Schutzengelprojekt

Ein Ausweis gegen Alkohol und Drogen am Steuer

Es war einer der schrecklichsten Unfälle im Jahr 2008. Vier junge Menschen haben beim Frontalzusammenstoß auf der Landesstraße 127 zwischen Apensen und Buxtehude ihr Leben verloren.

- Das traf auch Maik Bohmbach aus Harsefeld. Der 16-Jährige kannte einige der Unfallopfer. Und das ist auch ein Grund dafür, dass er sich für das Schutzengelprojekt stark macht.

Der Landkreises Stade, die Polizei, der Kreisjungendring und der ADAC Weser-Ems haben das Projekt gemeinsam organisiert, um die ungewöhnlich hohe Zahl von Verkehrstoten und Schwerverletzten im Alter von 16 bis 24 Jahren im Landkreis zu reduzieren. Am Sonnabend fand der offizielle Auftakt im Cine-Star Kino in Stade statt. Landrat Michael Roesberg stellte die Schutzengel-Ausweise vor. Mit dem Pass sollen knapp 20 000 junge Männer und Frauen zwischen 18 und 24 Jahren im Landkreis zu Schutzengeln ernannt werden. Damit sind die jungen Menschen aufgerufen, sich gegenseitig zu kontrollieren. Sie sollen verhindern, dass jemand zum Beispiel alkoholisiert oder zu schnell Auto fährt. Landrat Roesberg: "Es gibt nichts schöneres als auf andere Menschen aufzupassen." Im Gegenzug gibt es mit dem Ausweis Rabatte in vielen Geschäften des Landkreises.

Maik Bohmbach und Lena Krämer sind auf dem Schutzengel-Ausweis abgebildet und bekamen von Landrat Roesberg als erstes die Pässe. "Es ist ein Ansporn für die Jugendlichen zusammenzuhalten", sagt Lena Krämer. "Dass man sich einbringt und lieber ein Taxi nimmt, wenn der Fahrer getrunken hat", ergänzt Maik Bohmbach.

Trunkenheit am Steuer und zu hohe Geschwindigkeit sind die Hauptursachen für die hohe Zahl an Verkehrstoten und Schwerverletzten im Landkreis, wie Jens Eggersglüß, Leiter der Polizeiinspektion Stade, erklärte. 2008 gab es 3877 Unfälle. Dabei starben 25 Personen, 166 Menschen wurden schwer verletzt. Ein Großteil war Fahranfänger. "Jüngere neigen eher dazu, das Auto auszufahren", so Eggersglüß. Vom Schutzengelprojekt verspricht er sich, dass junge Menschen eingreifen, wenn jemand etwa zu schnell fährt. "Nur, wenn man im Auto sitzt, kann man Einfluss nehmen." Auch Roesberg sagt: "Es reicht nicht, Blitzkästen und weiße Kreuze aufzustellen." (bwil)