle würden noch 2009 eine Haushaltssperre verhängen. Und auch bei der Frage, mit welchen Maßnahmen sie die Kommunikation in der Verwaltung und mit den Bürgern verbessern wollen, ähneln sich die Antworten: Sie reichen von "Mitarbeiter persönlich ansprechen" und "frühzeitig informieren (Reich), über "Kommunikation zwischen den Fachdiensten" und "Bürgermeistersprechstunde" (Schade) bis zu "Monatsgespräche mit Personalvertretung und Gleichstellungsbeauftragter" und "offensive Öffentlichkeitsarbeit" (Sarach).

21.15 Uhr. Nach einer kurzen Pause dürfen nun die Bürger ihre Fragen an die Kandidaten loswerden. Ein Thema, das die Ahrensburger bewegt und einige zu Zwischenrufen verleitet: Der Muschelläufer. Sarach hält sich bedeckt: "Dem einen gefällt die Kunst, dem anderen nicht." Reich macht keinen Hehl daraus, dass es nicht sein Lieblingsthema sei. "Aber den Vertrag habe ich nicht zu verantworten", sagt er. Schade kommentiert das mit der Bemerkung: "Es ist erstaunlich, dass er als Jurist nichts von dem Vertrag wusste."

Auch Sarach muss sich kritische Fragen gefallen lassen, etwa, warum er seinen Posten in Schwerin aufgeben will. Sarach gibt sich gelassen: "Die Aufgabe reizt mich und ich möchte noch mal richtig was bewegen." Auf die Frage, ob er ein "Job-Hopper" sei, sagt er: "Wenn Sie die Jobs durch Jahre teilen, relativiert sich das." Außerdem habe er einen großen Erfahrungsschatz daraus ziehen können.

22.30 Uhr. Die Menschen strömen aus dem Marstall, die drei Kandidaten packen ihre Unterlagen und verlassen das Podium. Zumindest fürs erste. Bis zur nächsten Runde.