9-Euro-Ticket

Codewort Sylt – Redner im Bundestag veräppeln Insulaner

| Lesedauer: 2 Minuten
Bringt das 9-Euro-Ticket große Besucherströme nach Sylt? Die Abgeordneten im Bundestag haben sich bei der Haushaltsdebatte einen Spaß erlaubt. Auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) scherzte.

Bringt das 9-Euro-Ticket große Besucherströme nach Sylt? Die Abgeordneten im Bundestag haben sich bei der Haushaltsdebatte einen Spaß erlaubt. Auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) scherzte.

Foto: Bodo Marks/Kay Nietfeld / picture alliance/dpa

Die Haushälter müssen sich mit vielen ernsten Themen beschäftigen. Dennoch sorgte die aktuelle Sitzung für großes Vergnügen.

Westerland/Berlin. Kaum ein anderes Thema sorgt derzeit für derart viel Belustigung in den sozialen Netzwerken wie der mögliche Besucheransturm auf Sylt. Trotz der ernsten Lage mit Ukraine-Krieg und hoher Neuverschuldung haben sich nun auch die Haushälter im Bundestag einen Spaß erlaubt. Auffallend viele Abgeordnete erwähnten in ihren Reden am Freitag den Namen der Nordseeinsel – oft, aber nicht immer im Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket für Bahnreisen.

Viele Menschen auf der Nordseeinsel fürchten wegen des günstigen Tickets einen großen Andrang auf die ohnehin häufig ausgelastete Bahnstrecke. Zunächst waren die Züge nach Westerland zwar nicht überfüllt, für das Pfingstwochenende werden aber viele Urlauber auf Sylt erwartet. Die Bundespolizei kündigt an den Bahnhöfen "verstärkte Präsenz" an. Und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) warnt schon im Vorfeld vor "angespannter Stimmung".

Sylt: Abgeordnete im Bundestag erlauben sich Spaß

Es ist fast schon eine Tradition der Haushälter, sich bei den Schlussberatungen im Bundestag auf ein "Codewort" zu einigen. Was lag da also dieses Mal näher als der Name der nobelsten Insel Nordfrieslands?

Der Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag, Alexander Dobrindt, kündigte sogleich in der Haushaltsdebatte an, lieber nach Rügen als nach Sylt zu fahren. Andere Abgeordnete wiesen darauf hin, dass die Haushaltsgelder nicht nur auf Sylt eingesetzt würden. Und auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) machte das Spiel mit: "Wie der Jongleur auf der Strandpromenade von Sylt, so gehen Sie mit dem Geld um", sagte er an die Union gewandt.

Sylt: Christian Lindner heiratet dort Franca Lehfeldt

Letzterer wird in naher Zukunft tatsächlich einige schöne Tage auf der Promi-Insel verbringen. Weil Lindner bei der eigentlich in der Toskana geplanten Hochzeit mit seiner Verlobten Franca Lehfeldt kein ausreichender Personenschutz garantiert werden kann, verlegte das Paar die Feier kurzerhand nach Sylt. Am 7. Juli werden sich die beiden auf der Nordseeinsel das Jawort geben. Dabei erwarten sie prominente Gäste – auch aus dem Bundestag.

Die Haushaltspolitiker des Bundestags gelten als besonders eingeschworene Truppe – über die Grenzen aller Fraktionen hinweg. Die Nachtsitzungen, bei denen sie letzte Details des Bundeshaushalts aushandeln, schweißen zusammen.

9-Euro-Ticket in Hamburg: Alle Fragen und Antworten

  • Wo kann ich das 9-Euro-Ticket kaufen? Die Tickets sind über die Apps, Fahrkartenschalter, Kundenzentren und andere Verkaufsstellen der Deutschen Bahn erhältlich. In Hamburg ist die Fahrkarte über die HVV-App, den HVV-Onlineshop, die Servicestellen, die HVV-Switch-App, an den Fahrkartenautomaten und in allen Bussen zu bekommen. Außerdem gibt es vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) auch eine eigene „9-Euro-Ticket“-App, die auf den gängigen Plattformen runtergeladen werden kann.
  • Für welchen Zeitraum gilt das Ticket? Die Tickets gelten jeweils für Juni, Juli und August – und zwar für den Kalendermonat. Nicht möglich sind Tickets für gleitende 4-Wochen-Zeiträume, also zum Beispiel von Mitte Juli bis Mitte August.
  • Wie weit kommen Hamburger mit dem 9-Euro-Ticket in Deutschland? In unserer interaktiven Karte finden Sie Ziele, die ab Hamburg mit Regionalzügen zu erreichen sind – direkt oder mit höchstens dreimal Umsteigen.
  • Welche Verkehrsmittel kann man mit dem Ticket nutzen? Prinzipiell gilt das 9-Euro-Ticket bundesweit in allen Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Zügen des Nah- und Regionalverkehrs – egal ob von der Deutschen Bahn oder anderen Anbietern. Nicht genutzt werden kann der Fernverkehr der Deutschen Bahn mit ICE, Intercity und Eurocity. Auch auf einigen Intercity-Abschnitten, auf denen Fahrgäste mit anderen Nahverkehrsfahrkarten sonst zusteigen dürfen, gilt das Ticket nicht. Diese Fernverkehrszüge werden in der Reiseauskunft neben der IC- mit einer Regionalzug-Kennzeichnung ausgewiesen. Dabei stehe der Hinweis „9-EUR-Ticket nicht gültig“. Nach Angaben der Deutschen Bahn laufen zu dem Thema regional noch Gespräche.
  • Kann man das 9-Euro-Ticket mit ICE-Tickets kombinieren? Ja. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, kann man damit im Regionalverkehr zu dem Bahnhof fahren, an dem man in einen Fernzug umsteigt. Für die Fahrt im Fernverkehr ist dann aber immer ein separates Ticket notwendig.
  • Was ist mit Fahrrädern? Wer Fahrräder mitnehmen will, muss für diese trotz 9-Euro-Tickets meist ein paar Euro extra zahlen, zudem kann es passieren, dass die Züge so ge- oder gar überfüllt sind, dass ein Rad schlicht nicht mehr mitgenommen wird.
  • Wird trotz der günstigen Tickets weiter kontrolliert? Ja, die Verkehrsunternehmen kontrollieren eigenen Angaben zufolge wie gewohnt weiter. Wer ohne Ticket angetroffen wird, zahlt nach wie vor ein sogenanntes erhöhtes Beförderungsgeld von meist 60 Euro.
  • Warum ist das Ticket nicht gleich kostenlos? Diesen Vorschlag hat es aus den Ländern tatsächlich gegeben. Einfach auf Tickets (und die Kontrolle) zu verzichten, hätte den Aufwand deutlich gesenkt, so die Argumentation. Ein Grund dafür, dass nun doch etwas Geld verlangt wird: Die Nutzung lässt sich auf diese Weise besser analysieren. Wer nutzt auf welchen Strecken Busse und Bahnen, wenn es deutlich günstiger ist – das ist für die Verkehrsbetriebe eine spannende Frage.
  • Werden zusätzliche Züge eingesetzt? Viele Verkehrsunternehmen haben für die drei Monate Verstärkerzüge angekündigt. Die Deutsche Bahn etwa will 50 zusätzliche Züge einsetzen und das Personal verstärken. Mit den Fahrzeugen könnten 250 zusätzliche Fahrten angeboten werden, hieß es. Sie sollen vor allem entlang der Touristenstrecken in Richtung Nord- und Ostsee sowie im Süden eingesetzt werden. Doch angesichts von durchschnittlich rund 22.000 Regionalbahnfahrten jeden Tag sind Fachleute skeptisch, ob das reicht.
  • Welche Ausflüge gibt es in Hamburg und Umgebung? Das finden Sie im neuen Magazin „Ausflüge“ vom Hamburger Abendblatt. Es ist erhältlich in der Abendblatt-Geschäftsstelle am Großen Burstah 18–32 gleich hinter dem Rathaus, auf abendblatt.de/shop und im Buch- und Zeitschriftenhandel.
  • Fahrpläne ab Hamburg unter www.bahn.de, www.der-metronom.de, www.nordbahn.de, www.hvv.de, www.nah.sh, regional.bahn.de/regionen/meckpomm/fahrplan
( mit dpa )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sylt