Minderheitenprogramm

„Moin an gud dai“ - FriiskFunk sendet alles auf Friesisch

Maike Arfsten-Jürgensen, Kerrin Ketels und Heike Volkerts (von links) im Studio des „Friiskfunk“-Radiosenders.

Maike Arfsten-Jürgensen, Kerrin Ketels und Heike Volkerts (von links) im Studio des „Friiskfunk“-Radiosenders.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Ein kleiner Sender auf Föhr will das Friesische lebendig halten und verspricht sich viel vom Sprechen.

Alkersum.  Föhr-Touristen verstehen vermutlich nur Bahnhof, wenn sie morgens das lokale Radioprogramm anschalten: „Moin an gud dai. Jam hiar FriiskFunk ütj at Studio uun Aalkersem, herzlichen willkommen zu 2 Stunden , heute mit Heike.“ Heike Volkerts ist Redakteurin beim „FriiskFunks“, dem friesischen Radiosender Schleswig-Holsteins. Am 25. September 2010 ging er mit einer ersten Sendung „on Air“.

Am Anfang mussten die friesischen Radiomacher bei ihren Ortsterminen im Land oder bei Interviewanfragen regelmäßig erklären, was das denn für ein Sender sei, für den sie arbeiteten. „Mittlerweile hat sich das ganz gut etabliert“, sagt Volkerts.

Nur noch 10.000 friesische Native Speaker

Nordfriesisch gehört zu den Minderheitensprachen, die von der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützt werden. Es ist eine der am wenigsten verbreiteten Sprachen Europas. Rund 10 000 Menschen sprechen einen der gut zehn nordfriesischen Dialekte, schätzt der Friesenrat. Verstanden wird die Sprache von ungefähr doppelt so vielen. Und etwa 50 000 Menschen an der Westküste, den nordfrieschischen Inseln und Helgoland - also ungefähr ein Drittel der Bevölkerung der Region - fühlen sich nach Angaben der Landesregierung von ihrem Selbstverständnis oder ihrer Abstammung her als Friesen.

Volkerts ist ebenso wie ihre Kollegin Kerrin Ketels eine der Friesinnen, die ihre Sprache noch beherrschen. Radioerfahrung hatten beide nicht. „Wir sind da alle ganz blauäugig rangegangen“, sagt Volkerts. „Die einzige Kompetenz, die wir hatten, war, dass wir friesisch sprechen.“ Das Handwerk lernt Vokerts dann beim Offenenen Kanal, auch beim NDR hospitierte sie. Mittlerweile ist sie eine routinierte Radiomacherin. Die Redakteurinnen Vollkerts und Ketels sind gleichzeitig Moderatorinnen und produzieren Beiträge in Friesisch, Plattdeutsch und Hochdeutsch. Auch die Musik suchen sie selber aus - ebenfalls gerne mit friesischen oder niederdeutschen Texten. Aber: „Gehört werden wir wegen der Wortbeiträge“, sagt Volkerts.

Der Zufall machte sie zu Radio-Moderatoren

Volkerts ist fast seit Anfang an beim „FriiskFunk“ dabei. Zum Rundfunk kamen sie und Ketels eher durch Zufall. Vokerts hatte zuvor bei einer Bank gearbeitet, Ketels in einer Apotheke. „Bevor ich hier zugesagt habe, habe ich gedacht, „Radio? Nie und nimmer"“, sagt Volkerts. „Aber irgendwie war das auch reizvoll.“ Das war ungefähr ein halbes Jahr nach Start des „FriiskFunks“, als Volkerts Vorgängerin in Mutterschutz ging. Und Ketels hatte bei einer Sitzung im Radiorat eher im Scherz gesagt: „Als Nebenjob würde ich das wohl mal machen.“ Jetzt sind sie beide fest angestellte Redakteurinnen.

Gesendet wird montags bis freitags von 8 bis 10 Uhr live in friesischer Sprache. Am Nachmittag wird die Sendung wiederholt. Die Sendungen von Montag bis Donnerstag werden von den Föhrer Profis bestritten, freitags verlässt der „FriiskFunk“ die Insel. Dann wird die erste Stunde von Schülern aus Bredstedt produziert, die zweite Stunde von Friesisch-Studenten aus Kiel. Bis 2020 ist die Finanzierung des Senders gesichert.

Es geht voran - der Friesenrat will mehr

„Hauptsächlich berichten wir, was auf Föhr, Amrum, Sylt oder dem friesischen Festland passiert“, sagt Volkerts. „Aber wir gucken auch mal über die Region hinaus.“ Auf Föhr sprechen rund 2000 Menschen friesisch im Alltag, sagt Ketelsen. „Die Offenheit für die Sprache ist wieder da.“ Auch in der Inselstadt Wyk. „Früher wurde in Wyk friesisch als Bauernsprache abgetan“. Jetzt nicht mehr. Gehört werde der Sender nicht nur von dem Menschen, die friesisch noch sprechen, sondern auch von denen, die es nur verstehen.

Für den Friesenrat, der zu einem Drittel an der Finanzierung des Senders beteiligt ist, ist der „FriiskFunk“ eine tolle Sache, wie Geschäftsführer Frank Nickelsen sagt. Aber die Reichweite sei begrenzt. „Wir würden gerne mehr Leute bedienen.“ Zudem plädiert er für eine dauerhafte Lösung. „Wir würden uns wünschen, wenn es der Sender nicht immer nur als Projekt betrachtet würde.“

Nickelsen plädiert dafür, dass die friesische Sprache noch mehr Niederschlag auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk finden sollte - ähnlich wie das Sorbische. Der MDR in Sachsen und Brandenburg sendet täglich mehrere Stunden in der Sprache der nationalen Minderheit der Sorben. Auch gibt es Fernsehsendungen auf Sorbisch. Eine Sprache bleibe lebendig, wenn man sie hören könne, findet Nickelsen. Der Friesenrat verfolge daher hartnäckig das Ziel, die Sprache nicht nur im „FriiskFunk“ sondern auch darüber hinaus hörbar zu machen. „Wir möchten, dass noch mehr friesisch gehört wird.“