Heavy-Metal-Festival

Polizei warnt Wacken-Besucher vor organisierten Diebesbanden

Festivalbesucher des Wacken Open Air Festivals gehen durch das Dorf Wacken (Archivbild)

Festivalbesucher des Wacken Open Air Festivals gehen durch das Dorf Wacken (Archivbild)

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

In der kommenden Woche fallen wieder Zehntausende Heavy-Metal-Fans in das Dorf Wacken ein. Bewohner und Polizei bereiten sich vor.

Wacken.  Schlamm, Matsch und viele laute Töne: 75.000 Fans warten seit einem Jahr auf den Beginn des weltweit größten Heavy-Metal-Festivals in Wacken (30. Juli bis 1. August). Auch die Bewohner bereiten sich schon Wochen vorher auf den Ansturm der Partygäste Ende Juli vor. Neben den Veranstaltern fiebern auch die Anwohner dem Festival entgegen.

„Das Festival ist ein Glücksfall für das ganze Dorf“, sagt der Bürgermeister der 1800-Seelen-Gemeinde, Axel Kunkel. Lediglich an den Festivaltagen im Sommer platzt das Dorf aus allen Nähten, ansonsten fehlt von Tourismus jede Spur. „Wir haben nur einen Gasthof, bei uns ist nicht viel los“, sagt Kunkel.

Im Umkreis von 80 Kilometern sind bereits Monate im Voraus alle Ferienwohnungen, Hotelzimmer und Camping-Plätze ausgebucht. Frei zugänglich ist der Zeltplatz, auf dem sich die Metal-Fans frei einrichten können. Dazu wurden sechs Kilometer Stromleitung verlegt, mehr als 1500 Toiletten aufgestellt und knapp 1000 Waschplätze und Duscheinheiten verlegt.

Nicht jeder will in Wacken auf Luxus verzichten

Doch nicht jeder Metal-Fan will in der letzten Woche im Juli auf Luxus verzichten. Wer Glück hat, konnte sich noch eine Kabine auf der „MS Wacken“ sichern. Mit 80 Schlafplätzen schippert das Schiff 3,5 Kilometer vom Festivalgelände entfernt im Nord-Ostsee-Kanal. Neben einem Frühstücksbuffet und einem Sonnendeck ist auch fließend Wasser im Preis inklusive - ein Luxus der den Fans in den Zeltlagern verwehrt bleibt.

Neben den Unterkünften profitieren vor allem die Supermärkte und Gastronomen, bei denen die Fans ihr Geld lassen. Auch als Wachpersonal, Ersthelfer oder als Schankhilfen sind zahlreiche Dorfbewohner beim Festival dabei. Viele Anwohner vermieten in den wenigen Tagen ihre Vorgärten an Firmen oder Unternehmen, die auf den kilometerlangen Weg zum Festivalgelände ihre Produkte anbieten. In nur einer Festivalwoche erwirtschafte das Dorf laut Kunkel etwa zehn Prozent des gesamten Jahresumsatzes - davon wollen natürlich auch die Nachbargemeinden profitieren.

75.000 Tickets nach zwölf Stunden ausverkauft

Das Festival hat die ganze Dorfgemeinde im Griff, sagt auch Bürgermeister Kunkel. 95 Prozent der Anwohner würden sich voll mit der Heavy-Metal-Woche identifizieren. Kinder liefern gegen einen kleinen Obolus den Metal-Fans im Handwagen die Utensilien zu den Zelten. Die Landjugend und selbst die Kirche spiele eine wichtige Rolle bei dem Heavy-Metal-Gelage, das bei Regen öfters in einem Schlammwettbewerb ausartet. Bereits zum dritten Mal in Folge findet in der evangelischen Gemeinde die „Metal Church“ statt, ein Gottesdienst mit ruhigen Akustik-Versionen der Schlammpartie.

Nach knapp zwölf Stunden waren die 75.000 Tickets verkauft, auch die Transportmöglichkeiten nach Wacken bei Itzehoe sind rar. Ob mit dem Flugzeug aus der ganzen Welt, einem eigenen Heavy-Metal-Zug aus Hamburg oder auch mit einem „Wackenbus“ aus Europa in das Dorf in Norddeutschland anreisen - die Straßen in das 1800-Seelen-Dorf sind meist schon in den Vortagen verstopft.

Mit der „Rockfahrzentrale“ nach Wacken

Nur wenige Minuten nachdem der Ticketkauf begonnen hatte, setzte auch ein Ansturm auf die Mitfahrzentralen ein und legte etwa bei der „Rockfahrzentrale“ den Server lahm, erinnert sich deren Geschäftsführer Robert Skiba. Die „Rockfahrzentrale“ startet mit 15 Bussen von mehr als 50 Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit einem landesweiten Taxidienst von Wacken ins 20 Kilometer entfernte Itzehoe oder bis zum Flughafen Hamburg - um lange Wartezeiten und Abzocke von Fahrgästen zu vermeiden - wird sogar 2015 erstmals eine Taxizentrale auf Zeit eingerichtet. Per App können sich die Fans ein Taxi zum Fixtarif direkt bis zum Festivalgelände bestellen.

Polizei warnt vor Diebesbanden

Auch die Polizei hat sich seit Monaten auf den Besucher-Ansturm vorbereitet. Uniformierte und zivile Beamte sollen auf dem Festival-Gelände und rund um Wacken für Sicherheit sorgen. Aber auch Mitarbeiter von Zoll, Bundespolizei, Lebensmittelkontrolle oder Jugendamt werden aufmerksam unterwegs sein, sowie Rettungsdienste, Ärzte und Freiwillige Feuerwehren.

Trotzdem mahnt die Polizei die Besucher von der Anreise bis zur Abreise auf sich selbst Acht zu geben und weist darauf hin, dass regelmäßig Verkehrs- und Drogenkontrollen durchgeführt werden. Sie warnt aber auch vor Zelt- und Taschendiebstählen. Teils seien die Beutezüge organisiert, Täter würden unter anderem aus Osteuropa anreisen.

„Sie haben vielfach ein leichtes Spiel und können im dichten Gedränge schnell an die Geldbörsen gelangen, die von vielen unvorsichtigerweise lose in der Tasche mitgeführt werden“, warnt die Polizei. „Ohne Mühe an Beute kommen die Diebe auch dann, wenn sie die mitunter über Stunden verwaisten Zelte der Festivalbesucher aufsuchen.“ Alle Besucher sollten deshalb Geld, Smartphones und sonstige Wertgegenstände mitnehmen, wenn Sie die Unterkünfte verlassen. Geld und wichtige Dokumente sollten in einem Brustbeutel oder in den vom Veranstalter des Wacken Festivals zur Verfügung gestellten Gürteltaschen getragen werden. Der Veranstalter bietet auch an Eigentum in einem Safe einzuschließen.