Strecke Hamburg-Sylt

Keine Mitnahmegarantie: Bahn warnt vor überfüllten Zügen

Ein gewohntes Bild der vergangenen Tage: Auf den Bahnsteigen warten Menschen auf die Züge Richtung Sylt, die jedoch ausfallen.

Ein gewohntes Bild der vergangenen Tage: Auf den Bahnsteigen warten Menschen auf die Züge Richtung Sylt, die jedoch ausfallen.

Foto: imago images / Chris Emil Janßen

Nach einem Brückenschaden kommt es auf der Strecke Hamburg-Sylt zu Verspätungen und Ausfällen. Es gilt nun ein Ersatzfahrplan.

Hamburg. Die Pannenserie bei der Marschbahn reißt nicht ab. Zwar fahren wieder Züge zwischen Hamburg und Sylt, einige waren am Freitagvormittag aber so voll, dass die Bahn in zwei Fällen sogar keine Mitnahmegarantie geben konnte. Reisende wurden gebeten, auf spätere Verbindungen auszuweichen.

Die vollen Züge dürfte die Auswirkungen zahlreicher Zugausfälle sein. Wie berichtet, hatte ein Lastwagen eine Brücke gerammt und schwer beschädigt. Die Bahn geht davon aus, dass die Reparatur rund vier Wochen dauern wird. So lange müssen Bahnreisende mit Ausfällen auf der Strecke rechenen.

Um dennoch einigermaßen verlässliche Verbindungen anbieten zu können, gilt ab dem 5. Juli ein Ersatzfahrplan. Die Fahrt zwischen Westerland und Altona dauert seitdem eine Stunde länger. Die Verstärkerzüge zwischen Husum und Niebüll fallen gänzlich aus und sollen durch Busse ersetzt werden. Damit Reisende mehrere Reise-Alternativen haben, sind Fernzüge (IC) und Züge des Sylt Shuttle Plus (SSP) für Nahverkehrskunden freigegeben.

Loks mussten überprüft werden

Neben der beschädigten Brücke bereiteten auch die Lokomotiven des Herstellers Bombardier der Bahn Sorge. Bei Routinewartungen hätten sich der Deutschen Bahn "Fragen zum Verschleiß verbauter Isolierungen im Maschinenraum der Lok ergeben", teilte die Bahn am Donnerstagabend mit. Nach einer ersten Untersuchung konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. "Der sichere Betrieb der Dieselloks war und ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet", erklärte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis.

Spekulationen um krebserregendes Asbest in den Isolierungen der Marschbahn-Lokomotiven weist die Deutsche Bahn dabei zurück. "Die Isolierungen bestehen ausschließlich aus zugelassenen Materialien", sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis.

Befürchtungen, dass sich die Loks wegen der zusätzlichen Untersuchung am Freitagmorgen nicht rechtzeitig am geplanten Einsatzort befinden könnten, trafen laut Meyer-Lovis nicht zu. Es ist zwar zu Ausfällen auf der Strecke Hamburg-Sylt gekommen, allerdings sei eine Türstörung und der Brückenschaden der Grund dafür gewesen.

Im NDR sagte der Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministerium, Thilo Rohlfs: "Ich bin erleichtert, dass die Lokomotiven nicht stillgelegt werden." Die Hochsaison habe begonnen, sowohl Touristen als auch Pendler seien auf die Marschbahn zwingend angewiesen. "Immerhin wäre mit Sylt die größte deutsche Nordseeinsel betroffen."

Leistungsfähigkeit auf der Strecke halbiert

Dennoch bleibt das Problem mit der Brücke. Am Montag war in Langenfeld (Nordfriesland) ein Lastwagen mit einem Kranaufsatz an einer Brücke hängengeblieben und hat sieben Querträger beschädigt. Seither steht auf dem rund 20 Kilometer langen Abschnitt zwischen Bredstedt und Niebüll nur eines von ansonsten zwei Gleisen zur Verfügung.

Damit sinkt die Leistungsfähigkeit der Bahnverbindung zwischen Hamburg und Westerland deutlich. "Statt vier Zügen pro Stunde können dort nur noch zwei fahren“, sagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis dem Abendblatt.

Das führte in den vergangenen Tagen bereits zu erheblichen Einschränkungen mit Verspätungen und Zugausfällen. Auch am Donnerstag liefen auf dem Twitter-Kanal der DB Schleswig-Holstein entsprechende Störungsmeldungen nahezu im Stundentakt auf. Am Freitag setzte sich diese Serie fort.

"Fatale Folgen": Sylt-Tourismus in Sorge

Die vierwöchigen Bauarbeiten stellen aber nicht nur Pendler vor eine Geduldsprobe. "Das hat fatale Folgen für uns“, sagte Jutta Vielberg, Sprecherin des Sylt Marketings, über das Transportproblem zur Hochsaison. Denn die Probleme auf der Marschbahn könnten viele Touristen abschrecken.