Ostsee

TNT im Fisch? – Naturschützer fordern Untersuchungen

Ein Fischer kehrt mit vollen Netzen in den Hafen zurück (Archivbild).

Ein Fischer kehrt mit vollen Netzen in den Hafen zurück (Archivbild).

Foto: picture alliance / dpa

In der vergangenen Woche wurden im Fehmarnbelt 42 Grundminen gesprengt. Der Nabu fürchtet Auswirkungen auf Meerestiere.

Neumünster. Nach den Munitionssprengungen von Nato und Bundeswehr im Fehmarnbelt droht jetzt nach Ansicht des Naturschutzbundes (Nabu) eine erhebliche Umweltbelastung durch „massive Freisetzung von TNT“ und weiteren giftigen Reaktionsprodukten. Die für den Verbraucherschutz zuständige Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) müsse jetzt sämtliche aus dem Fehmarnbelt angelandeten Fische vor dem Verkauf auf sprengstofftypische Verbindungen untersuchen, forderte der Nabu am Dienstag in Neumünster.

Vergangene Woche seien auf Veranlassung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck (WSA) und der Bundeswehr insgesamt 42 englische Grundminen im Fehmarnbelt durch einen Nato Minenjagdverband gesprengt worden, so der Nabu. Neben der direkten Gefährdung von Meerestieren wie den Schweinswalen drohe jetzt eine weitere massive Umweltbelastung durch freigesetzte Sprengstoffe.

Nabu fordert Untersuchung von Proben

Offizielle Untersuchungen zu Auswirkungen von Munition auf die Meeresumwelt hätten jüngst ergeben, dass Muscheln verschiedene TNT-Derivate aufnehmen und im Gewebe anreichern können. Fische, die in Munitionsversenkungsgebieten gefangen wurden, hätten sprengstofftypische Verbindungen und eine höhere Zahl an Tumoren aufgewiesen, hieß es.

„Die Justizministerin muss dafür sorgen, dass entsprechende Proben von einem einschlägig qualifizierten toxikologischen Institut untersucht werden und nur Meeresfrüchte in den Verkauf gelangen, die nicht durch den Sprengstoff kontaminiert wurden“, fordert Ingo Ludwichowski, Landesgeschäftsführer des Nabu Schleswig-Holstein. Auch dänische Behörden müssten gewarnt werden, weil der Sprengstoff durch Strömungen weiter verteilt werde.

Giftige Schwermetalle in der Munition

Die 42 gesprengten Minen enthielten laut Nabu insgesamt rund 21 Tonnen Sprengstoff (TNT). Hinzuzurechnen seien weitere zehn Tonnen durch die Schlagladungen der Minenräumgeräte. Unter Wasser setzten sich Sprengladungen durch den fehlenden Sauerstoff nicht vollständig zu harmlosen Substanzen wie Kohlendioxid und Stickstoff um.

Auch giftige Schwermetalle seien in der Munition enthalten. Eine naturverträgliche Alternative zu Sprengungen sei nur die Bergung von Altmunition mit anschließender Verbrennung in geeigneten Hochtemperaturöfen, so der Nabu.