Gutachten aus Kiel

Schulen dürfen Handys nicht pauschal verbieten

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Handys dürfen an Schulen nicht pauschal verboten werden.

Handys dürfen an Schulen nicht pauschal verboten werden.

Foto: dpa

Mitführen der Geräte darf nicht verboten werden, sagen Experten. Piraten wollen im Kieler Landtag Beschluss gegen Verbot durchsetzen.

Kiel/Hamburg.  Ein pauschales Handyverbot an Schulen ist aus Expertensicht nicht zulässig. Ein generelles Verbot darf sich nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Landtags in Kiel nur auf die Benutzung beziehen, nicht aber auf das bloße Mitführen von Mobiltelefonen oder Tablets. Es gebe also keine Rechtsgrundlage für absolute Handy-Verbote an den Schulen, schlussfolgern die Piraten im Landtag. Die Schulen regeln den Umgang in ihrer Schulordnung. Nun wollen die Piraten in der Novembersitzung des Landtags von den Schulen Medienentwicklungspläne einfordern und einen Parlamentsbeschluss gegen Handy-Verbote durchsetzen.

Einem absoluten Verbot fehle bereits ein legitimes Ziel wie die Gewährung eines geordneten Schulbetriebs oder die Verhinderung von Missbrauch, heißt es in dem Gutachten, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Vielmehr gebe es gute Gründe, die ein Mitführen während der Schulzeit legitimieren: Kontaktaufnahme in Notfällen, Erreichbarkeit auf den Schulwegen, Informationen an die Eltern über Änderungen im Tagesablauf.

„Die Schulen müssen sich jetzt damit auseinandersetzen, wie sie mit den neuen Medien umgehen wollen“, sagte der Piraten-Bildungspolitiker Sven Krumbeck. „Nur mit Verboten die Augen zu verschließen, ist nicht zeitgemäß.“ Das meint auch der Landesschülersprecher der Gymnasien, Simon Becker. „Die Schulen sollten pädagogisch mit dem Thema umgehen statt einfach Handys zu verbieten.“ Natürlich müsse es auch Zeiten geben, in denen Handys an den Schulen keine Rolle spielen dürfen. Verbote reizten aber eher dazu, etwas doch zu tun, und veränderten das Denken der Schüler nicht.

Das Bildungsministerium zeichne Schulen mit besten Medienkonzepten aus, sagte Pirat Krumbeck. Dazu passe es nicht, neue Medien aus den Schulen herauszuhalten.

Das Rechtsgutachten stellt aber auch klar, im Unterricht verstehe sich ein Verbot einer nicht zu Unterrichtszwecken verwendeten Handynutzung von selbst. Der Schulbetrieb müsse störungsfrei bleiben. Deshalb könne auch gefordert werden, Handys während des Unterrichts ausgeschaltet im Klassenraum zu verwahren. Das bloße Mitführen dürfe nur in sehr engen Einzelfällen beschränkt werden, zum Beispiel bei Abschlussprüfungen. Ein Handy dorthin mitzunehmen, könne schon als Täuschungsversuch gewertet werden, auch wenn es ausgeschaltet ist. Ähnlich sei es bei Klassenarbeiten, Klausuren oder Tests.

Auch für Schulpausen könne eine Nutzung der Geräte auf Ausnahmefälle beschränkt werden, heißt es weiter. Grund: Die Pausen sollten für nichtvirtuelle Kommunikation sowie für eine ungestörte soziale und persönliche Entwicklung genutzt werden. Die Schüler sollten ins Gespräch kommen, um Kameradschaft zu pflegen oder auch Konflikte abzubauen.

( dpa )