Landwirtschaft

Spargel aus Wedel lässt noch auf sich warten

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Frederik Büll
Der Wedeler Spargelhof-Inhaber Harm Schmietendorf (51) mit einer Kiste geerntetem Spargel. Im Hintergrund schauen sich Erntehelfer die Lage an den Dämmen an. Die Tunnel speichern Wärme wie in einem Gewächshaus.

Der Wedeler Spargelhof-Inhaber Harm Schmietendorf (51) mit einer Kiste geerntetem Spargel. Im Hintergrund schauen sich Erntehelfer die Lage an den Dämmen an. Die Tunnel speichern Wärme wie in einem Gewächshaus.

Foto: Frederik Büll

Während andernorts der Start der Saison gefeiert wird, dauert es bei Harm Schmietendorf noch. Was es schon gibt.

Wedel. Jetzt mal Hand aufs Herz: Kann Hofbesitzer Harm Schmietendorf wirklich jederzeit Spargel essen oder hängt ihm das Sprossengemüse schon aus den Ohren heraus? Immerhin führt der Mann seit 1996 den Obst- und Spargelhof Schmietendorf an der Wedeler Voßhörntwiete. „Nein. Wir essen wirklich oft Spargel, in allen Variationen. Auch weil die Zubereitung von Spargel echt schnell geht“, sagt der 51 Jahre alte Landwirt. Am liebsten ist ihm die klassische Variante – mit Holsteiner Katenschinken, neuen Kartoffeln und Sauce Hollandaise. Oder einfach etwas Butter dazu.

Wedel: Die Probleme eines Spargelbauern

Die Saison hat auf dem größten Spargelhof im Kreis Pinneberg begonnen – aber eben doch noch nicht so richtig. „Aktuell fehlen noch so zwei, drei richtig warme Tage am Stück. Momentan ernten wir vielleicht 50 Kilogramm Rohware am Tag. Bei einer guten Ernte sind es mehr als eine Tonne täglich“, erklärt der Spargel-Experte, dessen Familie sich in zweiter Generation einem der Lieblingsessen der Norddeutschen verschrieben hat. Jeder isst statistisch gesehen 1,5 Kilo im Jahr.

Die Rohware auf den 19 Hektar Anbaufläche wird noch auf eine möglichst einheitliche Größe gebracht und teilweise geschält. Dadurch verringert sich das Gewicht. Zudem lässt sich Spargel, der nicht der Idealvorstellung der Käufer entspricht, schlechter veräußern.

Wedel: Großkunden-Anfragen muss der Spargelbauer ablehnen

Die Euphorie der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein über den Beginn der Spargelsaison kann Schmietendorf deshalb nur bedingt teilen. „Ich hätte natürlich liebend gern schon das Oster-Geschäft mitgenommen. Aber wir müssen derzeit Anfragen, zum Beispiel von Restaurants, für größere Mengen leider ablehnen“, sagt Schmietendorf. Es ist noch zu kühl.

Die vielen Regenmassen im Februar waren nicht förderlich. Trotz des mehrwöchigen Sonnenscheins im März sind die Böden nach wie vor vollgesogen mit Wasser und können weiteren Regen kaum verarbeiten. Es fehlt an Sonne mit der wärmenden Kraft. Auch der nächtliche Frost zuletzt war schlecht.

Zeigt die über die Dämme gezogene schwarze Folie nach oben, sollen die Spargelstangen schneller wachsen. Schaut die Folie auf die weiße Seite gedreht gen Sonne soll das Wachstum der Stangen verzögert werden. Ist zusätzlich ein Kunststofftunnel über das Folienkonstrukt gespannt, soll darüber hinausgehend Wärme konserviert werden, um wie in einem „Mini-Gewächshaus“ das Wachstum zu beschleunigen.

Wedel: Kosten für Betriebsmittel sind gestiegen

„Es gab keine richtige Winterruhe, also kalte Frostphasen, in denen die Pflanze über Wochen zur Ruhe kommt und nicht wächst. Jetzt ist es dadurch auch teilweise so, dass kaum Stangen in ihrer Größe gleichmäßig gewachsen sind“, sagt Schmietendorf.

Dabei ist die bisher eher maue Ernte nicht das einzige Ärgernis: Trotz gelockerter Corona-Maßnahmen rechnet er 2022 mit Mehrkosten von etwa 10.000 Euro. „Alle Betriebsmittel sind auch teurer geworden. Die Trecker müssen mit Diesel betankt werden, Versicherungen kosten ebenfalls mehr, der Strom, die Düngemittel“, zählt er auf. Die 20 Erntehelfer, allesamt gegen das Corona-Virus geimpft und aus Polen, sind angemeldet und bekommen auch ihren Lohn, wenn nur wenig geerntet werden kann. Es seien ausschließlich Stammkräfte.

„Einige von ihnen sind bereits seit 20 Jahren bei uns. Falls jemand ausfällt, kommt der Ersatz aus dem dortigen familiären Umfeld. Alle wissen, was auf sie zukommt“, sagt er. In der Spargel-Szene ist es ein offenes Geheimnis, dass Mitarbeiter aus deutschen Regionen eher jammern, nicht zur Arbeit erscheinen und weniger belastbar sind als die fleißigen Osteuropäer. Die Spargelernte ist eben Knochenarbeit. „Es gibt auch die maschinelle Ernte. Aber die ist noch nicht so ausgereift. Bei uns wird traditionell jede Stange einzeln per Hand geerntet“, so Schmietendorf, dessen Familie 1978 aus der Wedeler Altstadt in die Voßhörntwiete zog.

Wedel: Spargelbauer hofft auf Wachstumsschub

Schmietendorf baut unter anderem die Sorten Baklim und Ravel an. Nur sogenannte F1-Hybride, die er seit jeher von einem Betrieb aus Mölln bezieht, werden auf seinen Feldern gepflanzt. Eine Spargelpflanze muss nach zehn Jahren ausgetauscht werden.

Wann jetzt endlich genug Spargelspitzen ihre Spitzen durch den Erdwall in den Himmel schießen lassen, lässt sich schwer abschätzen. „Vielleicht geht es nächste Woche endlich los und es kommt der finale Impuls für das Wachstum“, hofft Harm Schmietendorf. Derzeit kostet das Kilogramm violetter Spargel 17,80 Euro, die weiße Sorte einen Euro mehr. Bei einer größeren Erntemenge gehe der Preis nach unten.

Das offizielle Ende der Spargelsaison ist traditionell am 24. Juni (Johannistag). Harm Schmietendorf drückt es so aus: „Die Spargelsaison beginnt bei uns, wenn wir unsere Schilder aufstellen und endet, wenn wir sie wieder abbauen.“ Der eigene Hofladen hat täglich zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet – auch an den Feiertagen. Wegen einer Baustelle ist derzeit die Anfahrt nur über die Straße Steinberg und anschließend die Bündtwiete möglich. Der Spargelhof macht von seinem Hausrecht Gebrauch – im Hofladen muss eine Maske getragen werden.

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