Luftfahrt

Insolvenzantrag und Not-Geschäftsführer für Airport Lübeck

Der Hamburger Anwalt Prof. Klaus Pannen wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Beschäftigten haben noch keinen Lohn erhalten, er sollte eigentlich schon am 15. April ausgezahlt werden.

Lübeck. Gegen die Betreiberfirma des Lübecker Flughafens Blankensee ist am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt worden. Das bestätigte Ingo Socha, der stellvertretende Pressesprecher des Amtsgerichts Lübeck. „Das Amtsgericht hat um 11.45 Uhr die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Yasmina Flughafenmanagement GmbH angeordnet“, sagte Socha dem Hamburger Abendblatt. Diese vorläufige Regelung gilt bis zur eigentlichen Entscheidung des Gerichts über den Insolvenzantrag. Zugleich hat das Registergericht Lübeck einen neuen Not-Geschäftsführer installiert. Es ist Siegmar Weegen, der den Flughafen von Oktober 2013 bis Ende März geleitet hatte und zugleich die Insolvenz beantragt hat.

Nach Informationen der Lübecker Nachrichten wurde der Hamburger Anwalt Professor Klaus Pannen zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Am Lübecker Flughafen geht das Bangen um den Fortbestand des Unternehmens weiter. Die 100 Beschäftigten haben immer noch keinen Lohn erhalten, er sollte eigentlich schon am 15. April ausgezahlt werden. Weder der alte Besitzer des Flughafens, Mohamad Radyamar noch der neue, Adam Wagner, sind auffindbar. Auch bei den Stadtwerken München hat man mittlerweile Klärungsbedarf.

Dort hat die ehemalige Radyamar-Firma 3Y Logistic und Projektmanagement GmbH den Auftrag, im Isarwerk 3 eine Turbine abzubauen. Doch Radyamar hat die 3Y ebenso wie die Lübecker Tochterfirma Yasmina Flughafenmanagement GmbH an Adam Wagner verkauft. Bettina Hess, Sprecherin der Stadtwerke München, sagt: „Wir prüfen gerade, welche Auswirkungen das für uns hat.“ Aus Mieten und Pachten schulde die Flughafenbetriebsgesellschaft Yasmina der Stadt etwa 189.000 Euro.

In Lübeck gab es am Dienstag keine neuen Erkenntnisse über den mysteriösen Herrn Wagner. Unklar blieb, ob sich die Stadtverwaltung überhaupt um Informationen bemüht hat. Bei einem hinter verschlossenen Türen stattgefundenen Treffen der Fraktionsvorsitzenden mit Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) am vergangenen Mittwoch hat der Verwaltungschef offenbar kein gutes Bild abgegeben. Ein Besitzerwechsel sei kein Grund zur Beunruhigung, soll er nach Informationen des Hamburger Abendblatts gesagt haben.

Die Tatsache, dass weder der neue noch der alte Eigentümer telefonisch erreichbar seien, ließe sich auch damit erklären, dass die beiden Flughafenchefs in den Osterurlaub geflogen seien. „Ich bin nicht zufrieden mit den Auskünften, die wir bekommen haben“, sagte hinterher Andreas Zander, CDU-Fraktionschef in der Lübecker Bürgerschaft. Bis zu einer für den 29. April anberaumten Sondersitzung des Hauptausschusses soll Saxe nun mehr Wissen zusammentragen.

Er glaube, dass in dieser Situation in einem Insolvenzverfahren auch ein Stück Hoffnung sein könne, sagte Sax. In den kommenden Wochen muss nun der vorläufige Insolvenzverwalter prüfen, ob und wie der Flugbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Saxe hatte zuvor das Verhalten der Flughafeneigentümer kritisiert, die nicht zu erreichen sind. „Es ist unverantwortlich von den Eigentümern und dem eigentlichen Geschäftsführer, das Unternehmen drei, fast vier Wochen alleingelassen zu haben.“ Mit Weegen habe jetzt wieder jemand die Führung übernommen, der das Unternehmen kenne und wisse, was zu tun ist. „Das beendet die Krise nicht, aber gibt Handlungsfähigkeit zurück.“

Auch die Beschäftigten des Flughafens meldeten sich zu Wort. „Damit der Luftfahrtstandort Lübeck auch zukünftig gesichert ist, bittet der Airport Lübeck das Land Schleswig-Holstein um Unterstützung bei der Lösung der aktuellen Situation“, heißt es in einem offenen Brief. „Insbesondere im Hinblick auf die Kapazitäten des Hamburg Airports ist es wichtig, dass der Lübecker Flughafen als dritte Start- und Landebahn in der Metropolregion Hamburg zur Verfügung steht.“

Beim Hamburger Flughafen sieht man das etwas anders. „Wir brauchen den Lübecker Flughafen nicht“, sagt Matthias Quaritsch, der Chef der Unternehmenskommunikation. Auch das Land Schleswig-Holstein will nicht helfen. In Kiel verweist man auf den Koalitionsvertrag, der seit 2012 von SPD, Grünen und SSW getragenen Regierung. In der Vereinbarung heißt es: „Das Land wird sich am Betrieb von Flughäfen nicht beteiligen.“

Dass Lübeck den Flughafen wieder in Eigenregie führt, ist unwahrscheinlich. „Ich sehe keine Möglichkeit, dass die Stadt den Flughafen wieder betreibt“, sagte Saxe. Und auch das Land würde nicht helfen. Es gebe keine rechtliche Verpflichtung, den Betrieb zu übernehmen, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Er verwies zudem auf den Koalitionsvertrag. Dort heißt es deutlich: „Der Verkehrsflughafen für Schleswig-Holstein ist Hamburg. (...) Das Land wird sich am Betrieb von Flughäfen nicht beteiligen.“ Gemachte Förderzusagen würden zwar eingehalten, in Zukunft aber „keine Investition in Flughäfen und Verkehrslandeplätze seitens des Landes gefördert“.

Ob jetzt einer der beim Flughafenverkauf Ende 2012 unterlegenen Bieter zum Zuge kommen könnte, ist ungewiss. In einem Interview der „Lübecker Nachrichten“ (Mittwochausgabe) sagte Saxe, da die Stadt nicht Eigentümerin des Flughafens sei, sei er dafür nicht der richtige Ansprechpartner.