Lübeck

Studentin gefesselt im Graben – Verdächtiger festgenommen

Der Verdächtige, der die junge Studentin gefesselt und geknebelt im Graben zurückgelassen haben soll, sitzt jetzt in der JVA Lübeck.

Der Verdächtige, der die junge Studentin gefesselt und geknebelt im Graben zurückgelassen haben soll, sitzt jetzt in der JVA Lübeck.

Foto: Dorothea Benedikt

DNA-Abgleich liefert Übereinstimmung. Bei dem 43 Jahre alten Tatverdächtigen könnte es sich um einen Serientäter handeln.

Lübeck. Ermittlungserfolg für die Lübecker Polizei: Nachdem Mitte Oktober eine junge Frau gefesselt und geknebelt in der Feldmark nahe einer Autobahn gefunden wurde, haben die Ermittler nun einen Verdächtigen festgenommen. Zudem besteht der Verdacht, dass die 20-Jährige nicht das einzige Opfer des Mannes ist. Die Polizei vermutet, dass der Tatverdächtige bereits Ende September ein junge Frau entführt hat, und dass es weitere Opfer geben könnte.

Bereits kurz nach der Tat am 12. Oktober hat die Polizei eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe mit dem Namen "Werft" gegründet. Das 20 Jahre alte Opfer war an dem Sonnabendmorgen gegen 8.30 Uhr nach einem Disco-Besuch von einem Autofahrer in einem Graben kurz vor der Autobahnzufahrt Mönkhagen (A 20) gefunden worden. Die Frau konnte sich zunächst an nichts mehr erinnern und hatte erhebliche Verletzungen im Gesicht.

Gefesselte Studentin in Lübeck: Grausige Erinnerungen kehren zurück

Doch in den nächsten Tagen kehrten die grausigen Erinnerungen zurück, wie Christian Braunwarth, Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft dem Abendblatt auf Anfrage mitteilt. Die Studentin erinnert sich daran, wie ein Mann sie in einen weißen Transporter zerrte und sie vergewaltigte.

Anschließend warf er die gefesselte Frau in einen Graben nahe der Segeberger Landstraße. Ein Autofahrer (62) fand sie dort zufällig. Denn der Mann war auf dem Weg zum Angeln an die Ostsee und musste kurz anhalten um seine Notdurft zu verrichten. Deswegen fuhr er etwas weiter in die Feldmark.

DNA-Spuren am Fundort passen zum Verdächtigen

Die Ermittler werteten zunächst Videoaufnahmen aus, die im Umfeld des Fundorts und der Disco entstanden sind. Zwei Tage sollen die Polizisten damit beschäftigt gewesen sein. Ferner wurden Zeugen befragt. "Ein Mann erinnerte sich dabei an einen weißen Transporter an der Katharinenstraße in der Nähe der Diskothek" sagt Braunwarth.

Eine weitere Spur zu dem mutmaßlichen Täter ergab sich auch nach einer Verkehrskontrolle, die an der Segeberger Landstraße am 16.Oktober und am 26.Oktober 2019 durchgeführt wurde.

Ins Visier der Ermittler geriet ein 43-jähriger Mann. Am Freitag (1. November) nahmen Kräfte des Zivilen Streifenkommandos (ZSK) ihn in den Morgenstunden nach einer Observation in der Nähe der Lübecker Lohmühle fest. Ein DNA-Abgleich lieferte eine Übereinstimmung. Sein genetischer Finderabgdruck stimmte mit dem Genmaterial an der Kleidung der Studentin und dem Knebel überein.

Verdächtiger sitzt in Lübeck in U-Haft

Auf Antrag der Lübecker Staatsanwaltschaft wurde der Mann dem Haftrichter vorgeführt. Der Verdächtige schweigt zu den Vorwürfen. Der Richter ordnete Untersuchungshaft an. Der Mann befindet sich nun in der Justizvollzugsanstalt Lübeck. Weitere Ermittlungen der Polizei lassen den Verdacht aufkommen, dass es sich bei dem 43-Jährigen um einen Serientäter handeln könnte. Denn es gibt Parallelen zu einem zweiten Fall im September 2019.

Am 26.September war gegen 5 Uhr eine 25 Jahre alte Lübeckerin auf dem Nachhauseweg von einer Feier auf der Wallhalbinsel nahe des Bahnweges/Katharinenstraße angegriffen worden. Der Täter zerrte die Frau in eine Kleingartenparzelle. Das Opfer konnte sich damals befreien und flüchten. Weil in diesem Fall keine Hinweise auf ein versuchtes Sexualdelikt vorlagen, wurde die Tat zunächst als Freiheitsberaubung gewertet.

Polizei sucht weitere mögliche Opfer

Über den Verdächtigen ist bislang bekannt, dass er aus der Türkei stammt. Obwohl er seit 2009 in Lübeck lebt, spricht er nur gebrochen Deutsch. Bei Durchsuchungen in seiner Wohnung und an seinem Arbeitsplatz stellten die Beamten am Freitag auch das mutmaßliche Tatfahrzeug, einen älteren weißen Lkw Ford-Transit mit Hochdach, sicher. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat der Verdächtige das Firmenfahrzeug in der Tatnacht besessen.

Weil die Polizei nicht ausschließen kann, dass es weitere Opfer gibt, bitten die Ermittler Frauen, die ebenfalls von einem Mann im Bereich der Wallhalbinsel und Marienbrücke, sowie der Katharinenstraße und am Bahnweg angegriffen oder gar sexuell belästigt wurden, sich zu melden. Hinweise nimmt die Ermittlungsgruppe "Werft" unter der Rufnummer 0451/ 13 10 entgeggen.