Springreiten

Turniererfahrung sammeln unter Spaniens Sonne

| Lesedauer: 4 Minuten
Ulrich Stückler
Janne Friederike Meyer-Zimmermann scheut die Einschränkungen durch die Anti-Corona-Maßnahmen nicht, hat vier Wochen lang mit mehreren Pferden in Spanien trainiert und an Turnieren teilgenommen. In Oliva Nova bei Valencia startete sie auch bei mehreren Großen Preisen; mit Chesmu KJ (Foto) landete sie zum Abschluss auf Rang drei. Jetzt geht es für zwei Wochenenden nach Vejer de la Frontera. Höhepunkt: der Mannschafts-Nationenpreis.

Janne Friederike Meyer-Zimmermann scheut die Einschränkungen durch die Anti-Corona-Maßnahmen nicht, hat vier Wochen lang mit mehreren Pferden in Spanien trainiert und an Turnieren teilgenommen. In Oliva Nova bei Valencia startete sie auch bei mehreren Großen Preisen; mit Chesmu KJ (Foto) landete sie zum Abschluss auf Rang drei. Jetzt geht es für zwei Wochenenden nach Vejer de la Frontera. Höhepunkt: der Mannschafts-Nationenpreis.

Foto: 1clicphoto / privat

Janne Friederike Meyer-Zimmermann bereitet ihre Pferde im Süden auf Wettkämpfe vor. Für zwei Wochen geht es nach Vejer de la Frontera

Pinneberg.  Aufbruchstimmung auf Hof Waterkant an der Schenefelder Landstraße in Pinneberg-Waldenau. Im vormals als Neuer Eichenhof bekannten Reitstall von Janne Friederike Meyer-Zimmermann führen die Mitarbeiter in den frühen Abendstunden fünf Pferde – darunter die Stuten Leotie KJ, Chesmu KJ und Zita Blue – ganz entspannt in den bereit gestellten, großen LKW. Dieser ist für den komfortablen Langstreckentransport der Tiere ausgestattet. Es geht nach Spanien – speziell für Leotie und Chesmu ein vertrautes Unterfangen.

Mit diesem neun Jahre alten Duo sowie fünf weiteren Nachwuchs-Springpferden hatte die Olympiateilnehmerin von 2012 und Mannschafts-Europameisterin von 2011 bereits im vergangenen Monat die lange Reise auf die iberische Halbinsel auf sich genommen. Dort, fernab des unwirtlichen heimischen Klimas, wollte sie unter Corona-konformen Bedingungen trainieren und sich mit internationaler Konkurrenz messen.

Drei Wochen lang ist Oliva Nova das Zuhause für das Team von Hof Waterkant

Für die Teilnahme an der Mediterranean Equestrian Tour (MET) in Oliva Nova, rund 80 Kilometer südlich von Valencia, hatte sich die 39-Jährige für drei Wochen mit zwei Pflegern und ihren Vierbeinern in der Nähe einquartiert. „Wir waren in der glücklichen Situation, leere Ställe ohne jeglichen Publikumsverkehr nutzen zu können“, sagte die seit 2017 mit Christoph Zimmermann verheiratete Janne Meyer. „Das haben wir für die Anreisepausen und unseren Aufenthalt im Voraus so geplant.“

Unter solch optimalen Bedingungen konnte sich das Team von Hof Waterkant eingehend mit seinen Schützlingen befassen. „Wir leben zwar in Zeiten von Corona und müssen uns an Regeln halten, aber auf keinen Fall dürfen und sollen die Pferde davon etwas mitkriegen“, betont Janne Meyer. „Sie bekommen ihre Bewegung und Pflege, als sei alles wie immer, ganz normal.“

In drei Wochen auf der MET absolviert Janne Meyer-Zimmermann 30 Starts

Derart umsorgt brachten die sieben Turnierpferde ihre Leistung und sammelten wertvolle Wettkampferfahrung. An insgesamt zwölf Wettkampftagen absolvierte Janne Meyer 30 Turnierstarts, darunter auch drei Grand Prix mit Hindernishöhen bis zu 1,45 Metern.

Wie förderlich die entspannten – wenn auch Corona-konformen – Rahmenbedingungen waren, spiegelte sich prompt in den Platzierungen bei diesen höchstklassigen Prüfungen der MET wider. Einem bereits starken siebten Platz auf Chesmu KJ am ersten Wochenende ließ Janne Meyer in Wochenabstand zuerst auf Leotie KJ Rang zwei und den Gewinn von 6.000 Euro Preisgeld folgen. Und als krönenden Abschluss ersprang sich auch Chesmu KJ mit einem Null-Fehler-Ritt und Rang drei (6.750 Euro Preisgeld) einen Podestplatz.

Janne Meyer-Zimmermann bedauert das Fehlen der Zuschauer

Lediglich der Umstand, dass die Konkurrenzen und Siegerehrungen nur unter den Augen eines kleinen, erlesenen Zirkels unter Publikumsausschluss stattfanden, trübte den Gesamteindruck ein wenig. „So ganz ohne Publikum wirkt der Profi-Sport vielleicht manchmal etwas trostlos, aber wir sind sehr froh und dankbar unseren Beruf weiter ausüben zu können“, sagte Janne Friederike Meyer-Zimmermann.

Möglichkeiten, die die renommierte Springreiterin auch vor der eigenen „Haustür“ hat und regelmäßig wahrnimmt. „Wir Profis können zum Glück in Deutschland unter Einhaltung des entsprechenden Corona-Regelwerks ebenfalls Trainingsturniere ausrichten und unter Wettkampfbedingungen springen“, sagte die Pinnebergerin. „Die Reisen nach Spanien, wo mindestens ebenso strenge, vielleicht sogar strengere Regeln herrschen, haben aber den großen Vorteil, dass alle Wettbewerbe unter freiem Himmel stattfinden.“ Weshalb Janne Meyer den drei Wochen in Oliva Nova noch direkt eine Woche in Valencia bei der Autumn Tour folgen ließ. Die Belohnung zum Abschluss: Platz zwei mit einem Null-Fehler-Ritt auf Messi van T Ruytershof im Großen Preis CSI*.

Vor den Deutschen Meisterschaften geht es noch einmal nach Spanien

All dies sind Erfahrungen, die Janne Friederike Meyer-Zimmermann darin bestätigt haben, noch vor den für den 3. bis 6. Dezember vorgesehenen Deutschen Meisterschaften in Riesenbeck erneut Spanien anzusteuern. Zum Abschluss der zwei Turnierwochenenden der Sunshine Tour in Vejer de la Frontera ist für den 28./29. November auch der Mannschafts-Nationenpreis angesetzt. Renommierte Konkurrenz ist garantiert.

Janne Friederike Meyer-Zimmermann: „Das ist die Gelegenheit, unserem Bundestrainer noch im Jahr 2020 aufstrebende Pferde wie Leotie, Chesmu oder Zita Blue vorzustellen. Die sind mit ihren neun Jahren alle in einem Alter, in dem es für sie auf großer Bühne losgehen kann.“

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