Gastronomie

Zu wenig Personal: In Grömitz kellnert jetzt ein Roboter

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Restaurantchef Tim Bornewasser freut sich über seine neue Servicekraft, den Restaurantroboter Bella, im Hafenrestaurant Grömitz.

Restaurantchef Tim Bornewasser freut sich über seine neue Servicekraft, den Restaurantroboter Bella, im Hafenrestaurant Grömitz.

Foto: Sabine Schmidt

„Bella“ ist der erste Restaurantroboter Deutschlands. Wie die neue Servicekraft im Hafenrestaurant ankommt – und was sie kann.

Grömitz. Bella heißt die Neue. Sie ist seit vergangenem Freitag im Hafenrestaurant Grömitz im Einsatz und vermutlich Deutschlands erster Restaurantroboter. Sie muss Getränke und Speisen zu den Tischen tragen und dreckiges Geschirr abräumen.

Restaurantchef Tim Bornewasser hat den Roboter als Servicekraft nicht etwa als Rationalisierungsmaßnahme eingestellt, sondern um seine Angestellten von eher lästigen Arbeiten zu befreien. In Zeiten des Personalmangels eine Ergänzung, kein Ersatz für Menschen.

Restaurantroboter in Grömitz kommt bei den Gästen gut an

„Wir wollen die Servicekräfte entlasten“, sagt Tim Bornewasser. Der 32-Jährige führt das Familienrestaurant seit 2014 und hat lange nach Personal gesucht, um sein Team von 16 Mitarbeitern aufzustocken. Acht weitere Mitarbeiter könnte er immer noch gebrauchen. Nun hilft Bella. Sie ist so etwas wie ein Lastenesel, der das Tragen von Geschirr und Speisen abnimmt. Mit ihren Kulleraugen, der Nase und den spitzen Ohren, die an ein Kätzchen erinnern, verbreitet sie auf jeden Fall gute Stimmung. Bei ihrem Anblick muss man einfach lächeln, das Kindchenschema wirkt!

Und so reagieren die Gäste wohlwollend. „Der Roboter kommt richtig gut an“, berichtet Technik-Pionier Bornewasser. „Besonders für die Kinder ist der Roboter ein großer Spaß.“ Sie können Bella, genau BellaBot, streicheln. Bella hat Mimik und sie kann auch mal ein Geburtstagsständchen singen. Vor allem aber kann sie richtig mit anpacken und 40 Kilo tragen und zwischen Küche, Theke und Tischen hin- und her rollen.

Roboter "Bella" kann vier Tische gleichzeitig bedienen

Der Kontakt zu den Mitarbeitern geht dadurch nicht verloren. „Es sind die Menschen, die die Bestellung aufnehmen und die Teller und Getränke auf die Tische stellen. Der Roboter ist nur der Laufbursche“, so Bornewasser. Per App können die Restaurantbesucher Bella zu sich holen und den Tisch abräumen lassen. „Der Servicemitarbeiter kann sich mehr um den Gast kümmern, weil er nicht mehr ständig zur Küche rennen muss.“ Vier Tische gleichzeitig kann der Roboter bedienen. Für Gäste mit Zweifeln und die nichts mit dem Roboter zu tun haben wollen, gibt es einen Bereich ohne Roboterservice.

Knapp 20.000 Euro hat der Gastronom für den Roboter gezahlt. Eine Summe, die sich nach 120 Tagen amortisiert hat, so die Kalkulation. In der Gastronomie fehlen laut Tim Bornewasser in Deutschland mehr als 300.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Bewerbungen in der Gastronomie seien zudem generell um 16 Prozent, bei den Köchen sogar um 20 Prozent zurück gegangen. „Dieser Personalmangel wird sich voraussichtlich kurz- bis mittelfristig weiter verschärfen“, so Bornewasser. Da bringen die Service-Roboter Entlastung.

Gastronom in Grömitz will zweiten Serviceroboter "einstellen"

So funktioniert BellaBot: Der mit einer Künstlichen Intelligenz ausgestattete Serviceroboter ortet und navigiert mittels der optischen sowie Laser SLAM-Technik in den Räumen von Restaurants und erhält jeweils einen bestimmten Arbeitsbereich zugewiesen. Das heißt, die Küche belädt die BellaBots mit dem fertigen Essen und der Roboter bringt das Essen zu dem vorher angegebenen Tisch. Für das Abräumen haben die Servicemitarbeiter die Möglichkeit, den Roboter über einen Knopf an ihrem Arm oder per Sprachsteuerung zu rufen, das benutzte Geschirr aufzuladen und wieder in die Küche zurück bringen zu lassen.

Dies funktioniert natürlich auch mit Getränken, sei es in einer Bar oder in Restaurants. Mit der neu entwickelten Gestänge-Aufhängung in PKW-Qualität können die Roboter Unebenheiten überwinden, Stöße dämpfen und gleichmäßig rollen. Durch die patentierte Navigationstechnik und 3D Erkennung werden Zusammenstöße verhindert, der Roboter kann zudem in 0,2 Sekunden stoppen.

Der technikaffine Gastronom hat schon neue Pläne: Im Frühjahr soll es einen zweiten Serviceroboter und eine voll automatisierte Spülküche geben.