Hauptbahnhof

Nach Neonazi-Aufmarsch: Massenschlägerei in Lübeck

Mehr als 50 Linke und Rechte lieferten sich am Hauptbahnhof eine Massenschlägerei. Zuvor trafen sie in Bad Oldesloe aufeinander.

Hamburg/Bad Oldesloe. Nach der Auflösung einer NPD-Demonstration in Bad Oldesloe waren am Sonnabend mehr als 50 Menschen aus der linken und rechten Szene am Lübecker Hauptbahnhof in eine Massenschlägerei verwickelt.

Nach Angaben der Polizei trafen gegen 17.45 Uhr etwa 25 Anhänger der linken Szene mit dem Regionalzug aus Richtung Bad Oldesloe am Hauptbahnhof ein. Eine Gruppe aus der rechten Szene wartete zu dem Zeitpunkt auf einen Zug Richtung Lüneburg. Plötzlich gingen die beiden Gruppen aufeinander los. Mehr als 100 Bundespolizisten mussten die rivalisierenden Lager voneinander trennen und sperrten den Bahnhof für andere Reisende.

Laut Polizei erlitt ein Beteiligter bei der Massenschlägerei eine schwere Kopfverletzung und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Mehrere Menschen wurden leicht verletzt. Gegen 18.20 Uhr gab die Polizei den Bahnhof wieder für den Verkehr frei.

90 Teilnehmer bei rechter Kundgebung

Am Sonnabend waren Hunderte Menschen in Bad Oldesloe gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Zu der Aktion „Bad Oldesloe ist bunt - und das ist gut so!“ hatte das Oldesloer Bündnis gegen Rechts aufgerufen, um gegen eine Veranstaltung der NPD zu demonstrieren. Rund 800 Menschen nahmen an der Demonstration teil, wie ein Polizeisprecher berichtete. Auch 200 Linksautonome versammelten sich. Zur NPD-Kundgebung kamen nach Polizeiangaben rund 90 Teilnehmer.

Die Beamten waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Gruppierungen voneinander zu trennen. Die Demonstrationen seien größtenteils friedlich verlaufen, hieß es. Es habe kurze Sitzblockaden und vereinzelte Flaschenwürfe gegen Polizisten gegeben. Zudem wurden einige Container in Brand gesteckt. Sechs Demonstranten - fünf aus dem linken Spektrum und einer aus dem rechten - wurden in Gewahrsam genommen, wie die Polizei mitteilte. Dabei habe eine Person, die sich dagegen gewehrt habe, leichte Verletzungen erlitten.

Polizei mit Hunden und Wasserwerfer im Einsatz

Die Teilnehmer der NPD-Versammlung waren nach Blockaden der Bahnstrecke erst mit Verspätung in Bad Oldesloe eingetroffen. Der NPD-Funktionär Mark Michael Proch aus Neumünster hatte die Veranstaltung unter dem Titel "Gemeinsam für Deutschland" für 13 Uhr angemeldet. Bei einer Kundgebung am Nachmittag hatte der schleswig-holsteinische NDP-Landeschef Ingo Stawitz gesprochen.

Bereits gegen Mittag hatte die Polizei vor dem Bahnhof Position bezogen. Auch ein Wasserwerfer war aufgefahren. Über Bad Oldesloe kreiste ein Hubschrauber. Der Vorplatz war mit Gittern abgesperrt.

Gegendemonstranten drängten sich immer wieder gegen die Gitter. Es gab Blockaden und Festnahmen. Eine Person erlitt eine Gehirnerschütterung. Die Demonstranten weigern sich den vorgesehenen Veranstaltungsort aufzusuchen. Ein Teilnehmer der Rechten-Demo bekam nach Informationen am Mittag einen Platzverweis, weil er den Hitlergruß gezeigt hatte. Zudem wurden einige Container in Brand gesteckt.

Brennende Reifen legen Bahnverkehr lahm

Brennende Reifen und Sitzblockaden hatten den Bahnverkehr rund um die schleswig-holsteinische Kleinstadt gegen Mittag lahmgelegt. Der Bahnhof Bad Oldesloe konnte zeitweilig nicht mehr angefahren werden.

Laut Polizei waren 30 Menschen auf den Gleisen. Beamte versuchten die Blockaden aufzulösen, so dass der Verkehr wieder rollt. Schon seit Tagen mobilisieren linke Gruppen über Soziale Medien wie Twitter und Facebook für gegen die Neonazi-Demo. Rund um den Bahnhof kam es zu Straßensperrungen. Außerdem war der Verkehr auf der Bundesstraße 208 im Oldesloer Zentrum teilweise zum Erliegen gekommen.