St. Peter-Ording

„Salt & Silver“ öffnet in Nordsee-Pfahlbau – mit Verspätung

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In den Pfahlbau am Strand von St. Peter Ording zieht das "Salt & Silver" ein.

In den Pfahlbau am Strand von St. Peter Ording zieht das "Salt & Silver" ein.

Foto: picture alliance/Zoonar

Hamburger Gastronomen eröffnen ihr Restaurant acht Meter über dem Strand von St. Peter-Ording. Warum sich der Start verspätet.

St. Peter-Ording. In dieser Woche ist es so weit – wenn auch nicht ganz so pünktlich wie erhofft. Nach dem „Pre-Opening“ für Freunde, Kollegen sowie Vertreter von Gemeinde und Tourismuszentrale an vergangenen Wochenende wollten Johannes Riffelmacher und Thomas Kosikowski eigentlich am 7. April ihr Restaurant Salt & Silver im legendären Pfahlbau von Böhl eröffnen – acht Meter über dem Strand von St. Peter-Ording. Genau diese exklusive Lage sorgt aber auch für einen Tag Verspätung.

Statt von Donnerstag dieser Woche an erwartet die Restaurantbesucher nun ab Freitag (12 Uhr) neben Fisch, Salzwiesenlamm sowie hausgebackenen Kuchen und Torten ein grandioser Ausblick auf die Nordsee. Die nimmt sich zuvor aber ihr Recht: "Am Donnerstag säuft nämlich der ganze Strand wegen einer Springflut ab und wir können weder beliefert werden, noch kommt ihr zu unserem Gebäude", schreiben die beiden in einem Instagram-Post.

Nordsee: Salt & Silver kurz vor der Eröffnung

Die Wetterkapriolen beeindrucken die Kosikowski und Riffelmacher aber genauso wenig wie die Tatsache, dass das Restaurant Salt & Silver in den Räumen der alten Seekiste so kurz vor der offiziellen Eröffnung noch eine Baustelle war. Das werde schon rechtzeitig fertig, hieß es.

Die Panoramascheiben in Richtung Nordsee auf dem windgeschützten Sonnendeck sind angebracht, die großen Holzbänke wurden, als das Abendblatt kürzlich die Baustelle besichtigte, zusammengezimmert. Das wird sicherlich der Lieblingsplatz der meisten Gäste. 44 Jahre lang hat die Familie Haupt in dem Böhler Pfahlbau und ihrer Seekiste Eiderstedter Nordseeküche serviert.

„Das war eine Institution auf Eiderstedt"

„Wir treten dieses Erbe mit einem Anspruch an, unseren Gästen eine ebenso herzliche Wohlfühloase zu bieten“, sagen Johannes „Jo“ Riffelmacher und sein Freund und Geschäftspartner Thomas „Cozy“ Kosikowski. „Das war eine Institution auf Eiderstedt mit bodenständiger Küche und mit Krabbenpulerinnen.“

Mit dem Restaurant am Meer erfüllen die beiden sich einen Traum. Nach ihren beiden Salt & Silver-Restaurants auf St. Pauli in der ehemaligen Amphore und nebenan im früheren Schauermann gehen sie mit dem Ableger an der Nordsee einen Schritt weiter: Beide sind mit ihren Partnerinnen von Hamburg ans Meer gezogen, Jo Riffelmacher wird im August außerdem Vater. Das Leben am Meer war schon immer ein Traum. „Das war unser Sehnsuchtsort“, sagt er.

„Die Pfahlbauten sind einfach total irre"

„Die Pfahlbauten sind einfach total irre, die Weite und der Strand. Dagegen ist die Ostsee eine Pfütze.“ Da ihr eigentlicher Sehnsuchtsort Portugal für die beiden Wellenreiter zu weit weg ist, haben sie mit St. Peter-Ording einen sehr guten Kompromiss gefunden.

Und auch wenn sie derzeit jede Menge Arbeit haben und sich alles um die Restauranteröffnung dreht, haben sie doch schon Zeit gefunden, zwischendurch hinaus in die Welle zu gehen. „Das muss sein“, sagt Jo Riffelmacher. „Man muss den richtigen Zeitpunkt erwischen wegen der Gezeiten und mindestens zwei Stunden vor der Flut draußen sein. Man muss flexibel sein.“

Ursprüngliche Einrichtung wird zum Teil übernommen

Mitte Januar konnten sie erst mit den Umbauarbeiten starten. Mitten in der Sturmflutsaison, ohne Heizung und ohne fließendes Wasser. Denn noch ist der Pfahlbau nicht winterfest, und so muss zum Ende der Saison im Oktober das meiste, vor allem die elektrischen Geräte, wieder ausgebaut und eingelagert werden. Aber daran wollen sie jetzt nicht denken.

Die beiden Gastronomen übernehmen viel von der ursprünglichen Einrichtung, peppen diese lediglich ein wenig auf. Die Terrassenbänke wurden aus den alten Fußbodenbohlen gezimmert. Dieser Nachhaltigkeitsgedanke ist den beiden wichtig. So sind die dänischen Farstrup-Stühle Originale aus dem 1960ern, die sie restaurieren und neu polstern ließen.

Gastronomen suchen Verstärkung

Die Steingut-Teller und Brotzeit-Bretter haben sie in einer inklusiven Werkstatt in Berlin von Hand töpfern lassen: Die Lebensmittel kommen möglichst aus der Region. Fisch und Meeresfrüchte stammen aus der Nordsee und werden von Hummer Petersen geliefert, das Fleisch aus Weidehaltung beziehen sie von der nordfriesischen Landschlachterei Burmeister, die Süßwasserfische und der Räucherfisch kommen ebenfalls aus Schleswig-Holstein. Herzstück ihrer Strandbar ist der 1,80 Meter lange Lavastein-Grill. Am Kiosk gibt es Fischbrötchen zum Mitnehmen.

Das Kernteam mit 20 Mitarbeitern steht, auch wenn es nicht leicht war, genügend Leute zu finden. Und noch immer suchen sie Verstärkung. Und weil es rund um St. Peter-Ording nur wenig freien Wohnraum gibt, haben die beiden 13 Wohnungen für ihre Mitarbeiter gemietet. „Da herrscht ein bisschen Ferienlagerstimmung“, sagt Jo Riffelmacher . Die Großstadt vermissen sie nicht, schauen dort natürlich regelmäßig noch in den anderen Restaurants vorbei.

Gastronomen lassen sich von Reisen inspirieren

Die Küche? Dabei lassen sich die beiden, die ursprünglich aus Bayern kommen und sich beim Graffitti-Sprühen in Teenagertagen kennen und schätzen gelernt haben, von ihren vielen gemeinsamen Reisen inspirieren. „Was wir machen, ist gar nicht so anders, sondern wie wir es machen“, sagt Riffelmacher. „Wir lassen uns dabei nicht einschränken.“

Der 35-Jährige und sein zwei Jahre jüngerer Kumpel waren schon mehrmals zusammen unterwegs, zum Beispiel 18 Monate lang in Süd- und Lateinamerika. Dort haben sie das gemacht, was sie am liebsten tun: surfen und kochen, auch wenn sie aus anderen Berufen kommen: Riffelmacher ist Werber, Kosikowski Kameramann. Zurück in Deutschland haben sie die Rezepte nachgekocht und verfeinert, haben zwei Kochbücher geschrieben.

Tourismus-Chefin zeigt sich begeistert

Katharina Schirmbeck, Tourismusdirektorin von St. Peter-Ording, freut sich, dass mit mit beiden zwei so kreative Großstadttypen an die Nordsee kommen.

„Das Pfahlbaurestaurant Seekiste war seit vielen Jahren ein beliebtes kulinarisches Highlight im Ortsteil Böhl. Wir freuen uns sehr, dass die Crew von Salt & Silver die Herausforderung annimmt, diese Fußstapfen zu füllen. Die Kombination aus traditionellen Standort und moderner Kulinarik verspricht ein einzigartiges Abenteuer zu werden“, sagt die Tourismus-Chefin.

Nordsee: Salt & Silver soll Ort für alle werden

Ihr Salt & Silver am Meer, sagen die beiden Inhaber, soll ein Ort für alle werden. Für Familien mit Kindern, für Senioren genau wie für Surfer. „Wir hoffen, dass sich das Publikum mischt.“