Porträt

Rücktrittsgerüchte: Wie tickt Christian von Boetticher?

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André Klohn

Ein amouröser Höhenflug mit einer 16-Jährigen kostet von Boetticher jetzt möglicherweise nicht nur die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl.

Kiel. Nach Spekulationen über sein Privatleben ist Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Christian von Boetticher parteiintern unter erheblichen Druck geraten. Am Sonntagabend (18.00 Uhr) will der 40-Jährige dem geschäftsführenden Landesvorstand eine persönliche Erklärung abgeben. In Kiel wird deshalb über den bevorstehenden Rücktritt des Christdemokraten diskutiert.

Für die Union kommt die Affäre neun Monate vor der Landtagswahl im Mai 2012 zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst Anfang Mai hatte ein Parteitag in Norderstedt den Fraktions- und Landeschef als Spitzenkandidat vor nominiert. Offiziell sollte er Anfang November auf Listenplatz eins gewählt werden.

Boetticher gilt seit langem als Kronprinz von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Er war aber bereits vor der Affäre in Teilen der Nord-CDU umstritten. Kritiker werfen ihm mangelnde Kommunikation und Führungsschwäche vor. Boetticher trat im September vergangenen Jahres bereits als Parteichef die Nachfolge von Carstensen an.

Boetticher beschreibt sich als bodenständig

"Wenn man gradlinig sein will, hat man Ecken und Kanten“, sagt Boetticher. Er beschreibt sich selbst als „ausgeglichen, interessiert, bodenständig“. In seiner Freizeit geht der Sylt-Fan laufen und spielt Klavier. Zwar im niedersächsischen Hannover geboren, verbrachte der Christdemokrat aber den Großteil seiner Kindheit und Jugend in Appen (Kreis Pinneberg) nordwestlich von Hamburg.

Bereits mit 15 Jahren war Boetticher Mitglied in der Schülerunion. Mit 18 trat er der CDU bei und stieg über Orts- und Kreis- bis in den Landesvorstand auf.

„Wir sind gut miteinander befreundet“, sagte Carstensen einst über seinen Kronprinzen. Der Nordfriese galt lange Zeit als Förderer Boettichers. Carstensen holte den damaligen Europaabgeordneten 2005 nach Kiel und machte ihn in der großen Koaltion zum Landwirtschaftsminister. Seit der Landtagswahl 2009 ist der an Heilig Abend geborene Boetticher Fraktionschef.

Carstensen rückt von Boetticher ab

Mittlerweile ist der 64 Jahre alte Carstensen aber offenbar von Boetticher abgerückt. Seiner Ansicht nach haben die aktuellen Vorgänge um den 40-Jährigen „mehr als eine rechtliche Dimension“. Seinem Nachfolger als CDU-Landeschef empfahl Carstensen, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der blonde Hüne Boetticher studierte in Kiel und Hamburg Jura. In der Hansestadt promovierte er 2001 in Verfassungsrecht. Thema seiner Doktorarbeit: „Parlamentsverwaltung und parlamentarische Kontrolle“. Seit 2002 ist er als Rechtsanwalt zugelassen und gehört einer Pinneberger Sozietät an.

Der unverheiratete Pinneberger ist seit 2002 Ehrenritter im Johanniter-Orden und Mitglied der schlagenden Studentenverbindung Slesvico-Holsatia in Kiel.