Schleswig-Holstein

Manchmal hilft nur der Sprung über die Leitplanke

Der Sprung über die Leitplanke kann für Straßenwärter lebensrettend sein

Der Sprung über die Leitplanke kann für Straßenwärter lebensrettend sein

Foto: Carsten Rehder / dpa

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr bietet allen 700 Straßenwärtern des Landes ein Sicherheitstraining an.

Rendsburg. In höchster Not hilft nur noch ein beherzter Sprung über die Leitplanke. Für Straßenwärter gehören gefährliche Arbeitsplätze zum Alltag. In Baustellen rauschen Autos und Lkw oft in kurzer Distanz an ihnen vorbei. „Ich habe in all den Jahren immer Glück gehabt“, sagt Dirk Kock. Und doch hört der 56-Jährige genau zu. Er absolviert mit knapp einem Dutzend anderer Straßenwärter aus Schleswig-Holstein in Rendsburg einen Sicherheits- und Gesundheitsparcours.

Alle 700 Straßenwärter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr sollen bis Ende kommenden Jahres das Sicherheitstraining absolviert haben. Denn immer wieder werden sie auch im Norden in Unfälle verwickelt. Ende vergangenen Jahres wurde ein Straßenwärter im Kreis Dithmarschen von einem Auto erfasst und tödlich verletzt, als er eine Unfallstelle auf der Autobahn 23 absichern wollte. Erst vor wenigen Wochen wurde ein weiterer an einer Baustelle durch einen Lkw-Auffahrunfall schwer verletzt.

"Einer muss auf den anderen aufpassen"

Wenn sie an Baustellen arbeiten, warnen die Straßenwärter einander vor nahenden Lastwagen. „Einer muss auf den anderen aufpassen“, sagt Kock. Der Kieler ist seit knapp 40 Jahren im Dienst. Zu seinem Revier bei der Straßenmeisterei Westerrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gehören zwar keine Autobahnen, aber mehrere Bundesstraßen, darunter ein vierspuriger Abschnitt der B77. Sein Team kümmert sich um etwa 100 Kilometer Straße und Radwege. Im Winter sitzt er bereits um 3.00 Uhr im Auto. „Ich schaue dann an bestimmten Punkten, ob es glatt ist und gestreut werden muss.“

Zum Kurs des Sicherheitstrainings in einer Halle der Deula gehören verschiedene Aufgaben. Kock rennt durch schwingende Reifen und muss dabei Aufgaben lösen. Er springt über einen gut einen Meter hohen Schwebebalken. Das ist vergleichbar mit einem Rettungssprung im Baustellenbereich über eine Absperrung. „Über Schutzplanken springen musste ich im Arbeitsalltag aber noch nicht.“

Den ganzen Tag draußen und immer andere Aufgaben

Nicht selten bekommen Kock und seine Kollegen Ärger von Auto- und Lkw-Fahrern über Baustellen und Wartezeiten zu spüren. „Je länger sie warten müssen, desto genervter sind die Leute.“ Manch einer wolle dann „irgendwann den Frust ablassen“. Die Straßenwärter seien die Ersten, die diesen zu spüren bekommen. Einer seiner Kollegen sei von einem Autofahrer mit dem Wagen sogar leicht angestoßen worden.

Trotzdem sagt Kock: „Ich mache den Job gerne.“ Der ist je nach Jahreszeit deutlich unterschiedlich. Im Frühjahr stehen Baumschnittarbeiten, im Sommer das Mähen an den Straßenrändern und die Ausbesserung von Asphaltschäden auf dem Programm. Im Herbst reinigen die Straßenwärter die Wege von Laub und Schmutz, im Winter streuen sie mit Sohle oder Salz. Kock schätzt vor allem eines: „Man ist den ganzen Tag draußen.“ Und ein Ende ist nicht abzusehen: „Es gibt kein fertig.“

Straßenwärter trainieren typische Situation

Doch der Job ist herausfordernd. Ziel des Trainings sei es, das Risikobewusstsein der Mitarbeiter zu erhöhen, sagt der Direktor des Landesbetriebs Torsten Conradt. Sie trainieren typische Situationen, die in ihrem Alltag wichtig sind wie das korrekte Einschätzen von Entfernungen und der Geschwindigkeit von herannahenden Fahrzeugen. Rund 210 000 Euro lässt sich die Behörde die Kurse kosten.

Ein weiteres Ziel ist der Gesundheitsschutz. „Denn das ist ein gefährlicher Knochenjob“, sagt Deula-Fahrlehrer Dieter Mumm. Er gibt den Straßenwärtern deshalb auch Tipps zum Schutz vor Rückenproblemen und den richtigen Umgang mit dem Gehörschutz mit auf den Weg. „Wir haben bis jetzt nur gute Rückmeldungen“, sagt Deula-Chef Klaus Drescher. Rund 150 Mitarbeiter haben das Training bereits absolviert.