Schleswig-Holstein

Oberbürgermeisterwahl: In Flensburg heißt es SSW gegen SPD

Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange ist die einzige Frau, die am Sonntag gegen den amtierenden Flensburger Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) antritt

Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange ist die einzige Frau, die am Sonntag gegen den amtierenden Flensburger Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) antritt

Foto: dpa

Im Land sind sie Partner, doch in Flensburg treten SSW-Vertreter Simon Faber und SPD-Kandidatin gegeneinander an.

Flensburg.  Das Rennen um die Rathausspitze in Flensburg nähert sich der Zielgeraden: Der von der Partei der dänischen Minderheit (SSW) unterstützte Amtsinhaber Simon Faber will seinen Posten verteidigen. Gleich drei Kandidaten fordern den 47-Jährigen am Sonntag aber heraus. Als eine aussichtsreiche Herausforderin gilt Simone Lange, die einzige Frau im Rennen.

Die 39-jährige SPD-Landtagsabgeordnete konnte im Wahlkampf auf eine äußerst breite Unterstützung von den Parteien SPD, Grünen und CDU bauen. Amtsinhaber Faber musste dagegen mit der Unterstützung des SSW auskommen. Ein so direktes Gegeneinander von SPD- und SSW-Bewerbern ist selten.

Partner in Kiel, Konkurrenten in Flensburg

Gerade in Flensburg galten die Verbindungen zwischen Sozialdemokratie und dänischer Minderheit lange als eng. So gab es nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Sozialdemokratischen Partei Flensburg (SPF) lange eine pro-dänische Abspaltung der Sozialdemokratie. „Aus Angst vor Überfremdung hatte sich die SPF gegründet, nachdem zahlreiche Flüchtlinge in die Stadt gekommen waren“, erklärt Klaus Kellmann von der Landeszentrale für politische Bildung in Kiel.

In der Stadt arbeitete die SPF bis zu ihrem Ende 1954 eng mit dem politischen Arm der dänischen Minderheit zusammen, auch SPD und SSW pflegten jahrzehntelang enge Verbindungen.

Die Stichwahlen zum Flensburger OB fochten seit Einführung der Direktwahl 1998 meist SPD- und CDU-Kandidaten untereinander aus. 2010 unterlag Elfi Heesch (CDU) Simon Faber. Auf Landesebene regieren zudem seit 2012 SPD, SSW und Grüne gemeinsam. Daher stellt sich Kellmann zufolge die Frage: „Ist die Wahl auch ein Signal für die Küstenkoalition?“

SSW wirbt mit Wirtschaftskompetenz

Vor dem ersten Wahlgang war davon bislang wenig zu spüren. SSW-Mann Faber und SPD-Frau Lange traten bewusst überparteilich auf: Der Oberbürgermeister wirbt mit der Kampagne „Faber wirkt“. In ihr verweist er vor allem auf eigene Erfolge, wozu etwa Tausende neue Arbeitsplätze und Wohnungen sowie Investitionen in Kitas und ein starker Anstieg dänischer Gäste in der Stadt zählten.

Die drittgrößte Stadt in Schleswig-Holstein sei für die Wirtschaft attraktiv, sagt Faber. Denn sie sei „überschaubar, ohne provinziell zu sein“, sagte er vergangene Woche dem „Handelsblatt“ anlässlich des „Prognos Zukunftsatlas 2016“. Die Studie sieht die Stadt an der Förde unter den Top-5-Aufsteigern in Sachen Wirtschaftskraft bundesweit.

So versucht Simone Lange zu punkten

Simone Lange wiederum hatte bereits zu Beginn des Wahlkampfs erklärt: „Die OB-Wahl ist und bleibt eine Personenwahl und hat mit Ideologien wenig zu tun.“ Die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin warb im Wahlkampf mit einem ausführlichen Programm, das Ideen aller drei Parteien SPD, CDU und Grüne enthält, für Veränderung.

Ebenfalls zu den Herausforderern zählt FDP-Stadtrat Kay Richert. Da die CDU keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat, schielt der 42-Jährige auf bürgerlich-konservative Wähler in der 85 000-Einwohner-Stadt. Zum Credo des Beamten in der Wehrverwaltug zählt: „Wirtschaft ist die Voraussetzung für Wohlergehen“. Auf seinen Plakaten prangt der Spruch „Mit Sicherheit der Beste“.

Der dritte Herausforderer ist der parteilose Optiker Jens Drews. Der politische Newcomer setzt ganz auf Bürgernähe. Vorantreiben möchte der 53-Jährige unter anderem die Sanierung der Schulen. Auch dabei gelte: „Ich möchte die Bürger bei den Entscheidungen einbinden“, sagt der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Flensburger Gilde.