Radwege

Die Leiden eines Alltags-Radfahrers in Stormarn

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Harald Klix
Mit seinem im Sommer angeschafften E-Bike bricht Peter Schüler regelmäßig zu Touren durch den Kreis Stormarn auf.

Mit seinem im Sommer angeschafften E-Bike bricht Peter Schüler regelmäßig zu Touren durch den Kreis Stormarn auf.

Foto: Harald Klix

Löcher auf den Wegen, wuchernde Hecken und Bäume, unklare Verkehrsführung: Peter Schüler erlebt bei seinen Touren im Kreis so einiges.

Ahrensburg.  Der Ahrensburger Peter Schüler ist ein Radfahrer wie du und ich. Als junger Mann ist er sogar mal bis nach Österreich gestrampelt. Im Sommer dieses Jahres kaufte sich der 73-Jährige ein E-Bike und entdeckte das gesunde Hobby für sich wieder. Seitdem hat er bei seinen ausgedehnten Touren Tausende Kilometer in Stormarn zurückgelegt – mit viel Spaß, aber auch mit einigem Ärger. Dabei geht es ihm nicht um große Dinge wie Verkehrskonzepte oder Radschnellwege, sondern um die Kleinigkeiten im Alltag.

Kreisweites Vorbild könnte die Reinbeker Verwaltung sein

„Es fängt schon damit an, dass man Tage braucht, um bei Fragen die zuständige Stelle herauszufinden“, sagt Schüler. Das weiß er aus eigener Erfahrung. Er selbst habe sich bereits vom Rathaus in seiner Heimatstadt bis zum Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) in Lübeck durchtelefoniert. „Das müsste in der heutigen Zeit viel einfacher gehen“, sagt er.

Kreisweites Vorbild könnte die Reinbeker Verwaltung sein: Sie hat seit dem Frühjahr auf ihrer Homepage einen Online-Mängelmelder, in den jeder Bürger unkompliziert Schäden jeglicher Art eintragen kann.

Peter Schüler muss von seiner Wohnung im Neubaugebiet Erlenhof nur ein paar Hundert Meter fahren und hätte schon zwei Meldungen beisammen. Zunächst gibt es im Radweg an der Lübecker Straße mehrere freigefräste Stellen, die nur notdürftig zugeschüttet wurden. Dann wird er am Schloss ordentlich durchgerüttelt. „Die Pflastersteine sind alle fünf Meter zu leicht erhöhten Ornamenten mit großen Fugen verlegt worden“, sagt er, „erstaunlicherweise nur auf dem Radweg, nicht aber im Fußweg.“

An Grundstücksausfahrt war eine Vollbremsung nötig

Ein immer wiederkehrendes Ärgernis sind Äste und Sträucher, die von Grundstücken beispielsweise auf kombinierte Geh- und Radwege ragen. „Fußgänger kommen unter den Zweigen meist noch hindurch, Radfahrer bekommen sie aber ins Gesicht“, sagt der Rentner, der früher Leiter im Vertriebsmarketing des Axel-Springer-Verlags war. Auch in solchen Fällen könne ein kurzer Hinweis die Verwaltung dabei unterstützen, schnell für Abhilfe zu sorgen.

Dichte Hecken begünstigten ein weiteres Problem: die rückwärts aus Grundstücksausfahrten kommenden Autos. „Die Fahrer müssen mit dem Heck schon gut eineinhalb Meter auf dem Fuß- und Radweg stehen, bevor sie etwas sehen können“, sagt Schüler, der selbst ein passionierter Cabriofahrer ist. Auf dem Rad habe er in solchen Situationen bereits Vollbremsungen machen müssen, um einen Zusammenstoß zu verhindern.

An den Bahnhöfen im Kreis fehlt es an Stellplätzen

Verbesserungswürdig sei die Verkehrssituation in Ahrensburg an der Kreuzung Bahnhofstraße/Hamburger Straße/Stormarnstraße. „Dort nehmen die vom Bahnhof kommenden Radfahrer nahezu immer die linke Straßenseite, weil sie an der Ampel nicht anders über die Hauptstraße kommen“, sagt Schüler.

Dass gepflasterte Radwege durchaus auch gut zu befahren sind, hat Schlüter im Nachbarort Großhansdorf beobachtet. Dort sind die Steine beispielsweise am Wöhrendamm mit ganz kleinen Fugen verlegt, außerdem ist der Weg sehr breit. Am nahen U-Bahnhof Kiekut stehen Dutzende abgeschlossene Räder am Brückengeländer – wie an allen Stormarner Bahnhöfen fehlen Stellplätze. Am Kiekut sollen zwei neue Radparkhäuser die Situation verbessern.

Baumwurzeln werden zu Sprungschanzen im Asphalt

Darauf wartet Peter Schüler bisher vergebens, wenn er an der L 82 über Delingsdorf nach Bargteheide radelt. Ausrufezeichen-Schilder warnen vor „Radwegschäden“. Baumwurzeln haben der Asphalt so sehr zerrissen, dass sich Mountainbiker vermutlich über die kleinen Sprungschanzen freuen würden. „Es kann ja nicht die Lösung sein, überall Warnschilder aufzustellen, statt das Problem zu beseitigen“, meint Schüler.

Ein zusätzliches Hinweisschild vermisst er dagegen am Kreisverkehr Westring/Jersbeker Straße am Ortsausgang von Bargteheide. Dort wollte er nach Jersbek und folgte dem Radweg vorschriftsmäßig nach rechts durch den Kreisel. „Plötzlich stand ich auf einem Trampelpfad im Nichts“, sagt Schüler. Gezwungenermaßen musste er ein Stück auf der stark befahrenen Straße bleiben, ehe er in Höhe des Schützenvereins wieder auf den separaten Radweg wechseln konnte.

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