Schleswig-Holstein

Früherer Kammerrebell Bergmann kandidiert als Bürgermeister

Tobias Bergmann, früher Chef der Kammerrebellen und Ex-Präses der Handelskammer, will jetzt Oberbürgermeister in Neumünster werden.

Tobias Bergmann, früher Chef der Kammerrebellen und Ex-Präses der Handelskammer, will jetzt Oberbürgermeister in Neumünster werden.

Foto: Marcelo Hernandez

SPD Neumünster ernennt den früheren Chef der Kammerrebellen und Ex-Präses der Handelskammer zu ihrem Kandidaten.

Hamburg. Der ehemalige Handelskammer-Präses Tobias Bergmann will Oberbürgermeister in Neumünster werden. Der Kreisvorstand der SPD Neumünster hat den Sozialdemokraten am Donnerstag nominiert. Die endgültige Entscheidung soll auf einer SPD-Mitgliederversammlung am 1. Oktober fallen. Die Oberbürgermeisterwahl wird am 23. Mai kommenden Jahres stattfinden. Der Amtsinhaber Olaf Tauras (CDU, 52) tritt nicht erneut an.

Tobias Bergmann will Oberbürgermeister in Neumünster werden

Auf Twitter kommentiert Bergmann seine Nominierung mit: "Ich freue mich auf Neumünster." In Hamburg wurde Bergmann insbesondere durch seine Rolle als Chef der Kammerrebellen bekannt. Der Hamburger Unternehmensberater war Mitgründer des Bündnis „Die Kammer sind Wir!“ und wurde 2017 zum Präses der Handelskammer gewählt. Sein Wahlversprechen: Die Abschaffung der Zwangsbeiträge für die Handelskammer.

Bergmann ist schon vor längerer Zeit gefragt worden, ob er Interesse an einer Kandidatur habe. „Neumünsteraner, die mich aus der Kammer kannten, haben den Kontakt zur SPD Neumünster hergestellt“, sagte der 49-Jährige. Eine Findungskommission der SPD entschied sich dann für Bergmann. Er sieht in Neumünster „eine Stadt, die viel Potenzial hat“. Mit 79.000 Einwohnern ist sie die viertgrößte Stadt in Schleswig-Holstein.

Bergmann über seine kommunalpolitischen Erfahrungen

In seiner Bewerbungsrede vor dem SPD-Kreisvorstand betonte Bergmann seine kommunalpolitischen Erfahrungen. Er habe sein Berufsleben bei der Kommunalen Gemeinschaftsstelle in Köln begonnen. „Unsere Aufgabe war es, aus manchmal staubigen Rathäusern Bürgerzentren zu machen. Unsere Aufgabe war es, eine Organisationskultur zu schaffen, bei der die Menschen nicht als Bittsteller behandelt werden“, sagte er.

Später habe er als Chef einer Beratungsfirma viele kommunale Kunden gehabt. „Die meiste Zeit meines Berufsalltags habe ich in Rathäusern zwischen Frankfurt an der Oder und Düsseldorf verbracht“, sagte Bergmann, der derzeit als Freelancer für die Berliner Landesverwaltung tätig ist und dort die Digitalisierung vorantreiben soll.

Tobias Bergmann war 20 Monate Präses der Handelskammer

Seine Zeit als „Kammerrebell“ in Hamburg bezeichnete er als „etwas untypischen Ausflug“. Dabei habe es „Licht und Schatten“ gegeben. „Wir konnten unser Wahlziel, die Pflichtbeiträge abzuschaffen, nicht einlösen“, sagte er. „Auch deshalb bin ich nach knapp zwei Jahren von dem Amt zurückgetreten. Die Erfahrungen aus dieser Zeit haben mich vieles gelehrt. Auch dass ich zukünftig nur das verspreche, von dem ich weiß, dass es auch in meiner Möglichkeit ist, es umzusetzen.“

Geblieben seien ihm die „vielen guten, vielfältigen Verbindungen in die Hamburger und norddeutsche Wirtschaft“. Die wolle er „für eine gute und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung Neumünsters“ nutzen. Bergmann war im April 2017 zum Präses der Handelskammer gewählt worden und hatte das Amt im Dezember 2018 vorzeitig niedergelegt.

„Tobias Bergmann bringt das mit, was Neumünster braucht"

Bei der SPD kam seine Rede gut an. Die Kreisvorsitzende Kirsten Eickhoff-Weber sagte: „Tobias Bergmann bringt das mit, was Neumünster braucht. Er ist ein Profi, der die Stadtverwaltung führen und neue Impulse setzen kann. Tobias Bergmann ist Unternehmer mit einem festen sozialdemokratischen Fundament.“

Aber Bergmann hat auch einen festen Gestaltungswillen. Er wolle ein „politischer Oberbürgermeister“ sein, sagte er – und forderte damit gewissermaßen „Beinfreiheit“ ein.

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CDU und Grüne stellten Kandidaten bereits vor

Die CDU und die Grünen haben ihre Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters bereits im Juni vorgestellt. Bei den Grünen tritt Sven Radestock (50) an, der Chef der Grünen-Fraktion in der Neumünsteraner Ratsversammlung. Die CDU hat sich für Jutta Schlemmer (43) entschieden, Geschäftsführerin mehrerer Optikergeschäfte. Sie wird auch von der FDP und der Wählergemeinschaft Bündnis für Bürger (BfB) unterstützt.

Das Bündnis für Bürger begründete seine Entscheidung in einer Pressemitteilung so: „In den Vorgesprächen mit dem BfB-Kreisvorstand hinterließ Jutta Schlemmer den Eindruck der Bodenständigkeit, Bürgernähe und Zielstrebigkeit. Zudem ist sie eine Frau. Das gab es in Neumünster noch nicht.“

Gemeint war wohl, dass die Verwaltung der Stadt Neumünster noch nie von einer Frau geführt worden ist. Sie ist allerdings gewiss auch noch nie von einem ehemaligen Präses der Handelskammer Hamburg geführt worden. Viel Neues also in Neumünster.