Nordsee

Ole von Beust wünscht sich autofreie Zonen auf Sylt

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Die Promenade von Westerland mit dem weitläufigen Strand gehört zu den beliebtesten Orten auf Sylt. Und einen der Strandkörbe hatte Ole von Beust für eine Saison gemietet.

Die Promenade von Westerland mit dem weitläufigen Strand gehört zu den beliebtesten Orten auf Sylt. Und einen der Strandkörbe hatte Ole von Beust für eine Saison gemietet.

Foto: Imago images / Priller&Maug

Hamburgs Ex-Bürgermeister spricht über die Faszination der Nordseeinsel, Westerland – und er räumt mit einem Klischee auf.

Schleswig-Holstein. Ein Leben ohne Sylt, das könnte sich Ole von Beust gar nicht mehr vorstellen. Der ehemalige Hamburger Bürgermeister, der die Hansestadt von 2001 bis 2010 regierte, ist ein Wahlinsulaner. „Ich war als Kind zum ersten Mal mit meinen Eltern in Wenningstedt im Urlaub. Aber die Liebe zu Sylt habe ich entdeckt, als ich in meiner Schulzeit mehrmals und auch mal für bis zu drei Wochen im Landschulheim Puan Klent war“, erzählt Ole von Beust, der jetzt zu Gast war im Sylt-Podcast des Hamburger Abendblatts.

Zunächst habe er damals Heimweh gehabt und dann aber nach und nach die Zeit auf der Insel genossen. Es folgten Urlaube auf Sylt, und schließlich suchte sich der einstige CDU-Spitzenpolitiker seine eigene Bleibe und kaufte 1995 eine Eigentumswohnung in Westerland, „in dem legendären Hochhaus im Kurzentrum“. Der 66-Jährige hat dann 2012 eine neue Wohnung erworben. Ole von Beust lächelt, „ich bin aber nur zwei Türen weitergezogen und schaue nach wie vor zur Landseite“.

Nordsee: Ole von Beust über seine Liebe zu Sylt

Aber warum hat sich der Sylt-Kenner für diesen Ort begeistert? Für Westerland hat er sich entschieden, weil er immer mit der Bahn anreist. „Das ist praktisch, weil man vom Bahnhof zu Fuß zur Wohnung gehen kann. Außerdem wollte ich etwas in der Nähe vom Strand haben.“ Und Ole von Beust ist gerne in der Nebensaison, also im Januar oder November, dort. „Auch wenn auf der Insel wenig los ist, dann weht in Westerland ein Hauch von Stadt. Und man hat alles, was man braucht, in der Nähe. Kneipen, Läden, Kino, und wenn nötig, gibt es auch einen Zahnarzt.“

Beim Gespräch wirkt von Beust entspannt. Kein Wunder, er war zum Jahreswechsel gemeinsam mit seinem Mann Lukas auf seiner Lieblingsinsel. Seine Schwiegermutter und die Schwägerin waren auch dabei, „aber die haben im Hotel gewohnt“. Nach Weihnachten sorgte Sylt für Schlagzeilen in den Medien, weil dort plötzlich die Corona-Zahlen nach Feiern in Kneipen nahezu explodierten. „Ich habe die Situation nicht als bedrohlich empfunden. Das wurde, glaube ich, alles ein wenig dramatisiert. Und dass jetzt viele Lokale geschlossen haben, das hat nicht unbedingt etwas mit Corona zu tun, sondern weil im Januar immer viele schließen“, sagte von Beust im Sylt-Podcast.

„Ich mache mir Abendessen, schaue Fernsehen und trinke ein wenig Wein“

Als die Familie weg war, da verlängerte von Beust seinen Aufenthalt noch um eine Woche. Wie für ihn der perfekte Tag auf der Insel aussieht? „Ich bin ein Frühaufsteher und schon morgens um halb sieben auf den Beinen. Zunächst bearbeite ich E-Mails, lese Zeitung im Internet und führe notwendige Telefonate.“ Und dann steht bereits der erste Spaziergang an. „Ich gehe gerne in den Friedrichshain und füttere dort die niedlichen Enten mit Haferflocken.“ Nach dem Mittagessen stehen eine kleine Pause und PC-Arbeit auf dem Programm. In der Dämmerung geht es wieder auf Tour. „Ich genieße es, durch Alt Westerland oder Richtung Tinnum zu spazieren.“ Danach wird relaxed. „Ich mache mir Abendessen, schaue Fernsehen und trinke ein wenig Wein.“

Ganz entspannt also alles beim Ex-Bürgermeister. Im Sylt-Podcast verrät Ole von Beust übrigens auch, dass er gar nicht so häufig essen geht. Ab und an mal in die legendäre Sansibar in Rantum, weil er die gute Küche und Wirt Herbert Seckler schätzt. Denn er ist „ein leidenschaftlicher Koch. Ich probiere auch immer wieder neue Gerichte aus. Ich mochte in meiner Jugend immer Schlemmerfilet mit der Kräuterkruste. Also habe ich mir letztens frischen Kabeljau beim Fischhändler geholt und das dann nach einem Rezept mit der Kruste zubereitet. Das ist wirklich genial geworden. Auch der Kaiserschmarrn, den ich vor Kurzem gemacht habe, war gut gelungen.“

Das Urlaubsfeeling fängt kurz hinter Itzehoe an

Schon zu seiner Amtszeit haben die Hamburger an Ole von Beust geschätzt, dass er nahbar und auf dem Boden geblieben ist. Kein Wunder, dass man ihn auf der edlen Whiskymeile in Kampen – dort, wo sich im Sommer die Luxuskarossen aneinanderreihen und Sehen-und-gesehen-Werden an erster Stelle steht – nur äußerst selten sieht. Sylt wird häufig als die Insel der Schönen und Reichen beschrieben – wie sieht das der Inselexperte? „Das ist ein Klischee, das vielleicht auch ein wenig aus Marketinggründen gepflegt wird, weil man so Leute anlocken will, Geld auszugeben, oder welche, die einfach mal den dicken Maxen machen wollen.“ Aber das habe mit Sylt zumindest zu 95 Prozent gar nichts zu tun. Die Wirklichkeit sehe anders aus. Und wie? Mit drei Worten beschreibt von Beust die Insel so. „Nordisch, einmaliges Licht und endlose Weite.“

Wenn Ole von Beust durch Westerland spaziert, wird er natürlich häufig erkannt. Das empfindet er keineswegs als unangenehm. Die Urlauber rufen „hallo Ole, wie geht es dir, und dann hält man einen kurzen Schnack. Das tut mir gut. Das mache ich auch gerne mit den Verkäuferinnen in den Geschäften. Da kann man dann den neuesten Inseltratsch austauschen.“ Und obwohl auch von Beust schon „gruselige Bahnfahrten, die bis zu sechs Stunden gedauert haben“, erlebt hat oder auf einen Schienersatzverkehr – dann wird ein Bus eingesetzt – umsteigen musste, fährt er immer von Hamburg mit dem Zug auf die Insel.

Das Urlaubsfeeling fange für ihn an, wenn kurz hinter Itzehoe der Nord-Ostsee-Kanal überquert wird. Wie Ole von Beust seine dreistündige Reise verbringt – wenn der Zug pünktlich ist –, beschreibt er im Sylt-Podcast so. „Ich schlürfe eine Dose Bier, nehme mir viel zu lesen mit, und zwischendurch schlafe ich ein wenig.“

Bald ist von Beust noch öfter auf Sylt anzutreffen

Sein Bürgermeisteramt hat Ole von Beust im August 2010 aufgegeben. Der Rechtsanwalt hat eine Beratungsfirma gegründet, die mit den Jahren auf mehr als 30 Mitarbeiter gewachsen ist. Die Geschäftsführung hat er vor mehr als einem Jahr abgegeben. Der Jurist übernimmt nur noch „ausgewählte Mandate“ und ist Mitglied in Beiräten von einigen Unternehmen. Ein Rentnerleben kommt für ihn nicht infrage, aber der Hanseat genießt es, „als Freiberufler meine Arbeitszeit zu dosieren und mehr Zeit für mich und für das Leben zu haben“.

In Hamburg ist sein Lebensmittelpunkt, aber von Beust verbringt auch viel Zeit mit seinem Mann in der eigenen Berliner Wohnung. Doch im Sylt-Podcast kündigte von Beust an, dass die Zelte in der Bundeshauptstadt nach und nach abgebrochen werden sollen. Das heißt, dann wird von Beust noch häufiger auf der Insel anzutreffen sein. Aktuell sei er so alle sechs Wochen dort. Übrigens hat sich der ehemalige Bürgermeister in diesem Jahr einen „Luxus“ gegönnt. „Ich habe mir einen Saisonstrandkorb von April bis Oktober am Strand von Westerland gemietet.“ Das heißt, so konnte sich von Beust jederzeit in sein kleines Refugium zurückziehen und den Meerblick genießen.

Ole von Beust wünscht sich autofreie Zonen für die Insel

Natürlich kennt der Wahlsylter auch die Schattenseiten der Insel. Dazu zählen das hohe Verkehrsaufkommen vor allem in der Hochsaison. „Ich fahre dann schon frühmorgens, wenn auf den Straßen noch wenig los ist, wenn ich mal einen kleinen Ausflug nach Hörnum oder zum Morsum-Kliff mache.“ Aber wo kommt das Auto her, denn von Beust kommt doch immer mit der Bahn? Er lächelt. „Ich habe hier noch ein altes Saab Cabrio in der Tiefgarage stehen.“ Und auch von Beust wünscht sich, „dass wir auf der Insel ein paar autofreie Zonen bekommen“.

Demnächst könnte auch der Saab ausgesorgt haben, denn von Beust wird sich ein E-Bike zulegen. Ein bisschen Unterstützung beim Fahren muss schon sein, denn „der Gegenwind ist die Hölle“. Und was wünscht sich Ole von Beust für seine Lieblingsinsel? „Wir brauchen einen weltweiten Klimaschutz, der die Erderwärmung blockiert. Denn wir möchten nicht, dass Sylt irgendwann mal ins Meer gespült wird.“