Amtsgericht Kiel

60 Autounfälle provoziert: Prozess zum dritten Mal geplatzt

Ein 31-jähriger sollte am Montag wegen Betrugs vor dem Kieler Amtsgericht erscheinen – er entschuldigte sich wegen Depressionen.

Kiel.  Das Kieler Amtsgericht hat ein Verfahren um mutmaßlich fingierte Autounfälle und dreisten Versicherungsbetrug am Montag zum dritten Mal ausgesetzt. Die Richterin ordnete an, die Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten durch einen vom Gericht benannten psychiatrischen Sachverständigen zu überprüfen. Der 31-jährige Mann soll vier Jahre lang in Kiel Autounfälle provoziert und damit bei Versicherungen rund 100.000 Euro kassiert haben. Ab Montag muss er sich wegen Betrugs vor dem Kieler Amtsgericht verantworten. Anfang des Jahres war der Angeklagte zweimal nicht zum geplanten Prozessstart erschienen. Er ließ sich kurzfristig wegen einer Erkältung entschuldigen. Am Montag erschien er nicht vor Gericht , weil er unter Depressionen leidet.

Die Anklage legt dem 31-Jährigen dreisten Versicherungsbetrug zur Last. Von Juli 2010 bis Juli 2014 soll der Mann in Kiel und Schwentinental (Kreis Plön) günstige Verkehrssituationen und das Fahrverhalten anderer Autofahrer ausgenutzt haben und absichtlich in deren Wagen gefahren sein. Anschließend soll er sie wahrheitswidrig als Unfallverursacher beschuldigt und von deren Versicherungen Schadens- und Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 100.000 Euro eingestrichen haben. Für die Unfälle soll der Mann sein eigenes Fahrzeug oder Autos von Familienangehörigen und Bekannten genutzt haben.

Der Verteidiger wies darauf hin, dass die von der Staatsanwaltschaft genannten über 60 fingierten Unfälle unzutreffend seien. Es handele sich um über 30 Fälle, die als Versicherungsbetrug und zugleich als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr angeklagt seien.