Landtagswahl 2022

CDU in Schleswig-Holstein liegt laut Umfrage vorn

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Tschentscher und Günther beantworten Fragen zur Wahl

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Würde am Sonntag gewählt, käme die Partei von Ministerpräsident Daniel Günther auf 28 Prozent. So schneiden die anderen Parteien ab.

Kiel. Die CDU in Schleswig-Holstein dreht den Bundestrend – und liegt in einer repräsentativen Umfrage des NDR knapp vier Monate vor der Landtagswahl in der Wählergunst vor der SPD. Würde am Sonntag gewählt, käme die Partei von Ministerpräsident Daniel Günther auf 28 Prozent. Das geht aus der aktuellen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap hervor. Die SPD um den noch eher unbekannten Spitzenkandidaten Thomas Losse-Müller käme auf 23 Prozent, das wären acht Prozentpunkte mehr als bei der NDR-Umfrage im Mai. Die Grünen mit ihrem Spitzenduo von Monika Heinold und Aminata Touré verlieren gegenüber der Mai-Umfrage deutlich. Sie liegen jetzt bei bei 20 Prozent oder sieben Prozentpunkte weniger als vor acht Monaten.

Die FDP würde zehn Prozent erhalten, die AfD sieben. Der SSW – für ihn gilt die Fünf-Prozent-Hürde nicht – kommt auf vier Prozent. Die Linke kommt auf drei Prozent und würde damit erneut nicht ins Landesparlament gewählt. Mit dem Ergebnis wäre eine Fortsetzung des Jamaika-Bündnisses von CDU, Grünen und FDP genauso möglich wie eine sogenannte Ampel-Koalition nach dem Vorbild der neuen Bundesregierung. Rechnerisch möglich wäre auch eine Neuauflage der 2017 abgewählten „Küstenkoalition“ aus SPD, Grünen und SSW.

Umfrage: CDU in Schleswig-Holstein liegt vorn

Eine Wechselstimmung machen die Meinungsforscher von Infratest dimap hingegen im Land nicht aus. 36 Prozent der Schleswig-Holsteiner sprechen sich für eine Fortsetzung des Jamaika-Bündnisses aus, wohingegen mit 25 Prozent deutlich weniger für ein Bündnis unter SPD-Führung plädieren.

Für den Herausforderer Thomas Losse-Müller wird es schwer, die Wahl zu gewinnen: 71 Prozent aller Befragten geben an, zufrieden (60 Prozent) oder sehr zufrieden (11) mit der Arbeit der Landesregierung zu sein. Selbst unter den Anhängern der SPD ist die Zustimmung zur Arbeit der Landesregierung groß: 74 Prozent von ihnen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit dem, was Günther und sein Kabinett tun.

Wenig überraschend: Unter den CDU-Anhängern ist die Zustimmung zur Arbeit der CDU-geführten Regierung am größten – nur sieben Prozent sind unzufrieden. Die größte Ablehnung herrscht unter AfD-Anhängern: Hier geben aber immer noch 59 Prozent an, mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden oder sehr zufrieden zu sein.

Günther ist der bekannteste und am besten bewertete Politiker in Schleswig-Holstein

Laut NDR-Umfrage ist Ministerpräsident Daniel Günther mit Abstand der bekannteste und am besten bewertete Politiker in Schleswig-Holstein. 91 Prozent der Wahlberechtigten geben an, ihn zu kennen, 72 Prozent sind zufrieden mit seiner Arbeit. Auf Platz 2 folgt die grüne Finanzministerin Monika Heinold. 42 Prozent halten ihre Arbeit für gut.

SPD-Spitzenkandidat Thomas Losse-Müller ist aktuell nur gut einem Viertel der Wahlberechtigten überhaupt bekannt und wird von 16 Prozent positiv bewertet. Damit rangiert er noch hinter Lars Harms vom SSW. Selbst unter SPD-Anhängern ist die Zufriedenheit mit dem Konkurrenten Daniel Günther erheblich größer als mit dem eigenen Kandidaten. Dazu muss wissen, dass Losse-Müller kein Landtagsmandat hat, mit dem er sich profilieren könnte.

Genauso deutlich fällt das Ergebnis auf die Frage nach einer Direktwahl des Ministerpräsidenten oder der Ministerpräsidentin aus: Wäre das möglich, käme Günther auf 58 Prozent der Stimmen, Monika Heinold auf zwölf, Thomas Losse-Müller auf sieben.

Problem-Liste: Corona-Krise auf Platz eins

Die Bewältigung der Corona-Krise ist aus Sicht der Schleswig-Holsteiner die drängendste Aufgabe. Auf Platz 2 der Problem-Liste setzen die Befragten das Thema Mobilität und Verkehr, auf 3 folgt Bildung und Schule vor Umweltschutz und Klimawandel auf 4.

Für Daniel Günther ist die Umfrage eine Bestätigung des Jamaika-Bündnisses. „Das ist für die Landesregierung eine richtig gute Umfrage, es freut mich, dass unsere Arbeit von offenkundig ganz vielen Menschen für gut befunden wird. Das gibt eine Menge Rückenwind für den Wahlkampf“, sagte Günther. Mehrfach, zuletzt im großen Interview zum Neujahrsempfang des Hamburger Abendblatts, hatte er betont, die Koalition über den 8. Mai hinaus fortsetzen zu wollen. Günther sprach von einem „ermutigenden Signal“. Sein Ziel sei aber „deutlich mehr als die 28 Prozent der Umfrage. Da ist noch Luft nach oben.“ Für Karin Prien, stellvertretende Landesvorsitzende der CDU, zeigt die Umfrage auch, „dass die im Hinterzimmer ausgekungelte Strategie der SPD, einen ehemaligen Grünen zum Spitzenkandidaten zu machen, offenkundig völlig an den Wünschen der SPD-Basis vorbei geht.“

Für Günther ist die Umfrage eine Bestätigung des Jamaika-Bündnisses

Die grüne Landesvorsitzende Ann-Kathrin Tranziska kommentierte die Umfrage so: „Es wird ein enges und spannendes Rennen um die Staatskanzlei. Unsere politische Arbeit treffen bei den Wähler*innen auf große Zustimmung. Worauf es ankommt, zeigt die Umfrage deutlich: in der Corona-Pandemie konsequent zu handeln, für eine gute Qualität in den Kitas und Schulen zu sorgen, Tempo beim Klimaschutz zu machen und die Mobilitätsnetze klimaneutral auszubauen. “

Spitzenkandidat der FDP Schleswig-Holstein, Bernd Buchholz äußert sich wie folgt zur Umfrage: „Die Ausgangslage für die FDP drei Monate vor der Landtagwahl ist gut, aber wir wollen deutlich mehr. Man muss aber auch sagen, dass für die FDP zweistellige Umfragewerte vor Wahlen selten waren. Klar ist aber auch, dass wir unser Ziel noch nicht erreicht haben und dass wir das jetzt noch engagierter verfolgen müssen. Erfreulich sind die hohen Zustimmungswerte für Jamaika."

Es gebe keine Wechselstimmung im Land, ganz im Gegenteil: "Die Menschen im Land attestieren uns, dass wir unsere Arbeit gut machen. Und diese erfolgreiche Jamaika-Regierung wird im Wesentlichen auch von zwei FDP-Minister geprägt, die mit der Corona-Pandemie sowie Mobilität und Verkehr für zwei der wichtigsten Themen zuständig sind, die die Menschen im Land beschäftigen. Das zeigt, Schleswig-Holstein braucht die FDP, denn wir stehen für Freiheit und Verantwortung. Und das werden wir die kommenden drei Monate noch deutlicher in den Vordergrund stellen.“

Infratest dimap hatte vom 13. bis 18. Januar 1167 wahlberechtigte Schleswig-Holsteiner befragt.