Stormarn
4. ADAC Mäcki Veteranenfahrt

Eine Zeitreise durch Stormarn

Das glänzende Chrom des grünen Hudson Hornet von 1952 mit der Startnummer 52 ist schon aus der Ferne zu sehen. Sanft schaukelt der mächtige amerikanische Oldtimer über die hügeligen Landstraßen vor Todendorf.

Es riecht nach verbranntem Öl. Das Knattern von Zweitaktmotoren schallt ebenfalls über die Felder, denn auch ein NSU ist mit von der Partie. Mehr als 130 Autos und Motorräder traten am Sonntag bei der 4. ADAC Mäcki Veteranenfahrt des MSC Holstein an.

Das älteste Auto ist schon 98 Jahre alt, der jüngste Vertreter ein Golf I von 1983. Mehrere Generationen des Automobilbaus traten in verschieden Klassen gegeneinander an - eine mobile Zeitreise durch Stormarn. Dabei ging es aber nicht darum, einfach nur der Schnellste zu sein. Bei der Zeitfahrprüfung in Todendorf musste ein 4,6 Kilometer langer Parcours möglichst genau in zehn Minuten abgefahren werden. Da muss der Beifahrer genaue Weganweisungen geben und der Fuß des Fahrers auf dem Gaspedal gezügelt werden.

Stefan Schröder, der gemeinsam mit seinem Vater Karl-Heinz Schröder in einem NSU Prinz aus dem Jahre 1971 saß, rollte langsam an die Lichtschranke heran, um dann mit quietschenden Reifen fast auf die Sekunde genau über die Ziellinie zu fahren. Die beiden Barsbütteler waren selbst überrascht, dass der 600 Kubikzentimeter und 30 PS starke Motor sich so agil zeigte. Ums Gewinnen geht es den Beiden aber nicht. "Obwohl wir das Zeitfahren manchmal üben", sagt der Junior. Das Vater- und Sohn-Projekt verschlingt seit fast zwei Jahren eine Menge Zeit. "Im Winter wird gebastelt, im Sommer gefahren", sagt Stefan Schröder und schaut stolz auf das graue Auto. "Alles Originalzustand - es gibt kaum noch solche Wagen. Er schafft sogar Tempo 100. Allerdings wird es ab 80 unerträglich laut." Und sparsam ist er auch - fünf bis sechs Liter braucht der kleine Prinz. Damit muss er sich vor aktuellen Modellen nicht verstecken.

Der Ford A von Michael Dohausen genehmigt sich da etwas mehr. "So 17 bis 25 Liter können es schon mal werden", sagt der Hoisdorfer über seinen 81 Jahre alten Oldtimer, der immerhin 43 PS aus 3,3 Litern Hubraum herausholt. "Der Ford wurde millionenfach gebaut. Er hat eine automatische Zündung, ein Vollverdeck und eine Geschwindigkeitsanzeige. Das ist ein modernes Auto."

Auf solchen Luxus muss der Oakland Torpedo von 1911 verzichten. Blinker? Fehlanzeige. Eine rote Kelle klemmt am Armaturenbrett und kommt beim Abbiegen zum Einsatz. Das Auto des Bargteheiders Thomas Degenhardt braucht permanente Pflege: "Es gibt kein einziges Ersatzteil mehr." Er vermutet sogar, dass es weltweit gar kein weiteres intaktes Modell mehr gibt. Trotzdem fährt er 1000 Kilometer mit dem "Sportwagen" auf Holzfelgen Jahr für Jahr durch Norddeutschland.