Schranken-Streit: Züge müssen zur Warnung hupen

"Es hat sich nichts geändert!"

Anwohner werden nachts um den Schlaf gebracht. EVB, Stadt und Landwirte können sich nicht einigen.

Stade. Die nächtlichen Hupkonzerte auf der Bahnstrecke der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) zwischen Stade und Bremervörde gehen weiter und bringen die Bewohner in der Stader Ortschaft Hagen um ihren Schlaf. "Es hat sich nichts geändert", kritisiert Hans Blank, SPD-Fraktionsvorsitzender im Ortsrat Hagen.

Seit Dezember 2007 fahren die Metronom-Züge nach Bremervörde, wo sie gewartet und gereinigt werden. Auf ihrer Fahrt passieren die Züge 17 ungesicherte Bahnübergänge, an denen sie drei Sekunden lang ein ohrenbetäubendes Signal abgeben. Streit gibt es wegen zwei ungesicherten Übergängen in Hagen. Der Ortsrat prüft inzwischen rechtliche Schritte. Allerdings sollen zunächst alle Beteiligten, also die EVB, die Stadt Stade und der Ortsrat, erneut bei einem runden Tisch über die Problematik sprechen, so Hagens Bürgermeisterin Inge Bardenhagen: "Wir führen hinter den Kulissen viele Gespräche. Aber es gibt keine Lösung."

Die EVB will von den insgesamt drei Hagener Bahnübergängen einen schließen. Weil der Übergang am Ohdamm nicht zur Diskussion steht, muss zwischen den Übergängen Am Lichtenberg und Braakweg entschieden werden. Die Stadt Stade und die Hagener Politiker wollen den Übergang Am Lichtenberg still legen, so Gerd Allers, Abteilungsleiter bei der Stadt Stade: "Der Braakweg muss offen bleiben, weil er für die Landwirtschaft und Naherholung wichtig ist." Deshalb bleibe ausschließlich der Weg Am Lichtenberg übrig. Doch hier scheitert es an zwei Landwirten, die ihre Felder auf den gegenüberliegenden Seiten der Bahnschienen haben und bei der Stilllegung Umwege in Kauf nehmen müssten.

"Seit Jahren wird diskutiert, aber es passiert nichts", sagt Blank erbost. Schuld sei die EVB, weil sie unbedingt einen Übergang schließen wolle, sowie die Stadt Stade, die sich zu wenig für die Bürger einsetzen würde. Die Kritik weist Allers zurück: "Die EVB besteht auf der Regelung. Wir setzen uns für die Interessen aller ein und dazu zählen auch die Landwirte."

Allerdings spielen auch die Kosten eine Rolle. Sollte der Übergang Am Lichtenberg mit einer Lichtanlage gesichert werden, müsste die Stadt alle Kosten tragen. "Weil die Anlage auf den Übergang am Ohdamm abgestimmt werden müsste, müsste die Stadt die notwendigen 500 000 Euro zahlen." Würde hingegen der Weg Am Lichtenberg geschlossen und der Braakweg aufgerüstet werden, fielen nur 200 000 Euro an. Die wiederum jeweils zu einem Drittel vom Bund, Land und der Stadt finanziert werden müssten. "Es geht um viel Geld. Und das bei der desolaten Haushaltslage", so Allers. Wann die Nachtruhe in Hagen wieder zur Realität werden, sei völlig offen.

Bessere Nachrichten gibt es für die Anwohner in Stades Süden. Sie leiden unter dem Hupen an den Bahnübergängen in Riensförde und beim Klaren Streek. Die Stadt rechnet jederzeit mit einer Zusage der Landesstraßenbaubehörde, die den Startschuss für die Sicherung der Wege gibt. Der Übergang am Klaren Streek wird durch eine Lichtsignalanlage gesichert und für Fahrzeuge gesperrt. In Riensförde soll es zukünftig ebenfalls ausschließlich einen Durchgang für Fußgänger und Radfahrer gebe. Die Trasse wird untertunnelt.