E-Sports

Malte Hedderich (25) soll den FC Union virtuell aufbauen

Frank Mettal (M.), der E-Sport-Beauftragte im FC Union Tornesch, hofft, dass sich Marco Nierzwicki (l., 24.), Teammitglied und „Entwicklungshelfer“ Malte Hedderich (r., 25) und der beim Fototermin verhinderte Georg Raffelt (24) für die Endrunde im DFB-E-Pokal qualifizieren werden.

Frank Mettal (M.), der E-Sport-Beauftragte im FC Union Tornesch, hofft, dass sich Marco Nierzwicki (l., 24.), Teammitglied und „Entwicklungshelfer“ Malte Hedderich (r., 25) und der beim Fototermin verhinderte Georg Raffelt (24) für die Endrunde im DFB-E-Pokal qualifizieren werden.

Foto: Beatrice Krol / FC Union

Der junge Unternehmer tritt als Ex-Fifa-Profi für die Tornescher im DFB-E-Pokal an. Die Trendsportart soll beim FC Union bald boomen

Tornesch.  Über Menschen, die mit dem Spielen am PC oder an der Konsole als professionelle E-Sportler ihren Lebensunterhalt bestreiten, gibt es einige Klischees. Welches stimmt denn? Eines auf jeden Fall. „Pro Gamer verbringen sehr, sehr viel Zeit vor dem PC oder der Konsole – und das oft auch nachts“, sagt Malte Hedderich. Der Tornescher zählte vor einigen Jahren zu den besten Fifa-Spielern Deutschlands. Das Fußball-Videospiel fesselt weltweit mehr als zehn Millionen an die Bildschirme – vom Anfänger bis zum Vollblut-Profi.

Beim E-Sport kommt es auch auf gute Kommunikation an

Auch zum Thema, ob E-Sport – also elektronischer Sport – überhaupt Sport im klassischen Sinne sei, hat er eine klare Meinung: „Es kommt darauf an, wie man Sport definiert. Aber wenn auch Dinge wie Tontaubenschießen oder Schach dazugehören, dann ist es E-Sports allemal. Man muss kognitiv sehr leistungsstark sein über eine längere Zeit und man muss motorisch auch relativ geschickt sein. Und auch der Teamsportgedanke ist vorhanden, jetzt nicht unbedingt bei Fifa, aber bei anderen Spielen, wo es auf genaue Absprachen und gute Kommunikation untereinander ankommt.“

Grundsätzlich seien die meisten Top-Professional-Gamer auch körperlich fit, weil damit auch die mentale Fitness einhergeht. Der Clan SK Gaming arbeitet beispielsweise mit Ex-DFB-Athletiktrainer Benjamin Kugel zusammen. Das Bild des Kartoffelchips-vernichtenden, Teig-ähnlichen Konsolen-Kindes, das bei zu grellem Tageslicht zu Asche und Staub zerfällt, stimmt also auch nicht hundertprozentig.

Vor gut sieben Jahren hat sich der 25-Jährige, der 2007 mit dem jährlich erscheinenden Fifa begonnen hat und in Spitzenzeiten bis zu acht Stunden pro Tag trainierte, aus der aktiven Szene weitgehend verabschiedet. Zumindest überlässt er die Fingerfertigkeit am Controller und das Training für die perfekte Auge-Hand-Koordination weitgehend anderen.

Mit seiner Firma vermarktet Hedderich unter anderem talentierte Spieler

Hedderich hat die Firma bPartGaming gegründet, die sich um die Vermarktung anderer Spieler kümmert,
in der Analyse der Spiele tätig ist und in Videos Tipps und Tricks für ambitionierte Zocker anbietet – auch für den englischsprachigen Raum aufbereitet.

Als es noch eine Zeit vor Corona gab, stellte die Firma unter anderem Moderatoren und Kommentatoren bei wichtigen Fifa-Events zur Verfügung und arbeitete Hand in Hand mit TV-Sendern wie Sport 1 oder Pro 7. Ein Youtube-Kanal (THE GUIDE - FIFA 21 Tutorials, Tipps & Tricks!) hat 115.000 Abonnenten. Darüber profitiert die Fima von der Vermarktung der Szene-Größen.

Nach dem Abi an der Klaus-Groth-Schule konzentriert er sich aufs Gaming

Hedderich ist mittlerweile mehr konzeptionell tätig, anstatt selbst vor der Kamera zu stehen. Der Markt ist riesig, nach dem Abitur an der Klaus-Groth-Schule in Tornesch hat er komplett die Gaming-Schiene gefahren, ordentlich verdient und wohnte zuletzt auch eineinhalb Jahre in Berlin. Die Corona-Krise hat jedoch auch diesen Bereich erfasst. Allmählich gehe es aber wieder deutlich aufwärts, so Hedderich, der gerade wieder im Elternhaus in Tornesch wohnt.

Im Alter von sieben Jahren begann er mit Fußball beim FC Union, der Mittelfeldspieler spielte und trainierte viele Jahre unter Trainer Frank Mettal. Der Verein plant den Aufbau einer E-Sports-Abteilung, Hedderich hilft dabei mit seinem langjährigen Know-how mit.

An diesem Sonnabend beginnt die Qualifikationsrunde Nord

Und er tritt an diesem Sonnabend für den FC Union Tornesch in der Qualifikationsrunde Nord des erstmals ausgetragenen DFB-E-Pokals an. Allein in der Nordstaffel treten fast 100 Teams an der Playstation 4 an. Gespielt wird online im K.o.-Modus in bis zu drei Einzeln. Führt eine Mannschaft mit 2:0, wird das dritte Match nicht mehr ausgetragen. Die vier besten Teams ziehen in die nächste Runde ein und treffen dort auf Vertreter aus dem Süden, Osten oder Westen – dabei ist es möglich, dass Topspieler unter Pseudonym ihre Freunde unterstützen. Der Siegerclub der Finalrunde – dort greifen die Profiteams der „echten“ Bundesliga-Clubs ein – erhält 25.000 Euro.

Zwei Jahre lang war Hedderich ganz oben in der deutschen Rangliste zu finden

Neben Hedderich, der zu seinen größten Erfolgen die WM-Teilnahme (Vorrundenaus), zwei DM-Halbfinalteilnahmen und eine zweijährige Spitzenposition an der deutschen Rangliste zählt, spielen seine Kumpels Georg Raffelt (24, Dresden) und Marco Nierzwicki (24, Tornesch) beim E-Pokal mit.

Im Jahr 2021 wird Union Tornesch 100 Jahre alt. Der Verein möchte nach dem Bau der modernen Sportanlage „Torneum“, der erfolgreichen Etablierung der ersten Herren- und Frauenmannschaft in der Hamburger Oberliga sowie der Teilnahme an der A-Junioren-Regionalliga sich stetig weiterentwickeln. Ziel ist, E-Sport mit dem realen Fußball zu kombinieren. „Taktische Formationen können zum Beispiel an der Konsole angesehen, ausprobiert und damit vermittelt werden. Es geht darum, mögliche Synergie-Effekte zwischen Fifa und dem Fußball zu nutzen“, sagt Hedderich. Die Zeiten von „Geht’s raus und spielt’s Fußball!“ (O-Ton Franz Beckenbauer) wirken in Zeiten der kompletten Verwissenschaftlichung des Deutschen liebsten Kindes mittlerweile wie Worte aus dem Alten Testament.

E-Sport soll auch Mitglieder für den FC Union gewinnen

„E-Sport ergänzt das Angebot des FCU perfekt und soll unsere ganzheitliche Strategie stützen. Durch E-Sport wollen wir Mitglieder gewinnen und neue Angebote entwickeln“, sagt Mettal. Es soll Konzepte geben, die Kinder auch koordinativ schulen. „Es entstehen neue Möglichkeiten durch Erweiterung des digitalen Angebotes. Auch in der Soccerhalle, indem bei Kindergeburtstagen neben dem Kicken auch an der Konsole ein Turnier gespielt wird“, sagt der E-Sport-Beauftragte des FCU.

Zocken sei nichts, wofür man sich rechtfertigen muss, meint auch der Ex-Profi und E-Sports-Unternehmer Hedderich. Sanften Widerstand hatte es zunächst auch im eigenen Elternhaus gegeben, aber sukzessive gab der Erfolg dann Malte Hedderich endgültig recht...