Wattenmeer

23 Kinder bei Föhr von Sandbank aus der Nordsee gerettet

Ein junger Mann auf einer Fähre entdeckte die gestrandeten Kinder sowie zwei Betreuer in der Ferne nahe Wyk und alarmierte die Rettungskräfte. Die Gruppe war offenbar von der Flut überrascht worden.

Föhr. Es sollte ein fröhlicher Ausflug ins Watt werden, und endete mit einem Großeinsatz. Eine Gruppe Kinder aus Süddeutschland ist vor der nordfriesischen Insel Föhr von der Flut überrascht worden. Die 23 Jungen und Mädchen waren am Sonnabendabend mit ihren beiden Betreuern vom Ort Wyk aus zu einer Wanderung aufgebrochen. Offenbar wollten sie zu einer Sandbank, die von Land gut sichtbar war. Dort standen sie, als ein Passagier auf einer vorbeifahrenden Fähre eine Person im Watt entdeckte und die Rettungskräfte alarmierte. Feuerwehr, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRGS) und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) rückten aus und brachten die Kinder zurück auf die Insel.

Der 19-jährige Max aus Stuttgart hatte die Kindergruppe im Watt entdeckt. Der junge Mann, der in der Schutzstation Wattenmeer auf Amrum seinen Freiwilligendienst leistet, war auf einem Fahrgastschiff von Dagebüll zu seinem Einsatzort unterwegs. „Ich habe am Fenster gesessen und rausgeguckt“, sagte er am Tag danach dem Abendblatt. Etwa drei Kilometer vom Festland entfernt sei ihm im Nebel eine Person aufgefallen. „Der normale Menschenverstand sagt einem schon, dass man in so einer Situation nicht ins Watt hinausgeht. Schon gar nicht, wenn es dunkel wird“, sagt Max. Er informierte seine Kollegen in der Schutzstation auf Föhr. Nachdem diese vom Strand aus nichts erkennen konnten, alarmierten sie die Rettungsleitzentrale. Im Nachhinein sagte Max: „Es ist erschreckend, dass kein anderer Passagier auf der Fähre reagiert hat.“

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger koordinierte die Suche nach den Kindern vom Wasser aus. „Wir waren mit mehreren Schiffen unterwegs und in ständigem Kontakt mit der Feuerwehr auf der Insel“, sagte Sprecher Christian Stipeldey. Die Kinder und die beiden Erwachsenen seien schließlich in Inselnähe an der Markierung „Tonne 32“ entdeckt worden.

„Die Situation war gefährlich“, sagte Kai Sönnichsen, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wyk. „Wir sind um 19.51 Uhr mit der Nachricht ‚Personen im Watt‘ von dem Notfall informiert worden. Es war diesig, es wurde dunkel und wir hatten auflaufendes Wasser.“ Man habe die Kinder von Land aus auf der Sandbank winken sehen. Die Gruppe hätte sich in der Nähe einer Fahrrinne aufgehalten. Die Retter seien mit einem Feuerwehrboot zu der Gruppe rausgefahren. Die Kinder hätten aber schließlich zu Fuß durchs Watt zur Insel zurückgeführt werden können.

„Kinder und Betreuer befanden sich in einer heiklen Lage“, sagte Sönnichsen. „Das Wasser kam von allen Seiten.“ Auch das Fahrgast-Schiff „Hauke Haien“ war im Einsatz. Zunächst war vermutet worden, dass zwei Kinder als vermisst galten. Nach kurzer Zeit konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. Laut Sprecher der Regional-Leitstelle Nord verläuft in der Nähe der Sandbank ein großer Priel. Priele sind Wasserläufe im Watt, durch die bei Ebbe das Wasser in die Nordsee abfließt und bei Flut wieder hereinströmt. Nicht selten unterschätzen Unkundige die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Hochwasser war bei Föhr in der Nacht zu Sonntag um kurz vor 1 Uhr.

Das Team der Freiwilligen Feuerwehr Wyk übergab Kinder und Betreuer an Land dem alarmierten Rettungsdienst. „Alle waren wohlauf und gesund“, so Sönnichsen. Nach Informationen des Feuerwehrchefs waren die Kinder erst am Sonnabend auf Föhr angekommen und wohnen auf der Insel in einem Jugendhotel in Wyk. „Die Kinder haben die Gefahr nicht gesehen und sind ins Watt gelaufen.“ Die Betreuer hätten unverantwortlich gehandelt, sagte Sönnichsen. In der Unterkunft war am Sonntag niemand zu erreichen. Es handelt sich um ein ehemaliges Schullandheim in Wyk, das 2008 von einem Anbieter von Jugendreisen übernommen worden war. Angeboten werden auch Gruppenreisen etwa für Schulklassen.

Erst im März hatten Feuerwehrleute vor der Küste bei Dagebüll im Kreis Nordfriesland eine Spaziergängerin aus dem Watt gerettet. Die 43-jährige Frau war im Watt spazieren gegangen und dabei im Schlick stecken geblieben. Trotz eines schlechten Netzempfangs schaffte sie es noch, einen Notruf mit dem Handy abzusetzen. Am Neujahrsmorgen 2014 war ein Touristen aus Bonn bei einer Wattwanderung vor St. Peter-Ording ums Leben gekommen. Mit seiner Frau hatte er versucht, einen Priel zu durchschwimmen. Das schaffte nur die Frau. Mehrere Stunden lang hatten Rettungskräfte mit Hundestaffeln und einem Hubschrauber den 49-Jährigen gesucht. Am Neujahrsabend entdeckte die Hubschrauberbesatzung den Toten auf einer Sandbank.