Bootswerft Hatecke

Opas "Helgoländer" ist einfach unverwüstlich

Foto: dpa

Die Hatecke-Werft in Freiburg wird 150 Jahre alt. Börteboote machten sie berühmt. Spezialität ist der traditionelle Bootsbau in Holzbauweise.

Freiburg/Helgoland. "Die Helgoländer hat Opa einfach zu gut gebaut", sagt Rainer Hatecke, und dabei klingt in der Stimme des 50-Jährigen mehr Stolz als Bedauern mit. Drei der "Helgoländer" - gemeint sind damit die berühmten Börteboote, die die Besucher der Nordseeinsel aufs Eiland bringen - liegen zurzeit in Hateckes Werft in Freiburg an der Elbe. Reparaturarbeiten sind angesagt, denn seine Kunden auf Helgoland haben schon seit Jahrzehnten keine neuen Börteboote mehr bestellt. Schließlich sind die von Großvater Heinrich gebauten Boote einfach unverwüstlich.

Die Freiburger Bootswerft Hatecke, deren berühmteste Produkte die Börteboote sind, feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. 1861 hatte der Schiffszimmermeister Barthold-Herrmann Hatecke den Betrieb im Freiburger Hafen gegründet. Spezialität ist von Anfang an der traditionelle Bootsbau in Holzbauweise gewesen. Zunächst entstanden Fischerboote und Holzewer, denn damals waren Fahrten auf der Elbe von Kehdingen nach Hamburg fast ausschließlich kommerzieller Natur: Landwirtschaftliche Produkte, vor allem aus dem Obstbau, und Ziegel aus den Kehdinger Ziegeleien wurden in die rasch wachsende Hansestadt verschifft.

Auf den Gründer folgten vier weitere Generationen Hateckes. Hermann, Heinrich, Jürgen und Rainer Hatecke übernahmen die Werft jeweils von ihrem Vater. Der gute Ruf des Betriebs drang bis nach Helgoland, wo robuste, wendige und seetüchtige Boote benötigt wurden, da die großen Ausflugsdampfer den kleinen Inselhafen nicht anlaufen konnten. Die Passagiere mussten deshalb auf offener See für das letzte Stück Strecke in die Börteboote umsteigen.

Ein erster Prototyp, den die Hatecke-Werft gebaut hatte, überzeugte die Insulaner, und so reihte sich Auftrag an Auftrag. Vor allem in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sei das "ein Riesenboom" gewesen, wie Rainer Hatecke sagt. Er schätzt, dass 70 bis 80 Prozent aller je gebauten Börteboote "made in Freiburg" sind.

Als Rainer Hatecke im Jahre 1995 den Betrieb übernahm, erlebte der Holzbootbau eine Flaute. Die Werft hielt sich mit Tischlerarbeiten und dem Bau maritimer Möbel über Wasser, bis in den vergangenen Jahren schließlich eine wohlhabende Klientel Gefallen an handwerklich gebauten Booten aus Holz fand. Bis zum heutigen Tage entstehen Holzboote auf der Hatecke-Werft, deren Kunden vor allem anspruchsvolle Freizeitskipper sind, die sich den Aufpreis gegenüber Kunststoffbooten leisten können.

Über den Winter kehren oft auch Börteboote wieder an ihren Ursprungsort zurück, bei denen Kleinigkeiten ausgebessert werden müssen. Zurzeit liegt eines von ihnen in der Halle, das im Sturm losgerissen und unsanft gegen die Helgoländer Kaimauer geprallt war. Die robuste Bauweise macht die Reparaturarbeiten aber überschaubar. "Die Planken sind nur eingedrückt, bei Kunststoff wäre ein Loch drin", sagt Hatecke.

Ein neues Börteboot haben Rainer Hatecke und sein Team im vergangenen Jahr übrigens doch gebaut: Der Hamburger Reeder Erck Rickmers hatte eines bestellt, um damit Touren auf den Kanälen rund um sein Privatdomizil in Venedig zu unternehmen. Rainer Hatecke höchstpersönlich hat das Boot in Italien ausgeliefert. Er erinnert sich noch ganz genau an die Fahrt auf dem Canal Grande und die bewundernden Blicke der Menschen am Ufer, die beim Anblick des Holzbootes aus Kehdingen begeistert "Bella barca!", also "Schönes Boot!" riefen.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.