Schleswig-Holstein

Nach Insolvenz: Fünf Bieter für Flughafen Lübeck

Vorsichtiger Optimismus für die Zukunft des Flughafens Lübeck

Vorsichtiger Optimismus für die Zukunft des Flughafens Lübeck

Foto: Carsten Rehder/dpa

Insolvenzverwalter sieht Chancen für Neustart. Aber noch ist unklar, ob der Flughafen seinen 100. Geburtstag im Jahr 2017 erleben wird.

Lübeck.  Der Lübecker Flughafen steckt wieder einmal in Turbulenzen. Mit dem Chinesen Chen Yongquiang ist bereits der vierte Betreiber in zehn Jahren gescheitert. Zuvor hatten der neuseeländische Infrastrukturkonzern Infratil, die Hansestadt Lübeck und der deutschägyptische Geschäftsmann Mohamad Rady Amar versucht, den Flughafen auf Vordermann zu bringen. Aktuell verhandelt Insolvenzverwalter Klaus Pannen nach eigenen Angaben mit fünf Interessenten für den Airport. Auch wenn Pannen gute Chancen für einen Neubeginn sieht, stellt sich dennoch die Frage, ob der Flughafen seinen 100. Geburtstag im Jahr 2017 noch erleben wird.

Glauben Sie, dass der insolvente Flughafen Lübeck-Blankensee überlebt?

„Die Nachrichten des Insolvenzverwalters geben Anlass zu der Hoffnung, dass das klappt“, sagt der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft, Jan Lindenau. Schließlich wäre die Abwicklung für die Stadt die teuerste Variante, weil dann Fördergelder zurückgezahlt werden müssten, sagt Lindenau.

Auch sein Kollege von der CDU-Fraktion, Andreas Zander, ist sich sicher: „Der Flughafen wird seinen 100. und auch weitere runde Geburtstage erleben. Die Tatsache, dass es noch fünf Interessenten gibt, zeigt, dass Bedarf für den Flughafen gesehen wird“, sagt Zander. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) dagegen will sich zur Zukunft des Flughafens nicht äußern. „Das ist allein Sache des Insolvenzverwalters“, sagt er knapp.

Spätestens seit Sommer 2014 ist nicht mehr viel los am Lübecker Airport. Nur noch vier Ziele (Danzig, Riga, Kiew und Skopje) fliegt die ungarische Gesellschaft Wizz Air von Lübeck aus an. Weitere Verbindungen nach Sofia und Bukarest sind ab Frühsommer geplant. Die Zahl der Passagiere in Lübeck-Blankensee ist von knapp 700.000 im Jahr 2009 auf 169.000 im Jahr 2014 gesunken.

Dabei gab es einmal große Pläne für den Flughafen, der 1917 als „Kaiserliche Flugschule“ für das Militär eröffnet wurde. Der neuseeländische Infrastrukturkonzern Infratil, seit 2005 Mehrheitsgesellschafter des vormals städtischen Flughafens, wollte den Flughafen ausbauen, die irische Billigfluglinie Ryanair eine Basis mit Flügen zu europäischen Zielorten einrichten.

Der Ausbau scheiterte jedoch am Planfeststellungsverfahren und daran, dass Infratil 2009 ausstieg. Inzwischen gibt es zwar einen Planfeststellungs­beschluss, doch Anwohner und Naturschutzverbände haben dagegen geklagt. Das Verfahren liegt seit Jahren beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig.

Nach einem Bürgerentscheid im April 2010 übernahm die Stadt vorübergehend wieder den Betrieb. Ende 2012 verkaufte sie den defizitären Airport zu einem symbolischen Preis an Rady Amar. Als der nach nur anderthalb Jahren spurlos verschwand, musste der Flughafen zum ersten Mal Insolvenz anmelden.

Am 1. August 2014 übernahm der chinesische Geschäftsmann Chen Yonquiang den Flughafen. Seine Pläne: Er wollte chinesische Gesundheitstouristen und Flugschüler nach Lübeck holen. Daraus wurde nichts. Im September musste der Flughafen erneut Insolvenz anmelden.

Angesichts der Passagierzahlen stehe der Airport vor einer schwierigen Zukunft, sagt der Geschäftsführer des Allgäu Airports in Memmingen und Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Regionalen Flugplätze (IDRF), Ralf Schmid. „Ein Regionalflughafen kann erst ab einer Größenordnung von einer halben bis einer Million Passagieren im Jahr Geld verdienen“, sagt Ralf Schmid. Das funktioniere aber nur mithilfe der öffentlichen Hand. „Man kann von einem Privaten kaum erwarten, dass er die Infrastruktur für eine ganze Region vorhält und das Risiko allein trägt.“

Doch in Lübeck setzen die Kommunalpolitiker genau auf dieses Modell. „Wir haben nichts gegen den Flughafen an sich, er ist wichtig für den Tourismus und bietet auch Arbeitsplätze“, sagt der Vorsitzende der Grünen-Fraktion in der Bürgerschaft, Thorsten Fürter. „Aber wir wenden uns gegen die völlig überzogenen Ausbaupläne und gegen jede Subventionierung durch die Stadt“, sagt er.

Auch die anderen Bürgerschaftsparteien stehen auf dem Standpunkt, die hoch verschuldete Stadt Lübeck dürfe kein Geld mehr in den Flughafen stecken. Die regionale Verkehrsinfrastruktur sei Aufgabe des Landes, heißt es dazu. Das Land schließt jedoch eine Beteiligung kategorisch aus. „An unserer Auffassung, dass Hamburg der Flughafen für Schleswig-Holstein ist, hat sich nichts geändert“, sagt der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Harald Haase.