Betonmauer am Brunnen

Sylt und die Punks: Geschäftsfrau kämpft mit Verlusten

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Mit dieser Tafel sollten potenzielle Kunden den Umweg zum Reformhaus finden.

Mit dieser Tafel sollten potenzielle Kunden den Umweg zum Reformhaus finden.

Foto: Elisabeth Jessen

Betonmauer blockierte wochenlang den direkten Zugang zu ihrem Reformhaus. Verwaltung hat Strategie für den Sommer 2023 angekündigt.

Westerland. Wenn Katrin Eicker auf den vergangenen Sommer angesprochen wird, redet sie sich schnell in Rage. "Das war ein No-go, wie die sich hier ausgebreitet haben", sagt die Betreiberin des Reformhauses Schütze in Westerland. Die – das waren die Punks, die mit dem 9-Euro-Ticket Anfang Juni nach Sylt gekommen waren. Hier – das ist das Areal rund um den Wilhelminen-Brunnen in der Innenstadt von Westerland, der schnell zum Treffpunkt geworden war. In unmittelbarer Nähe betreibt die Sylterin seit mehr als 30 Jahren ihr Geschäft.

Sie hat viele Stammkunden, dazu die Urlaubsgäste. Normalerweise läuft ihr Geschäft. Aber in diesem Jahr zieht die Ladenbesitzerin eine ernüchternde Bilanz. "Unter dem Strich bleibt ein Umsatzminus." Konkrete Zahlen will sie nicht nennen. Damit das im nächsten Jahr anders wird, fordert Katrin Eicker konkrete Maßnahmen von der Gemeinde Sylt. "Wir brauchen ein Alkoholverbot außerhalb von Lokalen in der Innenstadt von Westerland", sagt sie.

Punks auf Sylt: Betonmauer versperrte den direkten Weg zum Reformhaus

Dass es das Reformhaus besonders getroffen hat, hat auch mit einer Mauer aus Betonblöcken zu tun. Die hatte die Gemeinde Sylt Mitte Juni in einem Durchgang zwischen dem Wilhelminen-Brunnen und einem Parkplatz errichten lassen. Dort, auf der rückwärtigen Seite der Fußgängerzone, befindet sich der Eingang von Eickers Reformhaus.

Der Mauerbau war Bestandteil eines Maßnahmen-Pakets, mit dem die Verwaltung eine Eskalation zwischen Ladenbesitzern und Gastronomen auf der einen Seite und den 9-Euro-Besuchern eindämmen wollte. Unter anderem war der Durchgang als Toilette missbraucht worden.

„Die Mauer muss weg. Man fühlt sich regelrecht eingesperrt“, hatte die Geschäftsinhaberin schon damals gegenüber dem Abendblatt gesagt und Schilder aufgestellt, um Kunden um das Gebäude herum in ihre Reformhaus zu lotsen. Das hat offenbar nur in Teilen funktioniert. "Vor allem die Laufkundschaft ist weggeblieben", sagt Katrin Eicker. Letztlich zog sich die Situation bis zum Saisonende, weil die Betonmauer erst dann abgebaut worden war. Auch andere Geschäftsleute rund um den Brunnen kämpfen mit ähnlichen Problemen.

Aus Eickers Sicht ist es wahrscheinlich, dass es auch im nächsten Sommer wieder zu Konfrontationen kommt. "Die werden wiederkommen. Es hat sich rumgesprochen, dass auf Sylt nicht nur die Reichen gut leben", sagt die Ladenbesitzerin. Ein Umzug ist aus ihrer Sicht keine Lösung. Das komme nach so langer Zeit an ihrem Standort nicht in Frage.

Gemeinde rechnet mit Kosten von mehr als 200.000 Euro

Mitte November hatte die Gemeinde Sylt erstmals Zahlen über die Kosten vorgelegt, die Punks und Protestcamp im Sommer verursacht haben. Darin enthalten sind: Sicherheitsdienst und Dixi-Toiletten sowie die Arbeiten des kommunalen Bauhofs – insgesamt eine Summe von mehr als 200.000 Euro. Allerdings ist die Aufstellung nur vorläufig. Ein Teil der Kosten ist noch nicht ermittelt oder abgerechnet – unter anderem der Bau der Betonwand am Wilhelminen-Brunnen.

Punks auf Sylt: Inselverwaltung hat Strategie angekündigt

Aktuell arbeitet die Verwaltung der Inselgemeinde Sylt an einer Strategie, um im nächsten Sommer besser vorbereitet zu sein. Welche Maßnahmen darin einhalten sein könnten, ist noch offen. Nach Angaben von Holger Flessau, Vorsitzender des Hauptausschusses, gibt es auch noch keinen Termin, wann das Konzept in den politischen Gremien vorgestellt werden soll.

"Spätestens im Januar 2023 sollte das vorliegen", so der CDU-Politiker. Er will die Terminplanung in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses Mitte Dezember zur Sprache bringen. Dass es ein Alkoholverbot in der Innenstadt von Westerland geben könnte, wie von Reformhausbesitzerin Eicker gefordert, glaubt er allerdings nicht. "Das ist rechtlich nicht durchsetzbar."

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