Heimerziehung

Schleswig-Holsteins Grüne fordern einen „Heim-TÜV“

Der Landtag diskutierte am Mittwoch über Versäumnisse im Friesenhif-Heim

Der Landtag diskutierte am Mittwoch über Versäumnisse im Friesenhif-Heim

Foto: Carsten Rehder / dpa

Der Kieler Landtag will die Jugendheim-Aufsicht in Schleswig-Holstein personell stärken und einen runden Tisch einrichten.

Kiel. Mit einem runden Tisch zum Thema Heimerziehung und einer Stärkung der Jugendheim-Aufsicht reagiert der Kieler Landtag auf die Missstände im mittlerweile geschlossenen Friesenhof im Kreis Dithmarschen. Mit den Stimmen der Regierungskoalition aus SPD, Grünen und SSW wurde am Donnerstag ein entsprechender Antrag verabschiedet.

Ralf Stegner, Fraktionschef der SPD, forderte insbesondere eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Jugendämtern, die die Kinder in den Heimen unterbringen, und den Ämtern, die dann vor Ort zuständig sind. „Die einweisenden Ämter sind teilweise mehrere Hundert Kilometer entfernt, die sollten den Kontakt mit den Kindern nicht nur über Telefon halten“, sagte er. Laut Antrag soll die Heimaufsicht sowohl personell als auch rechtlich gestärkt werden. Letzteres geht nur auf Bundesebene. Die Koalition will aber auch landesrechtliche Bestimmungen ändern, um eine angemessene Personalausstattung zu erreichen.

Außerdem soll eine Ombudsstelle geschaffen werden – also eine unabhängige Beschwerdemöglichkeit für Heiminsassen. Die Abgeordnete Marret Bohn (Grüne) forderte zudem, einen Heim-TÜV ins Leben zu rufen. Die Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) versprach: „Ich werde kein Handeln dulden, das den Schutz von Kindern schwächt.“

Die Opposition kritisierte den Antrag. „Die Ministerin hätte dies alles längst veranlassen können“, sagte die FDP-Abgeordnete Anita Klahn. Katja Rathje-Hoffmann (CDU) verwies auf mögliche Versäumnisse der Heimaufsicht im Landesjugendamt und sagte: „Frau Ministerin, räumen Sie endlich diesen Laden auf.“

Einen Versuch der Ehrenrettung der Friesenhof-Mitarbeiter unternahm der SPD-Abgeordnete Peter Eichstädt. „Es gab dort auch Erzieher, die einfach nur überfordert waren“, sagte er. Eichstädt sprach von Mädchen, die sich „Zuneigung durch Preisgabe ihres Körpers erkaufen“. Er wehre sich gegen eine „plumpe Kritik“ an der Arbeit des Friesenhofes.