Eekholt/Rodenbek

Wolf in Schleswig-Holstein nur auf Stippvisite

Ein Wolf (Lupus lupus) in einem Tierpark

Ein Wolf (Lupus lupus) in einem Tierpark

Foto: dpa Picture-Alliance / Michael Hanschke / picture-alliance/ ZB

Der Wolf ist zurück in Deutschland. Das nördlichste Bundesland ist für das Wildtier bislang jedoch nur Transitland.

Eekholt/Rodenbek.  Der Wolf ist 15 Jahren nach seiner Rückkehr nach Deutschland in Schleswig-Holstein noch nicht wieder heimisch geworden. Bislang war er im nördlichsten Bundesland nur auf „Stippvisite“.

Seit der ersten Sichtung eines Wolfs im April 2007 bei Süsel wurden bislang 19 Tiere beziehungsweise ihre Spuren entdeckt. Zuletzt verursachte ein junger Rüde in einer Schafsherde im Kreis Rendsburg-Eckernförde ein „Blutbad“ - 52 Tiere starben dabei. Die Schafe und Lämmer seien ums Leben gekommen, weil sie nicht flüchten konnten, sagte Ute Kröger, stellvertretende Leiterin des Wolf-Zentrums Schleswig-Holstein. Daher sei der Jagdtrieb des Wolfes immer wieder neu ausgelöst worden. „Ein Wolf kann nicht zählen, er reagiert einfach, wenn er Beute machen kann. Das ist wie ein Reflex“, erklärte die Expertin.

Das „Überangebot“ von Beute auf einer Weide stelle für den Wolf eine unnatürliche Situation dar, sagte auch der Leiter des NABU-Wolfsbüros Markus Bathen. Eventuell töte ein Wolf mehr Tiere, als er sofort fressen kann, weil er auch Aas frisst – also später zu seiner Beute zurückkehrt.

„Bevor der Mensch den Wolf nahezu ausrottete, übernahm er als großer Beutegreifer eine wichtige Funktion im Ökosystem “, erklärte Bathen. Er hatte die Funktion der „Gesundheitspolizei“ des Waldes, da er häufig auch kranke und schwache Tiere töte und somit den Bestand seiner Beutetiere „gesund“ halte. „Beute und Beutegreifer haben sich in der Evolution in einem Wechselspiel entwickelt: Fehlt der Wolf, sind Ökosysteme ein deutliches Stück weniger vollständig.“

Menschen müssen nach Auffassung der Experten vor einem wildlebenden Wolf keine Angst haben. Der stellvertretende NABU-Vorsitzende Fritz Heydemann bezeichnete in einem offenen Brief die Warnung einiger Jäger, beim Waldspaziergang auf keinen Fall den Weg zu verlassen, als unseriösen Versuch, ohne jeden Realitätsbezug die Angst vor dem Wolf zu schüren und die alte Mär vom „Rotkäppchenfresser“ wiederzubeleben. „Zu Problemen kann es nur kommen, wenn Wölfe durch unbedachte Anfütterung an den Menschen gewöhnt und dann aufdringlich werden, wie es beim Jungtiertrupp vom Truppenübungsplatz Munster zu beobachten ist. Ein derartiges Verhalten darf jedoch nicht verallgemeinert werden.“

Wölfe zählen in der Europäischen Union (EU) zu den streng geschützten Tieren. In Deutschland wächst die Zahl freilebender Wölfe. Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin (IZW) schätzt, dass hier zurzeit 31 Rudel beziehungsweise Paare leben mit insgesamt mindestens 150 erwachsenen Tiere.

Zu den dauerhaft besiedelten Bundesländern gehören Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen. In Schleswig-Holstein und Thüringen sind einzelne Wölfe nachgewiesen worden. Seit dem Jahr 2000 wurden auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Bayern Wölfe gesichtet.

(dpa)