Sylt

Lindner-Hochzeit in Keitum – Polizeieinsatz in Westerland

| Lesedauer: 15 Minuten

Christian Lindner und Franca Lehfeldt wurden kirchlich getraut. In Westerland wurden derweil Rauchtöpfe gezündet.

Keitum. Nun sind Bundesfinanzminister Christian Lindner (43, FDP) und Journalistin Franca Lehfeldt (33) auch kirchlich verheiratet: Nach der standesamtlichen Trauung fand zwei Tage später am Sonnabend die feierliche Zeremonie in der Kirche St. Severin auf Sylt statt. Viele Schaulustige hatten sich in Keitum versammelt, um das Brautpaar und die angereiste Polit-Prominenz zu begutachten.

Zur Zeit der Trauung gab es auf der Zugstrecke in Richtung Nordsee dagegen einen beunruhigenden Vorgang: Bei der Polizei war eine Bombendrohung gegen die Marschbahn eingegangen. Beamte haben den RE6 bei Husum geräumt. Gut 350 Menschen mussten den Zug verlassen und stundenlang ausharren.

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Lindner-Hochzeit: Rauchtöpfe in Westerland gezündet

Die Hochzeitsfeier von Franca Lehfeldt und Christian Lindner blieb auch in der Nacht zum Sonntag frei von Störungen. Allerdings hatte es in der Innenstadt von Westerland am Sonnabendnachmittag einen Polizeieinsatz gegeben. Am Wilhelminenbrunnen hatte eine Gruppe nach Angaben der Polizeidirektion Flensburg Rauchtöpfe gezündet.

Noch bevor die alarmierten Beamten eintrafen, flüchteten einige Personen, die den 9-Euro-Ticketgästen (allerdings nicht den Punks) zugerechnet werden, Richtung Friedrichstraße. Fünf Personen erhielten einen Platzverweis und wurden von der Polizei in einen Zug gesteckt und aufs Festland geschickt. Sie hatten nach Angaben eines Polizeisprechers zuvor Böller in Geschäfte in der Fußgängerzone geworfen.

Kritik an Lindner-Hochzeit: "Hemmungsloses Luxusgehabe"

Kritik an der Hochzeit kam vom SPD-Ortsverein Sylt: „Von diesem dreitägigen Festival geht ein völlig falsches Signal aus für unsere Insel und auch für die Politik im allgemeinen“, so der Gemeindevertreter Gerd Nielsen und der Ortsvereinsvorsitzende Peter Marnitz. Die Kommunalpolitiker ziehen in Zweifel, dass in Zeiten eines Krieges, der Corona-Krise und der auch auf der Insel wachsenden Armut, so öffentlichkeitswirksam "höfische Pracht und hemmungsloses Luxusgehabe" präsentiert werden müsse.

„Wir gönnen jedem sein privates Glück und freuen uns natürlich, wenn man dieses Glück auf unserer Insel findet. Es ist aber ein Unterschied, ob ich als vom Volk gewählter Politiker privat und diskret genussvoll feiere, oder mich ins Scheinwerferlicht dränge und in feudalem Stil meine Festivität öffentlich zelebriere“, kritisieren Nielsen und Marnitz „das dreitägige Vermählungs-Festival“ des Bundesfinanzministers.

Wer kurz vor seiner Prunkfeier noch die Wiedereingliederungshilfen für Langzeit-Arbeitslose von 609 Millionen Euro auf fünf Millionen herunterkürzen wolle und sich dann so hemmungslos präsentiere, könne nur als „abgehoben“ bezeichnet werden. „Für uns als ehrenamtliche Kommunal-Politiker ist so ein Verhalten ein Schlag ins Gesicht“, empört sich der Vorstand des SPD-Ortsvereins Sylt. Das fördere die schon weit verbreitete Politik-Verdrossenheit.

Dazu komme auch, dass durch solche „Events“ das Image Sylts als „Insel der Reichen und Schönen“ wieder zementiert werde. Dass auf der Insel gut 18.000 Menschen leben, die sich vielfach mit harter Arbeit ein bescheidenes Leben ermöglichen, werde dabei völlig außer Acht gelassen. „Wir wünschen uns hier als Gäste Menschen, die um der Insel wegen nach Sylt kommen und unsere Heimat nicht nur als Party-Location und als Kulisse für eine fürstliche Hochzeit sehen“, sagte Marnitz.

In diesem Zusammenhang werde auch der Besuch von Kanzler Olaf Scholz, der sonst seine Urlaube äußerst diskret auf der Insel verbringe, kritisch gesehen.

Bombendrohnung: Polizei räumt Marschbahn nach Sylt

Wegen einer Bombendrohung hat die Bundespolizei die Marschbahn nach Sylt am Sonnabendnachmittag geräumt. Gut 350 Fahrgäste mussten den RE6 auf der Strecke zwischen Husum und Bredstedt verlassen. Der Zug war um 14.40 Uhr in Hamburg-Altona gestartet, jedoch gegen 17 Uhr gestoppt worden, nachdem bei der Landespolizei telefonisch eine Drohung eingegangen war. "Wir nehmen die Drohung sehr ernst", sagte Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizei, dem Abendblatt. Zunächst hatte shz.de berichtet.

In den folgenden drei Stunden haben Sprengstoffspürhunde und Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes den Zug auf verdächtige Gegenstände durchsucht. Auch Bundespolizisten mit Maschinenpistolen waren im Einsatz. Um 20.30 Uhr konnte die Bundespolizei schließlich Entwarnung geben: "Wir haben nichts gefunden", sagte Sprecher Schwartz dem Abendblatt. "Der Zug kann nun weiter bis Bredstedt fahren, wo viele Fahrgäste sicher noch warten."

Dorthin waren die vielen Fahrgäste mit Bussen nach der Evakuierung gebracht worden. Ihr Gepäck befand sich aber noch im Zug. Zudem haben viele von ihnen vermutlich ihre Fähren zu den Nordseeinseln verpasst. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, wurden die Betroffenen auf Unterkünfte in der Region verteilt. Sie konnten am Sonntagmorgen weiterfahren. Während der Dauer der Maßnahmen war die Zugstrecke gesperrt, die Deutsche Bahn warnte vor Verspätungen und Zugausfällen in beide Richtungen.

Lindner und Lehfeldt fahren direkt zur Sansibar

Nun sind sie auch kirchlich getraut: Die Hochzeitsgesellschaft um Christian Lindner und Franca Lehfeldt wird in zwei Oldtimerbussen zur Sansibar gefahren, wenig später wehen nur noch ein paar welke weiße Rosenblätter über den Kirchenvorplatz. Das Paar hat den Schaulustigen und Fotografen nicht einen Moment gegönnt, sondern fuhr ohne Fotostopp weg.

Brautpaar Lindner und Lehfeldt erreichen Kirche auf Sylt

Standesgemäß als letzte erreichte Franca Lehfeldt am Sonnabendnachmittag ihre Trauung. Die Braut kam gemeinsam mit ihrem Vater in einem offenen Porsche an der Kirche St. Severin in Keitum an, sie trug ein rückenfreies Kleid mit langer Schleppe und einer Schleife im Nacken und offenes Haar. Ihr Bräutigam Christian Lindner (FDP) trug einen dunkelblauen Anzug und eine silberfarbene Krawatte mit einer weißen Rose als Ansteckblume. Das Paar hatte bereits am Donnerstag standesamtlich geheiratet und am Freitagabend Polterabend gefeiert.

Lindner-Hochzeit: Prominente Hochzeitsgäste – und das Brautpaar

Der Bundeskanzler ist da: Neben Olaf Scholz ist auch Oppositionsführer Friedrich Merz an der St.-Severin-Kirche in Keitum eingetroffen. Der ehemalige CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gehört auch zu den Gästen von Lindner und Lehfeldt. Doch nicht nur Größen der deutschen Politik stehen auf der Gästeliste: TV-Moderatorin Bärbel Schäfer ist ebenso dabei wie ihre Berufskollegen Wolfram Kons und Michel Friedman und der aus der Sendung "Die Höhle der Löwen" bekannte Unternehmer Frank Thelen.

Nicht eingeladen, dafür umso lauter ist der ProSieben-Moderator Sebastian Pufpaff: Als der Bräutigam ankommt, ruft er: "Christian, ich brauche noch eine Einladung. Ich habe auch ein Geschenk für Dich." Die Show, die der Kabarettist veranstaltet, sorgt für viele Lacher bei den Schaulustigen.

Um kurz nach 16 Uhr scheint die Hochzeitsgesellschaft komplett zu sein, auch die Kirchenglocken läuten bereits, nur die Protagonistin fehlt noch. Erst gegen 16.20 Uhr wird Franca Lehfeldt im schwarzen Porsche Targa vorgefahren – und verschwindet schnurstracks in der Kirche.

Lindner-Hochzeit: Schaulustige stoßen mit Sekt an

Inken Wölk, Petra Kriesten und Inken Löser (v.l.) haben es sich mit Sekt auf der Mauer gegenüber der Kirche gemütlich gemacht. Die drei Freundinnen machen mit ihren Familien Urlaub auf dem Campingplatz in Rantum. „Unsere Männer wollten nicht mitkommen, aber jetzt fragen sie immer, wo die Bilder bleiben“, sagt Inken Löser aus Kiel. Ihre Freundin Inken Wölk aus Flensburg, die 2010 selbst in der Kirche St. Severin geheiratet hat, sagt: "Vielleicht sehen wir ja auch den Bundeskanzler."

Weniger entspannt sieht eine andere Schaulustige die Sache: "Wir alle zahlen das hier", sagt sie und zeigt auf die vielen Polizisten und Absperrungen. Und sie habe von einem Polizisten gehört, dass die Zeitschrift Bunte die Fotoexklusivrechte habe. Das finde sie nicht in Ordnung.

Unterdessen läuft der Verkehr auf der Straße ungehindert weiter, für einen dunklen Audi Kombi wird die weiße Pforte geöffnet. Einzelne Gäste gehen über den Kirchhof zum Eingang.

Kirchengelände abgesperrt – zahlreiche Schaulustige vor Ort

Das Kirchengelände ist kurz vor der Trauung von Christian Lindner und Franca Lehfeldt abgesperrt worden. Die Polizei ist seit etwa 13.30 Uhr mit mehreren Einsatzwagen vor Ort. Am Morgen hatten Beamte das Gelände bereits mit Hunden abgesucht.

Etwa 30 Schaulustige versammelten sich vor der Kirche St. Severin in Keitum, in der Hoffnung, einen Blick auf das Brautpaar oder die prominenten Gäste zu erhaschen. Unter ihnen ist auch Elma Krotke (47) aus Hamm (Westfalen). Sie ist Lindner-Fan, findet die dreitägige Hochzeitsfeier aber auch etwas übertrieben.

Auch "TV total"-Moderator Sebastian Pufpaff, der bereits im Vorfeld über die Hochzeit in seiner Sendung berichtet hatte, mischte sich unter die Schaulustigen und verteilte Bier und T-Shirts.

Lindner-Hochzeit: Wie die Sansibar sich vorbereitet

Jürgen tut etwas, was man eigentlich nicht sollte: Er versorgt Autofahrer mit Alkohol. Genauer gesagt verteilt der Mitarbeiter der Sansibar Hugo-Flaschen an enttäuschte Gäste, die auf den Parkplatz des deutschlandweit berühmten Lokals in den Dünen zwischen Rantum und Hörnum fahren wollen. Denn der ist, genau wie der Strandzugang, am Sonnabend gesperrt. Das Mittagsgeschäft fällt zugunsten der Feiervorbereitungen aus.

Abends werden hier Christian Lindner, Franca Lehfeldt und ihre prominenten Gäste Hochzeit feiern, tagsüber sorgen Jürgen und seine Kollegen dafür, dass alles glatt läuft. Dazu gehört auch, am Vormittag einige versprengte Punks abzuwimmeln. Das habe aber (unter Zuhilfenahme einiger verschenkten Flaschen Bier) aber ebenso freundlich wie friedlich funktioniert. Neben den Restaurant-Mitarbeitern fährt auch die Polizei verstärkt Streife rund um den Ort der Hochzeitsfeier.

Punks in Keitum: Polizei erteilt Platzverweise

In der vergangenen Nacht hatten sich 35 Punks auf den Weg nach Keitum zum Hotel des Brautpaars gemacht.

„Sie haben alle einen Platzverweis bekommen“, sagt Jan Krüger, Sprecher der Polizeidirektion Flensburg. Sie seien dann von den Kollegen zum Bahnhof begleitet worden und in den Zug um 0.44 Uhr von Keitum nach Westerland gefahren – unter den wachsamen Augen der begleitenden Polizisten. Auch in der Nacht sei es auf der Insel ruhig geblieben.

Ein Teil der Hochzeitsgesellschaft, darunter das Brautpaar, wohnt im Severin*s in dem kleinen Friesendorf. Die Zimmerpreise in den Fünf-Sterne-Superior-Hotel liegen nach Angaben von Hoteldirektor Christian Siegling bei 390 bis 3500 Euro pro Nacht für die 67 Zimmer und Suiten sowie 27 Appartements und Villen.

Lindner-Hochzeit auf Sylt: Shitstorm gegen Pastorin Susanne Zingel

Dass Christian Lindner schon in jungen Jahren aus der (katholischen) Kirche ausgetreten ist und nun mit seiner Braut dennoch den religiösen Rahmen sucht, sorgte in den vergangenen Tagen bei Kirchenmitgliedern und evangelischen Theologen für Verstimmung und heftige Kritik, gar für einen Shitstorm gegen Pastorin Susanne Zingel. Nicht bestätigt ist allerdings, dass auch Franca Lehfeldt aus der Kirche ausgetreten ist.

Doch selbst wenn: Annegret Wegner-Braun, die zuständige Pröpstin der Nordkirche in Nordfriesland, hat betont, dass es keine „Lex Lindner“ gebe und verweist auf einen Beschluss der Nordkirchen-Synode von 2020, laut dem eine Trauung auch dann möglich ist, „wenn Menschen, die nicht Kirchen­mitglieder sind, danach fragen“. In der Gemeinde St. Severin gebe es einen Beschluss des Kirchengemeinderats, dass die Pfarrerin in „besonderen Ausnahmefällen“ an diesem „besonderen Ort“ auf der Insel Sylt auch Nichtmitglieder trauen dürfe.

Lindner-Hochzeit auf Sylt – in besonderer Insel-Kirche

Ein Glück, dass die Journalistin Franca Lehfeldt und Bundesfinanzminister Christian Lindner an diesem Sonnabend bereits als standesamtlich getrautes Ehepaar in die Kirche St. Severin in Keitum auf Sylt kommen, dann muss niemand um das Paar wegen der alten Sage bangen, die sich um den Turm rankt.

Zwei Sylter Schwestern namens Ing und Dung hatten den Kirchturm einst gestiftet. Als eine der beiden Schwestern verstarb und die Kirchengemeinde der Toten kein feines Begräbnis ausrichtete, verfluchte die hinterbliebene Schwester der Sage nach das Bauwerk. „Möge, wenn die Keitumer sich weiter so verhalten, dem hochmütigsten Jüngling und der eitelsten Jungfrau die Glocke auf den Kopf fallen.“ Pastorin Susanne Zingel, die die Gemeinde St. Severin 2005 übernommen hat, sagte einmal: „Wir warten immer darauf, dass es bei einer Hochzeit einen Bräutigam erwischt, der es vielleicht nicht ganz ernst meint“. Bislang ging jeder wieder mit heiler Haut raus.

Der Fluch besteht noch fort, auch wenn am Weihnachtsfest 1739 ein Junge von der herabstürzenden Glocke schwer verletzt worden war, wie es in der Kirchenchronik heißt. Bis heute erinnern zwei große Steine im Turmmauerwerk an die Legende von Ing und Dung.

Böse Zungen behaupten übrigens auch, die Gehwege rund um die Kirche hätten deshalb glatte Platten statt Kopfsteinpflaster, damit sich die Damen ihre Stöckelschuhe nicht ruinieren.

Hochzeit von Lindner und Lehfeldt auf Sylt

Sylt: St. Severin-Kirche in Keitum bei Promis beliebt

Die älteste Kirche Nordfrieslands, die von Bauarchäologen auf das Jahr 1194 datiert ist, ist bei Brautpaaren überaus beliebt, für Promihochzeiten ohnehin. Viele Prominente haben schon in St. Severin in Keitum Hochzeit gefeiert, zuletzt etwa die bekannte Schauspielerin Margarita Broich, die ihren Lebensgefährten Dirk Schmalenbach heiratete, oder der Shopping-Queen-Moderator und Designer Guido Maria Kretschmer, der seinen langjährigen Lebensgefährten Frank Mutters ehelichte. Auch Michael Stich hat hier geheiratet.

Lindner-Hochzeit auf Sylt: "sicherste Insel an diesem Wochenende“

„Sylt ist die sicherste Insel an diesem Wochenende“, sagte ein Sicherheitsfachmann dem Abendblatt, jedenfalls wenn man nach der Zahl der Personenschützer und BKA-Beamten gehe.

Eine Location wie die Sansibar sei einfach zu sichern, so seine Einschätzung. Man mache die Zugänge vom Parkplatz dicht, die Dünen seien eingezäunt, da könne man nur vom Strandübergang hochkommen und auch den könne man sperren.

( mit ras/dpa )

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