Kommentar

Der Charme der großen Chance

Urlaub in Kehdingen - warum nicht? Zwar ist die Region derzeit alles andere als infrastrukturell vorbildlich erschlossen, aber auch das hat ja einen gewissen Reiz.

Die Ruhe der Region, die Herzlichkeit der Menschen, das alles macht die Gegend liebenswert und lebenswert.

Wird der Autobahnbau dieses kleine Idyll an der Elbe zerstören? Sicherlich nicht. Aber die Region wird, das ist unbestreitbar, nicht mehr die alte sein, wenn die Autobahnen einmal da sind. Dafür werden die landschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen einfach zu groß sein. Es liegt daher vor allem an den Kehdingern selbst, sich wirtschaftlich und touristisch neu zu erfinden, ohne ihre Identität, das maritime Flair und den Reiz ihrer Landschaft zu zerstören.

Das bedeutet vor allem für die Gemeindeverwaltungen, dass zukünftige Bauprojekte - auch im Tourismus - auf ihre kulturelle und städtebauliche Verträglichkeit überprüft werden müssen, denn Bausünden wurden und werden viel zu oft in Deutschland begangen, weil die Aussicht auf Geld die Gemeinden verblendet. Nur weil ein Investor über die Autobahn heraneilt und mit etlichen Geldscheinen winkt, heißt das noch lange nicht, dass eine klamme Kommune sofort alles absegnen muss.

Abwägen, prüfen und notfalls auch mal ein Projekt ablehnen, das muss auch künftig die politische Maßgabe für die Kehdinger sein. Wenn sie es schaffen, trotz des optisch einschneidenden Autobahnbaus und der damit einhergehenden Veränderungen den unverwechselbaren Charakter ihrer Region zu erhalten, dann schaffen sie etwas, wofür ihnen noch Generationen dankbar sein werden.