Landwirtschaft

Diskussion um Schweinemast in Hoisdorf geht weiter

Landwirt Torsten Schmidt auf der Einweihung der neuen Schweinemastanlage

Landwirt Torsten Schmidt auf der Einweihung der neuen Schweinemastanlage

Foto: Ewelina Berger

Ein Ortstermin in einer neuen Anlage im Herzogtum Lauenburg gibt Aufschluss.

Hoisdorf/Stubben.  Es ist Dienstagmorgen. In der Dorfstraße am Ortsausgang der Gemeinde Stubben im Kreis Herzogtum Lauenburg versammeln sich nach und nach Besucher. Geladen hat die Gäste der Landwirt Torsten Schmidt. Er weiht dort seine neue Schweinemastanlage ein. Eine grün angestrichene Halle von 1800 Quadratmetern Fläche. 1440 Tiere sollen hier ab kommender Woche gemästet werden. Ähnlich viele Schweine, wie Jörg Elbers und Sohn Lutz in Hoisdorf halten möchten (wir berichteten).

Übernahme des elterlichen Betriebes

Die Geschichte des 30-Jährigen weist viele Ähnlichkeiten mit der der Familie Elbers auf. Schmidt hat den elterlichen Betrieb mit Schweinemast und Ackerbau vor sechs Jahren übernommen. Die Familie hält auf ihrer Hauskoppel bereits 1450 Schweine und noch weitere 300 mitten im Ort. Torsten Schmidt wollte schließlich erweitern. „Meine Eltern werden älter und können mir immer weniger helfen. Ich möchte deswegen Personal einstellen. Mit der bisherigen Anzahl der Schweine hätte ich die Zusatzkosten aber nicht stemmen können“, sagt der junge Bauer. Dass Lutz Elbers irgendwann auch erweitern könnte, treibt die Bürgerinitiative in Hoisdorf bereits um. Sie befürchtet, wie berichtet, eine zu starke Belastung durch Keime und Gülle.

Widerstand von der Dorfbevölkerung

Als Schmidt vor zwei Jahren mit der Planung für seine Betriebserweiterung anfing, hatte er ebenfalls erheblichen Widerstand von der Dorfbevölkerung der 380-Seelen-Gemeinde zu spüren bekommen. „Wir wollten zunächst einen Stall auf unserer Hauskoppel bauen. Das wurde von Bürgern und Gemeindevertretern abgelehnt, obwohl ich laut Gutachten dort hätte bauen können.“ Manche Politiker hätten das sogar zu ihrem Wahlkampfthema gemacht, sagt Schmidt. Es gab eine Bürgerversammlung, viele Gespräche. Tierhaltung und Geruchsbelästigung wurden diskutiert. „Manche konnte ich von meinem Vorhaben überzeugen, aber allen kann man es nie recht machen“, sagt der 30-Jährige.

Nun steht sein Stall 300 Meter vom Dorfkern entfernt. Darüber sei auch nicht jeder begeistert gewesen, sagt Schmidt. „Die Gemeinde konnte mir schließlich, nachdem ich alle Auflagen erfüllt hatte, den Bau nicht mehr versagen.“ Schmidt habe seinen Nachbarn im Ort zugesagt, die 300 Schweine in der Ortsmitte abzuschaffen. „Ich bin den Stubbern, soweit es ging, entgegen gekommen.“ Mittlerweile sei die Stimmung im Dorf auch besser. Doch der Ton sei trotzdem rauer geworden.

„Bauern müssen sich entfalten können“

Hans-Heinrich Möller ist zur Einweihung der Anlage gekommen, um sich selbst einen Eindruck von den Schweineställen zu verschaffen. Der 58 Jahre alte Lkw-Fahrer lebt seit 30 Jahren in Stubben. Er sagt: „Bauern müssen sich entfalten können, so wie andere Unternehmen auch. Aber ich kann auch die Sorgen der Bürger verstehen.“

Was im 13 Kilometer entfernten Stubben gelungen ist, hat in Hoisdorf indes zur Eskalation geführt. Nach der Morddrohung gegen Familie Elbers wird in der Politik über die weitere Planung diskutiert. Im Bauausschuss am Montagabend haben die Gemeindevertreter über die Zuwegung zu Elbers’ künftigem Betrieb beraten. Die Zuwegung war von Beginn an ein strittiger Punkt. CDU-Chef Wolfgang Andresen hatte Sorge, dass der landwirtschaftliche Verkehr unerlaubterweise über den dritten, nicht ausgebauten Teil der Zuwegung zum Wastenfelder Redder von Richtung Baumkaten kommen könnte. „Der Weg über den Sieker Berg ist ein Umweg“, argumentierte er zuvor. Bei etwaigen Schäden durch Schwerlasttransporter hätte dann die Gemeinde für die Sanierung aufkommen müssen.

Risiko erkannt

Dieses Risiko haben die Mitglieder des Bauausschusses ebenfalls erkannt. Diskutiert wurden im Gremium drei mögliche Varianten. „Wir könnten ein Verbotsschild aufstellen. Das ist aber erfahrungsgemäß die schlechteste Lösung, weil die Leute das ignorieren“, sagte Bürgermeister Dieter Schippmann. Von einer Fahrbahnverengung auf 2,50 Meter sahen die Politiker ebenfalls ab. Ambitionierte Lkw-Fahrer würden ihrer Ansicht nach trotzdem durchfahren. Ihr Beschluss: die Sperrung des Abschnitts. Mit einer Durchfahrtsbreite von 1,50 Meter soll der Weg künftig nur noch für Fußgänger und Radfahrer passierbar sein. (Ewelina Berger)