Oldtimer

Keiner fährt den Henschel wie Opa

Karl Heinz Völksen und sein Enkel Philipp teilen die Leidenschaft für alte Lastwagen und Autos. Regelmäßig fahren sie gemeinsam aus.

Hedendorf. Keiner fährt den Henschel wie Opa. Das sagt einer, der es wissen muss. Philipp Völksen ist 18 Jahre alt und schon genauso vernarrt in Oldtimer wie sein Opa Karl Heinz Völksen. Mit 16 Jahren saß der erstmals hinter dem Steuer eines Tankwagens, eines Henschel. Der Vater war im Krieg. Aber zu Hause in Hedendorf mussten die Geschäfte ja weitergehen: der Tankstellenbetrieb, 1937 gegründet, und der Mineralölhandel. Also wurde eine Sondergenehmigung für den 16-Jährigen besorgt, damit er mit dem Tankwagen die Kunden beliefern konnte. Und heute fährt Karl Heinz Völksen noch immer mit einem Henschel die alten Strecken ab - ohne Mineralöl im Tank. Karl Heinz Völksen: "Damals fassten die Tankwagen 12 000 Liter. In die modernen Wagen passen heute 40 000 Liter rein."

Es dauerte lange, bis Karl Heinz Völksen wieder einen Henschel in der Garage stehen hatte. Der Enkel erinnert sich: "Als ich sieben Jahre alt war, nahmen mein Opa und sein Freund, der einen Oldtimer-Lkw hatte, mich mit zu Oldtimer-Treffen. Da stand der HS 100, Baujahr 1960, und mein Opa war natürlich sofort begeistert, weil er den in seiner Jugend selbst gefahren hatte." Eines Tages möchte Philipp Völksen die Tankstelle Völksen, die inzwischen sein Vater in vierter Generation führt, übernehmen. Großvater und Enkel Völksen hatten Blut geleckt. Immer wieder fuhren sie zu diesen Treffen. Philipp Völksen: "Mein Opa hat mehrmals versucht, dem Besitzer den Henschel abzukaufen. Aber der wollte nicht verkaufen."

Im Jahr 2004 war es endlich so weit: Der Besitzer ging ins Ausland und wollte den Tankwagen nicht mitnehmen. Karl Heinz Völksen schlug sofort zu und konnte seinen ersten Oldtimer-Lkw in seine Garage fahren. Zwei Jahre brauchten die Völksens, um den Lkw vollständig zu restaurieren. Karl Heinz Völksen: "Mein Sohn Christian ist in der Familie der große Bastler. Ich fahre die Wagen lieber." Und der Nachfolger für den Oldtimer-Fuhrpark in der Garage ist bereits gefunden - Philipp Völksen. "Schon mit 14 Jahren habe ich immer geholfen. Mir macht es Spaß, an alten Autos rumzuschrauben. Die Technik ist übersichtlich. Bei den neuen Wagen braucht man allein für das Auswechseln einer Birne schon eine Viertelstunde", sagt er. Wenn ihm im Schulalltag etwas Zeit bleibt, hilft er entweder in der Garage beim Basteln, ist mit dem Opa zu Oldtimer-Treffen unterwegs oder einen Ford Taunus 12 M, Baujahr 1960 "trocken fahren".

Es mache einfach Spaß, in einem Oldtimer durch die Gegend zu fahren, sagt der 18-Jährige, der nach dem Fachabitur ein Seminar besuchen will, in dem angehende Kfz-Mechatroniker für die Reparatur von Oldtimern ausgebildet werden. Das wird er brauchen, wenn er die Hedendorfer Tankstelle vom Vater übernimmt. Denn dort werden auch Oldtimer repariert. "Es ist einfach schön, diese alten Fahrzeuge zu sehen, die in meiner Kindheit und Jugend auf den Straßen fuhren", sagt Karl Heinz Völksen. Wann immer er Zeit hat am Wochenende, setzt sich der Senior in seinen 132 PS starken Henschel und fährt damit die alten Strecken ab. "Man muss ihn eben unter 90 fahren, dann fährt er ganz ruhig auf langen Strecken", sagt Karl Heinz Völksen. Und bei Oldtimer-Treffen sei sein Tankwagen ohnehin der Hingucker.

Ein zweiter Hingucker für künftige Oldtimer-Treffen ist in der Garage der Völksens gerade in Arbeit. Philipp Völksen: "Den Anhänger machen wir jetzt fertig. Innen wird er eingerichtet wie ein Wohnmobil. Das machen viele so, die mit ihren Lkw zu den Treffen kommen, damit man nicht im Hotel schlafen muss." Auch dieses Projekt ist nicht so eben in zwei Wochen abgeschlossen.

Gearbeitet wird neben der Schule und am Feierabend. "Es ist teilweise sehr schwer, immer die richtigen Ersatzteile zu bekommen. Es sollen ja historische und keine nachgebauten Teile sein. Besonders schwer sind die Blechleisten für die Karosserie zu besorgen. Da muss man schon mal quer durch Deutschland fahren, um an die richtigen Händler zu kommen", erklärt Karl Heinz Völksen. Seit Freitag sitzt er wieder in seinen Henschel. Im knapp 400 Kilometer entfernten Brilon im Sauerland trifft Karl Heinz Völksen seinen Enkel Philipp, der nachreist. Beide wollen dort mit dem Henschel die Sauerland-Tour mitfahren. "Es ist bisher nur ein einziges Mal passiert, dass wir auf einer Tour einen Motorschaden mit dem Henschel hatten. Mein Opa ist da ganz eigen. Vor jeder Tour wird der Motor genau überprüft, werden die verschiedenen Ölkreisläufe und Wasserstände kontrolliert. Aber vor zwei Jahren hatten wir doch einen Motorschaden", sagt der Junior. Damals musste der in den Farben der Tankstelle rot und beigefarben lackierte Oldtimer seine Rückreise nach Hedendorf auf einem Tieflader antreten.