Wedel

Tür zu schmal – passt in dieser Kirche kein Sarg durch?

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Keno Fiedler
Der Bestatter Volker Evers hat nachgemessen: Das Portal zur neuen Kapelle auf dem Wedeler Waldfriedhof ist weniger als zwei Meter breit. Zu schmal für Sargträger mit Sarg.

Der Bestatter Volker Evers hat nachgemessen: Das Portal zur neuen Kapelle auf dem Wedeler Waldfriedhof ist weniger als zwei Meter breit. Zu schmal für Sargträger mit Sarg.

Foto: Keno Fiedler

Planungspanne beim Neubau der Kapelle auf dem Waldfriedhof. Nun müssen Särge auf dem Rollwagen hinausgeschoben werden.

Wedel.  In einigen Wochen soll sie ihre Tore öffnen: die neue Kapelle auf dem Waldfriedhof in Wedel. Die Tore öffnen? Ja, genau hier liegt das Problem. Denn im Grunde erfüllt die Tür der Friedhofskapelle eine zentrale Bedingung nicht: Die Sargträger sollten hindurchpassen – und zwar mit dem Sarg auf ihren Schultern. Eben hier muss etwas schiefgelaufen sein bei der Planung des Gebäudes.

Nicht ganz zwei Meter breit ist dessen Portal, so zeigt es der Zollstock. Die Träger passen hindurch, der Sarg natürlich auch. Aber beide zusammen? Fehlanzeige. Üblicherweise sollte der Haupteingang deutlich breiter sein. Wie also konnte es dazu kommen?

Tür der neuen Wedeler Kapelle zu schmal für Sarg

„Das ist Wahnsinn hoch drei“, sagt Volker Evers, einer der Bestatter vor Ort. Er ärgert sich. Und er sagt, er sei der Erste gewesen, dem die Sache mit der Tür überhaupt aufgefallen ist. Am 25. März schon, zu dieser Zeit wurde noch an der Fassade des Neubaus gearbeitet. Evers gab der Friedhofsverwaltung sofort einen entsprechenden Hinweis, die Mitarbeiter dort mussten dann auch einsehen: Die Tür ist zu klein.

Für den Bestattungsunternehmer Evers ist die ganze Angelegenheit „ein Trauerspiel“. Er steht vor dem schmalen Durchgang und erklärt, wie die Trauerfeiern hier in Zukunft wohl ablaufen werden. Üblicherweise, so Evers, würden sechs Träger den Sarg in der Kapelle aufnehmen und ihn durch den Eingang geleiten. Jetzt muss der Sarg stattdessen auf dem Katafalk mit einem Rollwagen durch die Tür geschoben werden. Ohne die würdevoll schreitenden Träger an seiner Seite.

Auch die Stadt bestätigt den Einsatz eines „modernen Bahrwagens“ und verweist auf andere Friedhofskapellen, in denen auf gleiche Weise verfahren werde. Den Bestatter Evers stört daran nicht der eigentliche Mehraufwand. Oder dass er die Sargträger jedes Mal einweisen muss, wenn sie neu auf dem Waldfriedhof eingesetzt werden. Ihn ärgert vielmehr die Situation der Angehörigen. Jetzt müsse er den Hinterbliebenen vor der Zeremonie erklären, dass der Gang mit dem Sarg anders ablaufen werde als gedacht. Anders als in der alten Kapelle.

Wedel und Kirchengemeinde glücklich mit Kapelle

Die Stadt Wedel hat, gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, das Konzept für die Kapelle begleitet, heißt es auf Abendblatt-Anfrage aus dem Rathaus. Die Kirchengemeinde übernimmt das Gebäude nach Fertigstellung und verwaltet es voraussichtlich ab September.

Wie genau eine Trauerfeier künftig ablaufen werde, wie man den zu schmalen Durchgang nutzen wolle, überlege man noch, sagt Werner Ballendat, Vorsitzender des Friedhofsausschusses. Er wünscht sich aber, dass pragmatisch mit der Situation umgegangen werde und meint: „Wir sollten erst mal zur Kenntnis nehmen, was für eine schöne Kapelle es geworden ist.“ Die Friedhofsverwaltung selbst wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern.

Die Stadtverwaltung wiederum bekräftigt, man sei „sehr glücklich, dass mit der modernen und hellen Ausgestaltung des Bauwerks ein naturnaher und würdiger Ort entstanden ist“. Ein Ort, „an dem Menschen von ihren Verstorbenen Abschied nehmen können“. Seit 1975 ist die Stadt im Besitz des Geländes am Gnäterkuhlenweg, 1981 übernahm die evangelisch-lutherische Gemeinde die Bewirtschaftung des Friedhofs.

Baufällige Kapelle in Wedel durch Rekonstruktion ersetzt

Noch im selben Jahr wurde eine Holzkapelle errichtet – und fast 40 Jahre lang rege genutzt, obwohl sie eigentlich nur als Provisorium gedacht war. Baufällig geworden, musste die Kapelle schließlich abgerissen werden. Um einen Neubau entbrannten lokalpolitische Diskussionen, es kam die Frage auf, ob Wedel überhaupt zwei Friedhöfe benötige. Schlussendlich fiel die Entscheidung aber zugunsten einer Rekonstruktion der alten Kapelle. An Ort und Stelle sollte ein nur geringfügig modernisierter Bau entstehen.

Warum aber wurde bei dieser Rekonstruktion ausgerechnet die Tür des Eingangsbereiches verkleinert? Immerhin hatten die Sargträger im alten Bauwerk problemlos ihrer Tätigkeit nachgehen können. Die Maße des Neubaus folgen, laut Aussage aus der Stadtverwaltung, denen des Vorgängerbaus. Allerdings hätten auf dem Grundriss der alten Kapelle die Längenangaben dafür gefehlt.

Warum sind Türen der Kapelle in Wedel zu schmal?

Aus dem Rathaus heißt es weiter: Die nachträgliche Ermittlung der Maße auf dem Originalplan habe eine Rohbauöffnung der Tür von etwa 210 Zentimetern ergeben. „Die als optimal angesehene Breite von etwa 250 Zentimetern für das Heraustragen eines etwa 90 Zentimeter breiten Sarges durch Träger an beiden Seiten war also aus Sicht der Stadt Wedel auch schon im Vorgängerbau nicht gegeben.“

Damit ist allerdings nicht geklärt, warum die Tür von dem ausführenden Planungsbüro noch mal ein Stück schmaler angelegt wurde als in der alten Kapelle. Ausschlaggebend hierfür könnte die restliche Aufteilung des Gebäudes gewesen sein. Die Räume links und rechts des Eingangs würden die Breite der Tür vorgeben, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Ein breiterer Durchgang hätte demnach die Nutzfläche dieser Räume verringert, so die Einschätzung der Verantwortlichen. Eine nachträgliche Verbreiterung der Tür dürfte also weder geplant noch möglich sein.

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