Katholische Kirche

Caritas schließt Kinderheim Sankt Franziskus auf Nordstrand

Foto: Ingo Röhrbein

Das Kinder- und Jugendhaus stand vor knapp zehn Jahren schon einmal vor dem Ende. Jetzt zieht die Kirche einen Schlußstrich - zu unrental. Derzeit leben 26 Kinder und Mütter in der Einrichtung.

Hamburg. Nach jahrelangem Hin und Her wird das Kinder- und Jugendhaus Sankt Franziskus auf Nordstrand nun doch wegen mangelnder Rentabilität geschlossen und abgerissen. Ein Termin für die Schließung der vom Caritasverband für Schleswig-Holstein betriebenen Einrichtung stehe noch nicht fest, teilten der katholische Wohlfahrtsverband und das Erzbistum Hamburg am Dienstag mit.

Das in den 1970er-Jahren errichtete Betriebsgebäude entspreche nicht mehr den Bauauflagen für ein Kinderheim, so das Erzbistum. Dieses hatte die Immobilie im September 2011 von der Kirchengemeinde Sankt Knud in Husum erworben. Eine Sanierung wäre nicht sinnvoll und ein Neubau nicht finanzierbar.

Für die Jugendlichen werden neue Unterkünfte gesucht

Die Diözese habe seit 2006 rund eine Million Euro in Erwerb und Erhalt investiert, hieß es. Aktuell belaufe sich der Investitionsbedarf auf mindestens 1,7 Millionen Euro. Caritas und Erzbistum wollten sich gemeinsam für eine neue Unterkunft der 26 Kinder und Mütter sowie für eine Perspektive der 29 Beschäftigten engagieren. In diese Überlegungen würden auch katholische Einrichtungen in Norddeutschland einbezogen. Der Kontakt mit den Jugendämtern sei bereits aufgenommen worden.

„Das Haus war über mehr als 100 Jahre ein wichtiger Ort für Kinder und für die katholische Kirche in Schleswig-Holstein“, bedauerte Diözesanadministrator Ansgar Thim die Schließung. Das 1891 eröffnete Haus war ursprünglich ein Krankenhaus, ab 1913 ein Kinderheim. 2007 übernahm der Caritasverband Schleswig-Holstein die Leitung der Einrichtung.

Caritas-Direktorin: kein zukunftsfähiges Konzept

„Für ein Kinder- und Jugendhaus auf Nordstrand lässt sich kein zukunftsfähiges Konzept entwickeln“, sagte Caritas-Direktorin Angelika Berger. Wegen der im Kreis Nordfriesland vorhandenen Kapazitäten an Betreuungsplätzen gebe es für eine Einrichtung dieser Größe hier keinen Bedarf mehr.

Bereits 2006 gab es Auseinandersetzungen um die Einrichtung, in der Kinder aus sozial schwachen Familien betreut werden. Damals wurde sie von der Caritas übernommen. Als 2010 der Fortbestand des Hauses wegen Streitigkeiten zwischen dem Caritasverband und der Husumer Kirchengemeinde in Gefahr war, erklärte Erzbischof Werner Thissen, die Bistumsverwaltung werde alles tun, um es zu erhalten. Im September 2011 erwarb das Erzbistum die Immobilie.