Betäubungsmittel

Drogenbilanz 2017: „Nur“ zehn Tote in Schleswig-Holstein

Eine Drogenabhängige zündet sich in einem Hauseingang eine Crack-Pfeife an.

Eine Drogenabhängige zündet sich in einem Hauseingang eine Crack-Pfeife an.

Foto: Boris Roessler / dpa

In Schleswig-Holstein starben 2017 deutlich weniger Menschen an Drogen als 2016. In Niedersachsen blieb die Zahl mit 60 Toten etwa konstant.

Kiel.  Die Zahl der Drogentoten ist in Schleswig-Holstein 2017 stark zurückgegangen. Laut den vorläufigen Zahlen vom 28. Dezember gab es zehn Drogenopfer, wie eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Dieser Wert liegt deutlich unter den Zahlen der vergangenen Jahre und stoppt den jahrelangen Trend der steigenden Zahlen.“ 2016 waren im Norden 46 Menschen nach Drogenkonsum gestorben.

Jegliche Aussage über die Gründe dieser Entwicklung wäre derzeit aber rein spekulativ, sagte die Sprecherin. Bislang gebe es noch keine Rückmeldungen der rechtsmedizinischen Abteilungen der Uni-Kliniken in Kiel, Lübeck und Hamburg. Sie sollen voraussichtlich im Januar vorliegen. Todesdroge Nummer eins sei erneut Heroin gewesen.

Süchtiger kocht Pflaster für einen Schuss aus

In einem Fall hatte ein langjähriger Abhängiger den Wirkstoff eines Fentanyl-Pflasters „ausgekocht“ und die daraus gewonnene Substanz injiziert. Es sei wahrscheinlich, dass der Mann letztendlich an einer Überdosis starb, berichtete die LKA-Sprecherin. Bei Fentanyl handele es sich um ein Betäubungsmittel mit hohem Suchtpotenzial, das noch stärker als Morphium sei.

In Niedersachsen stagniert die Zahl der Drogentoten

In Niedersachsen registrierte das Landeskriminalamt (LKA) bis zum Stichtag 30. November 60 Drogentote. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 59. Das größte Risiko gehe auch in Niedersachsen nach wie vor von Heroin aus, sagte eine LKA-Sprecherin. Vielfach werde die Droge auch in Kombination mit anderen Rauschgiften wie Kokain genommen. Betroffene sterben entweder direkt am Konsum der Substanzen oder an den damit einhergehenden Begleiterkrankungen.

Männer sind bei den Rauschgiftopfern in Niedersachsen weiterhin deutlich in der Überzahl. 2017 gab es bisher 53 männliche und 7 weibliche Drogentote. Das Durchschnittsalter der verstorbenen Rauschgiftkonsumenten lag ähnlich wie in den Vorjahren bei 39 Jahren. In Berlin ist die Zahl der Drogentoten dagegen deutlich gestiegen. Anfang November 2017 gab es in der Hauptstadt 146 Todesfälle, bei denen Drogengebrauch nachweislich die Ursache war. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 131 Drogentote. Das bedeute einen Anstieg um 11,4 Prozent,