Restaurant-Tipps

Wie vegan is(s)t Sylt? Die besten Läden auf der Insel

| Lesedauer: 6 Minuten
Joy Kassner hat im Mai 2021 das "tea and V" in Westerland eröffnet - das erste vegane Restaurant auf Sylt.

Joy Kassner hat im Mai 2021 das "tea and V" in Westerland eröffnet - das erste vegane Restaurant auf Sylt.

Foto: Henrik Jacobs

Vegan essen auf der Urlaubsinsel? Das ist gar nicht so leicht. Zwei Köche haben sich getraut. Doch das Angebot ist ausbaufähig.

Westerland/List. Joy Kassner stehen kleine Schweißtropfen auf der Stirn. Zehn Gäste sitzen auf der Terrasse ihres Lokals „tea and V“ in Westerland auf Sylt. Auch drinnen haben mehrere Urlauber Platz genommen. Und Kassner ist alleine. Der Personalmangel auf der Insel betrifft auch die Köchin des ersten veganen Restaurants auf Sylt. Und das läuft ein Jahr nach der Eröffnung richtig rund. „Die Nachfrage nach veganem Essen auf Sylt steigt“, sagt die Hamburgerin und bringt den Gästen fünf Tagesgerichte. Heute auf der Karte: Falafelbowl mit Bulgur, Quinoa Tricolore, Tzaziki, Salat und Sylter Meersalz.

Von Dienstag bis Sonnabend serviert Kassner zwischen 13 und 16 Uhr täglich neue Gerichte. Ein Mittagsangebot, Kuchen und Kaffee, dazu hausgemachte Eisteesorten und Heißgetränke wie Matcha-Tee. Nur den herkömmlichen Kaffee bietet Kassner nicht an – weil sie ihn selbst nicht mag. Stattdessen gibt es bei ihr für vier Euro eine Tasse Lupinenkaffee. Ein alternativer Kaffee, der aus dem Samen der Blühpflanze Lupine gewonnen wird – und der auch tatsächlich nach Kaffee schmeckt.

Kassners Laden, eine Mischung aus Teestube und Restaurant, liegt im Industrieweg in Westerland hinter einem großen Supermarkt auf der Rückseite eines Yogastudios. Fußgänger kommen hier nicht zufällig vorbei. Sie besuchen das „tea and V“, weil sie gezielt danach gesucht haben, zum Beispiel über die App HappyCow. Wer bei Google nach veganen Restaurants auf Sylt sucht, bekommt nur wenige Treffer. Dafür aber den Laden von Joy Kassner.

Es gibt auf Sylt nur zwei Läden, die ausschließlich veganes Essen anbieten

Als Hamburgerin weiß sie, wie groß die Nachfrage nach veganem Essen ist. Sie selbst ist seit 2011 Vegetarierin, später wurde sie Veganerin. Ihre Eltern lebten auf Sylt. Nach ihrem BWL-Studium wollte Kassner eine Auszeit nehmen. Daraus wurde ein Job bei der Gemeindeverwaltung auf Sylt. In der Corona-Zeit kam dann der Impuls, sich zu verändern. „Ich wollte etwas anderes machen. Gebacken und gekocht habe ich immer schon gerne.“ Als Veganerin war dann auch klar, was sie anbieten wird. „Es gab hier nichts auf Sylt. Nur den Suppenladen in List.“

Dieser Suppenladen in List liegt 17 Kilometer weiter nördlich und heißt Sylter Suppen. Inhaber ist Maurice Morell. Er kocht hier sein eigenes Süppchen. Ein gebürtiger Bremer, der seit zehn Jahren auf Sylt lebt und hier schon viele verschieden Jobs gemacht hat. Nun kocht er in der vierten Saison in Folge vegane Suppen und hat darüber schon ein Buch geschrieben.

Angebot an veganem Essen auf der Nordseeinsel ist noch nicht groß

Neben der Sylter Eismanufaktur an der Dünenstraße steht er von Dienstag bis Freitag in seiner kleinen Holzbox und serviert drei verschiedene Suppen pro Tag. Fast immer bildet sich ab 12 Uhr eine lange Schlange. Nach einer halben Stunde sind manche Angebote oft schon vergeben. So wie an diesem Tag die Kartoffel-Bananen-Curry-Suppe mit Kokosmilch. „Der Laden ist hier schnell Kult geworden“, sagt Morell.

Was zum einen an seiner Art, seinem Essen, seiner Holzbox und seinem kleinen Dünengarten liegt. Was aber auch ein Zeichen ist, dass das Angebot an veganem Essen auf der Nordseeinsel noch nicht sonderlich groß ist. „Sylt ist noch nicht sehr weit“, sagt Morell. Der 61-Jährige berichtet, dass er vor der Gründung seines Ladens gewarnt wurde. „Sylt sei noch nicht so weit für vegane Angebote. Aber das stimmt nicht. Die Menschen sind sehr wohl bereit. Entscheidend ist der Geschmack.“

Eine vegane Suppe in List kostet 8 Euro inklusive Nachschlag

Und bei Morell, der sich selbst als Flexiganer bezeichnet, schmeckts. Acht Euro kosten seine Suppen. Wer auf Sylt oft Urlaub macht, der weiß, dass das ein sehr guter Preis ist. Und den man gerne bezahlt, wenn man weiß, dass Morell mit Gemüse von der Insel arbeitet. Die Kartoffeln seiner heutigen Suppe kommen aus Kampen.

Auch Joy Kassner vom „tea and V“ versucht, so nachhaltig wie möglich zu kochen. „Hier kommt nichts weg“, sagt sie über ihr Essen, das sie nach Möglichkeit zweitverwertet. Ein Geheimnis macht sie aus ihren Rezepten nicht. „Mein Ziel ist es, dass alle Menschen sich vegan ernähren“. Daher teilt sie auf Nachfrage auch ihre Rezepte mit jedem, der Interesse habe.

Sylt: In den beliebten Restaurants der Insel kaum vegane Alternativen

Die Gäste sind von ihren Gerichten in jedem Fall angetan. Zwei Veganer aus Süddeutschland, die gerade im „tea an V“ Mittag essen und auf Sylt Urlaub machen, erzählen, dass sie meistens zu McDonalds gehen würden – weil dort das vegane Angebot besser sei als in den meisten Restaurants der Insel.

Tatsächlich findet man in den beliebten Restaurants der Insel aber immer mehr Alternativen. Das Beachhouse-Sylt bietet einen veganen Burger an, genauso wie das Straend am Campingplatz in Hörnum oder das iismeer an der Promenade von Wenningstedt. Die vegane Bloggerin Eveline Hackenberg aus Amberg hat bei ihrem bislang letzten Sylt-Urlaub im Frühjahr die Instragam-Seite "Vegan auf Sylt" ins Leben gerufen.

Darin trägt sie nach und nach alle Angebote ein, die selbst oder über Hinweise von Lesern gefunden hat. Darin findet man vegane Alternativen im Amici in Keitum, bei Twisters und Onkel Johnny's in Wenningstedt oder im Strandrestaurant Badezeit sowie bei Frau Kruse in Westerland. "Es tut sich eine gange Menge", schreibt Hackenberg. Bis die Insel Sylt aber richtig vegan is(s)t, wird aber noch etwas Zeit vergehen.

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