Kiel

Prozess um Trakehnerhengst beginnt: Es geht um 380.000 Euro

Kaiser Milton, Siegerhengst des Trakehner Hengstmarktes 2017 in Neumünster

Kaiser Milton, Siegerhengst des Trakehner Hengstmarktes 2017 in Neumünster

Foto: dpa

Kurz nach seinem Sieg auf dem Trakehner Hengstmarkt in Neumünster war das Pferd lahm. Der Käufer hat bis heute nicht bezahlt.

Kiel/ Bad Bevensen. In der Geschichte des internationalen Trakehner Hengstmarktes in Neumünster streiten sich erstmals Käufer und Verkäufer eines angeblich kranken Siegerhengstes vor Gericht – es geht um 380.000 Euro. Am Landgericht Kiel hat am Donnerstag um 11 Uhr der Prozess begonnen. Der Versuch des Vorsitzenden Richters der 12. Zivilkammer, Ulf Müller, zum Prozessbeginn noch eine gütliche Einigung zwischen den Parteien zu erreichen, blieb erfolglos.

Ein solcher Streit ist in der Geschichte des Verbandes bisher einmalig. „Einen solchen Fall hatten wir noch nie, das ist natürlich nicht schön“, sagte Lars Gehrmann, Geschäftsführer des Trakehnerverbandes in Neumünster – auch mit Blick auf den bevorstehenden 56. Trakehner Hengstmarkt vom 18. bis 21. Oktober in den Holstenhallen in Neumünster. Die Veranstalter sprechen vom „weltweit größten Trakehner Event des Jahres“ mit Gästen aus mehr als 20 Ländern.

Im vergangenen Jahr erwarb ein Züchter aus Bad Bevensen (Niedersachsen) den zweieinhalbjährigen Hengst „Kaiser Milton“ auf dem Trakehner Hengstmarkt von einem niederländischen Züchter. Bereits beim Abladen in Niedersachsen soll der Hengst lahm gewesen sein. Tierärzte hätten einen Sehnenschaden attestiert, gab Gehrmann die Argumentation des Käufers wieder. Der Käufer hat bisher keinen Cent des Kaufpreises entrichtet, er will vor Gericht erreichen, den Hengst zurückgeben zu können.

Das Pferd wird vom Käufer in der Zucht eingesetzt

Dagegen klagt die Trakehner Gesellschaft mbH, die formal den Kauf vermittelt hat, auf Wunsch des Verkäufers aus den Niederlanden auf Bezahlung des Kaufpreises von 320.000 Euro. Hinzu kommen noch 60.000 Euro Steuern und weitere Kosten, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Der Verkäufer ist als sogenannter Nebenintervenient – Streithelfer – an dem Prozess beteiligt .

Der Anwalt des Verkäufers, Arnd Deters aus Schüttorf (Niedersachsen), sagte der Deutschen Presse-Agentur, sein Mandant hätte den Hengst zurückgenommen, wenn dieser tatsächlich krank gewesen wäre. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Vor der Auktion hätten der Auktionstierarzt sowie der Tierarzt des Käufers den Trakehnerhengst untersucht. Auch eine Nachuntersuchung des Auktionstierarztes habe keinen Befund ergeben, sagte der Anwalt und füge hinzu: „Mein Mandant lässt sich nicht veräppeln.“ Es gehe dem Käufer des Pferdes offensichtlich darum, den Kaufpreis im Nachhinein zu drücken.

Auf der Homepage seines Gestüts bietet der Käufer „Kaiser Milton“ unter dem Werbeslogan „Ein Hengst mit allen Möglichkeiten!“ für die Zucht an. Eine Portion Frischsamen kostet 900 Euro und Tiefkühlsamen 600 Euro. Der Anwalt des Verkäufers verwies darauf, dass „Kaiser Milton“ im vergangenen Monat in Schlieckau bei Uelzen (Niedersachsen) eine Hengstveranlagungsprüfung mit guten Noten absolvierte.