Gesundheitssport

Bewegungshungrige Rellinger haben nun reichlich „Kreislauf“

Der Sport in der Halle ruht wegen Corona. Daher freuen sie sich doppelt über den neuen Rellinger „Jetzterstrechtparkour“, von links: Melli Pletz-Mendes, Rea Kostas, Pheline Martens, Nicole Spehr, Marco Spehr; davor ihre Töchter Leonie und Marle Spehr.

Der Sport in der Halle ruht wegen Corona. Daher freuen sie sich doppelt über den neuen Rellinger „Jetzterstrechtparkour“, von links: Melli Pletz-Mendes, Rea Kostas, Pheline Martens, Nicole Spehr, Marco Spehr; davor ihre Töchter Leonie und Marle Spehr.

Foto: Frederik Büll / HA

In der Gemeinde gibt es seit Monatsbeginn einen Fitness-Parcours mit vier Streckenlängen. Start und Ziel ist die Caspar-Voght-Schule

Rellingen.  Marco Spehr ist nebenberuflich Fitness- und Athletik-Trainer. Seit neuestem werden dem 42 Jahre alten Rellinger auch beste Kontakte zu Bundeskanzlerin Angela Merkel nachgesagt. Quasi mit Verkündung der verschärften Corona-Maßnahmen, die unter anderem auch den Teamsport Anfang November komplett zum Erliegen brachten, war der sportliche Rundkurs mit Start- und Ziel an der Caspar-Voght-Schule in Zusammenarbeit mit dem Rellinger TV fertig. Auf vier verschiedenen Distanzen – 1,6 Kilometer (orangene Strecke), 1,8 Kilometer (grüne Strecke), 3,5 Kilometer (blaue Strecke), 5 Kilometer (pinke Strecke) – kann jeder nun joggen, spazieren oder etwas flotter walken.

Insgesamt gibt es 30 Hinweisschilder, an denen unterschiedliche funktionelle Fitness-Übungen absolviert werden können. Es werden beispielsweise Kniebeugen, Rumpfschwinger oder Hampelmänner verlangt. Alle Strecken sind markiert und beleuchtet. „Egal wie jung oder alt, ob Vereinsmitglied oder nicht. Jeder soll animiert werden, sich zu bewegen und Sport zu machen. Das war uns bei der Erstellung dieses Parkours wichtig“, sagt die hauptamtliche RTV-Trainerin Melanie Pletz-Mendes.

Über soziale Medien wird der Parkour eifrig beworben

Frei nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ soll der Corona-Krise an frischer Luft sportlich ein Schnippchen geschlagen werden. Unter Einhaltung aller aktuellen Hygiene- und Kontaktbeschränkungen. Im Internet werden unter den Hashtags #rellingenbewegtsich und #jetzterst­rechtparkour fleißig Beiträge in den sozialen Medien verfasst. „Die Resonanz ist wirklich gut“, sagt Spehr, der nicht weit weg von der Strecke wohnt und daher regelmäßig Eindrücke sammeln kann, ohne zu neugierig zu wirken. „Viele laufen, auch Senioren spazieren dort entlang und machen teilweise auch die Übungen. Das ist schön anzusehen“, sagt der Geschäftsführer eines Unternehmens für den Bau von Kinderspielplätzen.

Von der Nähe zum Fitness-Parcours profitiert die Caspar-Voght-Schule

Von dem Rundkurs, Start- und Ziel sind am neuen Parkplatz, profitiert auch die Schule. „Es ist ein großer Vorteil, so etwas in Corona-Zeiten direkt vor der Tür zu haben. So kann der Sport-Unterricht nach draußen verlagert werden. Wir haben diese Möglichkeit dankend angenommen“, sagt Sportlehrer Christian Dirksen, der als langjähriger Oberliga-Fußballer im Kreis Pinneberg – zwischen 2008 und 2019 für den SV Rugenbergen, die SV Halstenbek-Rellingen, VfL Pinneberg und Wedeler TSV – in der Saisonvorbereitung sicherlich auch Kondition gebolzt hat. Mittlerweile tritt er für den Kreisligisten Komet Blankenese an – und wartet wie alle anderen Mannschaftssportler auf grünes Licht, um auf den Platz zurückkehren zu können.

Pletz-Mendes trainiert auch die weiblichen C-Jugendhandballerinnen in Rellingen und hofft, dass durch regelmäßige Teilnahme ihrer Spielerinnen der Fitnesszustand bei einer möglichen Wiederaufnahme der Saison auf einem vernünftigen Level ist. Unter anderem auf Rea Kostas (13), Pheline Martens (14) und Marie Spehr (13) ist dabei Verlass. Auch Spehrs Frau Nicole (40) und die zweite Tochter Leonie (13) sind regelmäßig auf den Kursen.

Planung und Einrichtung des Parkours gehen schnell vonstatten

„Es haben sich schon Nichtsportler zu Mini-Sportlern entwickelt. Und die Jungen motivieren auch ihre Eltern zum Mitmachen oder andersherum“, sagt Pletz-Mendes, die gemeinsam mit Marco Spehr für die rasche Konzeption verantwortlich war. Dann folgte die Umsetzung: Pfähle rein, Schilder aufgehängt, mit Markierungsspray die Richtungen vorgegeben – fertig.

Gerade wurden Informationszettel verteilt, um besonders bei der älteren Generation für die Aktion zu werben. „Die ersten 1000 Zettel sind schon weg und liegen auch in Rellinger Geschäften aus. Auch die Gemeinde unterstützt unser Vorhaben“, sagt Marco Spehr, der auch darauf hofft, dass Bürgermeister Marc Trampe sich für Rellingen bewegt. Er selbst könne sich ein Leben ohne Bewegung nicht vorstellen: „Da würde mir auf jeden Fall etwas fehlen. Und diese Begeisterung dafür möchte ich gern weitergeben.“

Pletz-Mendes ist seit über 20 Jahren der Vermittlung von Sportinhalten verbunden und hat ihren Schwerpunkt im der Jugendtraining. Die RTV-Sportler sammeln online ihre gelaufenen Kilometer. Es sind bereits von 190 registrierten Läufern weit über 5000 Kilometer abgespult worden. Über 100 Kilometer hat Spitzenreiter Marco Spehr abgerissen.

Von morgen an messen sich Rellinger TV und Blau-Weiß 96 im Laufwettstreit

Am 20. November startet ein zehntägiger Lauf-Wettkampf gegen Blau-Weiß 96 Schenefeld. „Alle Sportler tragen den Wettkampfgedanken in sich. Der kann zurzeit wegen der Situation nicht so ausgelebt werden wie üblich. Da wollten wir Abhilfe schaffen und für Motivation sorgen. Der Ehrgeiz ist jedenfalls groß in der Gemeinde“, sagt die Rellingerin.

Aus den Bildern, die im Internet hochgeladen werden, soll eine Collage erstellt werden. Sport tut sowohl dem Körper als auch der Seele gut – nicht nur in Krisenzeiten. Und so werden mit Sicherheit viele glückliche Gesichter darauf zu erkennen sein.