Alte Flugzeugteile werden zu reinen Kohlenstofffasern

Ministerpräsident startet moderne Recyclinganlage für CFK in Wischhafen

Wischhafen. Der Landkreis Stade macht einen weiteren großen Schritt bei der Arbeit mit kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (CFK). Gestern wurde in Wischhafen das europaweit erste Recycling-Center für CFK-Verbundwerkstoffe im Beisein von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage verfügt über eine gesamte Kapazität von mehr als 1000 Tonnen im Jahr.

Damit werde ein Großteil der zurzeit in Europa anfallenden CFK-Abfälle sehr gut abgedeckt, sagt Oliver Grundmann, Geschäftsführer der CFK Valley Stade Recycling GmbH & Co. KG. Das Unternehmen wurde im Jahr 2007 als 100-prozentige Tochter der Karl Meyer AG gegründet.

Das Wischhafener Entsorgungsunternehmen investierte rund fünf Millionen Euro in die neue Anlage, das Land Niedersachsen steuerte über Landes- und EU-Fördermittel 1,7 Millionen Euro bei. Die Planer legten viel Wert auf hohe Umweltstandards. Im August 2008 startete auf dem Werksgelände der Dow eine Pilotanlage, an der mit Hochdruck getestet wurde. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Geschäftsführer Oliver Grundmann spricht von der modernsten Anlage Europas und einer einzigartigen Produktqualität. Das Endprodukt des Recyclingvorgangs in der neuen Anlage ist eine reine Kohlenstofffaser, die auf eine Länge von etwa sechs Millimetern aufbereitet wird. Diese Fasern könnten künftig beispielsweise in der Produktion von hochwertigen Kunststoffgehäusen unter anderem für Computer oder Telefone eingesetzt werden. Dabei würden die guten Eigenschaften der Kohlenstofffaser wie die mechanische Verstärkung, die elektrische Leitfähigkeit und die Abriebfestigkeit genutzt, sagt Tim Rademacker, Marketing- und Vertriebsleiter der CFK Valley Stade Recycling GmbH. Rademacker soll in den kommenden Wochen zum Geschäftsführer bestellt werden.

Derzeit wird der Verbundstoff CFK hauptsächlich in der Flugzeugbranche genutzt, aus der somit die meisten Abfälle der Stader Recyclinganlage stammen. Doch die kohlenstofffaserverstärkten Verbundstoffe gelten als Leichtbauwerkstoff der Zukunft. Mit Lastwagen und auch per Schiff werden die Abfälle künftig nach Kehdingen transportiert. Die Entscheidung in das innovative Millionenprojekt zu investieren, traf die Karl Meyer AG mitten in der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und schulterte somit auch ein gewisses Risiko.