Rechtsextremismus

Buxtehude gedenkt Opfer von Naziangriff

Foto: Kerstin Lorenz

Mahnwache für 1992 erschlagenen Gustav Schneeclaus. Einer der Täter gilt als Größe der rechten Szene und betreibt ein Geschäft in Tostedt.

Buxtehude. Ein Schädelbruch, ein abgerissener Halswirbel und gebrochene Rippen: Zwei Neonazis - damals 19 und 25 Jahre alt - haben Gustav Schneeclaus vor 18 Jahren in einem Gewaltausbruch regelrecht zertrümmert. Sie schlugen mit einem Kantholz auf den Kapitän aus Buxtehude ein, nachdem er Adolf Hitler als "größten Verbrecher" bezeichnet hatte. Schneeclaus starb vier Tage später. Er konnte nicht mehr miterleben wie seine Peiniger zu sechs und acht Jahren Freiheitsentzug wegen Totschlags verurteilt worden.

Der "Antifaschistische Arbeitskreis Gedenken an Gustav Schneeclaus" und die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" erinnern morgen in Buxtehude mit einer Mahnwache an den Tod von Schneeclaus.

Das Pikante an der Tat ist, dass sich der jüngere der beiden Täter, Stefan Silar, nach dem Abbüßen seiner Straße inzwischen zu einer zentralen Figur der rechtsextremen Szene in Norddeutschland entwickelt hat.

Seit einigen Jahren betreibt Silar in Tostedt im Landkreis Harburg den Szeneladen "Streetwear Tostedt". Dort vertreibt er erfolgreich rechtsextreme Musik und Bekleidung. Unter anderem ist die Marke "Thor Steinar", die als Neonazi-Marke bekannt ist, in seinem Shop vertreten. "Thor Steinar gilt als Label, das von Rechtsextremisten als identitätsstiftend getragen wird", sagt Geert Piorkowski, der stellvertretender Sprecher des Innenministeriums in Brandenburg.

Der niedersächsische Verfassungsschutz hat darüber hinaus festgestellt, dass Silar mit seinem Laden auch rechtsextremistische Anhänger aus dem Landkreis Stade anzieht. "Silar hat mit seinem Laden eine bedeutende Funktion in der rechtsextremistischen Szene eingenommen", sagt Maren Brandenburger, Sprecherin des niedersächsischen Verfassungsschutzes. "Viele junge Neonazis gehen in seinem Laden ein und aus und betrachten ihn als Szenegröße, auch im Landkreis Stade." Nicht zuletzt mit Hilfe der Musik lockt Silar junge Leute in die Neonazi-Szene: Der Tostedter organisiert gelegentlich rechtsradikale Konzerte. So war auch für Sonnabend, 20. März, in der Buxtehuder Festhalle ein solches Konzert geplant, das aber laut niedersächsischem Verfassungsschutz wieder abgesagt wurde.

Dieser ist zudem überzeugt: Während Silar den Kapitän Gustav Schneeclaus 1992 aus der Situation heraus erschlagen hat, wirken seine jetzigen Aktivitäten "viel strukturierter und politischer".

Und während Silar offenbar sehr aktiv ist, scheint es um den Buxtehuder NPD-Kreistagsabgeordneten Adolf Dammann ruhig geworden zu sein. Dammann habe zwar immer noch gute Verbindungen zur rechtsextremen Szene, so die Verfassungsschützerin. "Aber in den vergangenen Monaten sind von ihm keine nennenswerten Impulse ausgegangen", sagt Brandenburger.

Ein Tötungsdelikt mit rechtsextremistischen Hintergrund wie der traurige Fall Gustav Schneeclaus hat es in den vergangenen Jahren im Landkreis nicht mehr gegeben. Allerdings sind die bei der Polizei registrierten Straftaten leicht angestiegen. Im Jahr 2005 haben Rechtsextreme 41 Straftaten und Gewaltdelikte verübt. Die Zahl nahm im darauffolgenden Jahr um drei Fälle leicht zu. 2007 waren es 46 Straftaten. Vor zwei Jahren ist die Zahl der Kriminalität mit rechter Orientierung auf 53 Fälle angestiegen. Den Großteil der Vergehen machten in diesem Zeitraum Propagandadelikte aus. Das heißt: Rechtsextremistische Anhänger verwandten Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen - zum Beispiel das Hakenkreuz.

Philipp Alexander Gröhn, der dem "Antifaschistischen Arbeitskreis Gedenken an Gustav Schneeclaus" angehört, sagt, die Neonazi-Szene in Buxtehude sei mit der vor 18 Jahren nicht vergleichbar. Damals hätten sich manche Leute nicht getraut, abends in die Innenstadt zu gehen. Neonazi-Aktivitäten in der Härte gebe es nun nicht mehr. "Tostedt aber gilt als heißes Pflaster. Da gibt es viel mehr Probleme." Auch Maren Brandenburger vom niedersächsischen Verfassungsschutz sagt: "Der Landkreis Stade ist kein rechtsextremistisches Zentrum. Aber die Szene um Silar nehmen wir landesweit ernst."

Die Mahnwache in Gedenken an das Opfer Gustav Schneeclaus findet morgen um 18 Uhr am Buxtehuder Busbahnhof statt. Anschließend, etwa gegen 19 Uhr an hält der Journalist André Aden einen Vortrag über die extreme Rechte in Niedersachsen. Dabei geht er im Besonderen auf die heutige Funktion von Stefan Silar, einen der beiden Täter, ein.