Kriminalität

Strafprozess: Oldesloer spähte Dutzende E-Mail-Konten aus

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Vor dem Amtsgericht Ahrensburg (Foto) wurde der Fall eines 28-Jährigen verhandelt, der sich illegal Zugang zu etlichen E-Mail-Konten verschafft hatte.

Vor dem Amtsgericht Ahrensburg (Foto) wurde der Fall eines 28-Jährigen verhandelt, der sich illegal Zugang zu etlichen E-Mail-Konten verschafft hatte.

Foto: Nadine beck

28-Jähriger verschaffte sich Zugangsdaten zu 27 Profilen und spionierte deren Nutzer aus. Amtsgericht Ahrensburg verhängt Geldstrafe.

Ahrensburg.  Die Vorstellung, dass ein Fremder die privaten E-Mails mitliest und dabei nicht nur sensible Daten abgreift, sondern auch manches intimes Geheimnis erfährt, ist für die Meisten wohl ein Alptraum. Genau soll Lukas T. (Name geändert) getan haben. Wegen des Ausspähens von Daten verurteilte das Amtsgericht Ahrensburg den 28-Jährigen aus Bad Oldesloe am Freitag zu einer Geldstrafe von 1000 Euro.

Der Täter ist bereits sechsmal vorbestraft

Die Staatsanwaltschaft Lübeck wirft Lukas T. vor, sich im Februar 2018 die Zugangsdaten zu 27 E-Mail-Konten illegal beschafft zu haben, um diese auszuspionieren und gegebenenfalls für Betrugstaten einzusetzen. „Der Angeklagte hat die Zugangsdaten von mindestens 17 Geschädigten verwendet und deren Konten eingesehen“, sagte Staatsanwältin Sabrina Parnitzke. E-Mail-Adressen und Passwörter von zehn weiteren Opfern seien auf T.s Computer entdeckt worden. Betroffen waren laut Anklagebehörde vor allem E-Mailkonten des Anbieters „t-online“, aber auch einige anderer Provider, darunter „GMX“ und „web.de“. Der Oldesloer war bereits sechsmal vorbestraft: Verschiedene Gerichte hatten zwischen 2012 und 2018 unter anderem wegen Betruges und Urheberrechtsverstößen zu Geldstrafen verurteilt.

In einer Erklärung, die seine Verteidigerin Nicola Toillie zu Prozessbeginn verlas, räumte der Oldesloer die Taten vollumfänglich ein. Die Zugangsdaten habe er über das Internet erworben. „Ich durchlebte im Tatzeitraum eine schwierige persönliche Situation“, schrieb T. „Ich war zu Hause rausgeflogen und arbeitslos.“ Er sei schon immer ein Einzelgänger gewesen und habe Probleme, Kontakte zu knüpfen. „Ich saß wochenlang allein vor dem PC und habe mich mit Computerspielen beschäftigt“, las Toillie aus der Erklärung ihres Mandanten. Die Daten habe er sich aus Langeweile beschafft.

Fotos auf T.s Smartphone lieferten Hinweise

Richter Said Evora zeigte im Anschluss Bildschirmaufnahmen von T.s Smartphone, das bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Bad Oldesloe am 14. Februar 2018 von der Polizei sichergestellt worden war. Darauf war zu sehen, dass T. sich in eines der fremden E-Mail-Konten eingeloggt hatte. „Sie konnten alle Nachrichten in Echtzeit mitlesen“, sagte der Richter. Evora zitierte zudem aus dem Auswertungsbericht des Computers des 28-Jährigen. Demnach hatten die Ermittler der Abteilung für Cyberkriminalität der Bezirkskriminalinspektion Lübeck auf dem Gerät Textdateien entdeckt, die Namen, E-Mail-Adressen, Passwörter und Kontodaten enthielten.

Eine Beamtin der Oldesloer Kriminalpolizei schilderte vor Gericht, wie die Ermittler Lukas T. auf die Spur kamen. „Bei uns ging eine Anzeige von einem Herren ein, der beklagte, dass von seinem Firmenkonto wiederholt unrechtmäßig Beträge abgebucht wurden“, so die Kriminalbeamtin.

Online-Datingportal führte Polizei auf Spur des Oldesloers

Empfänger des Geldes sei eine Online-Datingplattform gewesen. „Auf Anfrage gab der Betreiber uns die Nutzerdaten des Profils heraus“, so die Ermittlerin. Darunter sei auch ein Foto gewesen, das T. auf dem Dating-Portal verwendete – und auf dem Kollegen den polizeibekannten Oldesloer erkannt hätten. „Wir haben seine Wohnung durchsucht und einen Laptop und ein Smartphone sichergestellt“, sagte die Beamtin. Beweise dafür, dass der 28-Jährige das Dating-Portal nutze, hätten die Ermittler nicht gefunden. Dafür seie T. mit dem Laptop in mehreren fremden E-Mail-Postfächern angemeldet gewesen. „Wir haben festgestellt, dass die Adressen Personen aus ganz Deutschland gehörten“, so die Beamtin. Alle Geschädigten seien informiert worden. „Einige haben von auffälligen Kontobewegungen berichtet, die dem Angeklagten allerdings nicht zweifelsfrei zugeordnet werden konnten“, sagte die Ermittlerin.

Das kam dem 28-Jährigen bei der Strafzumessung zugute. Auch das Geständnis berücksichtigte Richter Said Evora als strafmildernd. Mit der Geldstrafe von 1000 Euro folgte er dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte ebenfalls eine Geldstraße gefordert, ließ den Betrag aber offen. In seiner Urteilsbegründung mahnte Evora: „Die Strafe fällt heute milde aus, dennoch haben Sie sensible Daten abgegriffen, die zu einer erheblichen Vermögensschädigung der Opfer hätten beitragen können.“

( fsn )

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